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Unternehmensnachfolger gesucht
Generationenwechsel in der Backstube

Während viele Handwerksbetriebe in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen, kann sich die Bäckerei und Konditorei Lohse glücklich schätzen. Cindy Lohse hat im vergangenen Jahr den Betrieb übernommen, der nun in der dritten Generation in Familienhand geführt wird.
Während viele Handwerksbetriebe in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen, kann sich die Bäckerei und Konditorei Lohse glücklich schätzen. Cindy Lohse hat im vergangenen Jahr den Betrieb übernommen, der nun in der dritten Generation in Familienhand geführt wird. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. 2017 hat Cindy Lohse die elterliche Bäckerei übernommen. Andere Betriebe hingegen suchen dringend Nachfolger. Von Stephan Meyer

Bereits als Kind stand Cindy Lohse gerne an der Ladenkasse in der Bäckerei ihrer Eltern in der Branitzer Siedlung. Vor einem Jahr hat sie den Betrieb von ihrer Mutter Heidrun übernommen, der nun in der dritten Generation von einem Lohse-Familienmitglied geführt wird. Doch jemanden zu finden, der das eigene Unternehmen übernimmt, ist in der Region mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr.

Laut Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus (HWK), sei der Bedarf enorm. In Südbrandenburg würden in den nächsten fünf Jahren über 2500 Betriebsinhaber einen Nachfolger suchen. Doch es sei nicht so, dass die Betriebe gar keine Nachfolger finden würden, erklärt Knut Deutscher. Es sei nur sehr schwierig. „Seltener als früher stehen Familienmitglieder zur Übernahme zur Verfügung“, so der HWK-Hauptgeschäftsführer. „Häufiger übernehmen Mitarbeiter oder Externe das Unternehmen.“

Selbst einmal den elterlichen Betrieb zu übernehmen, das war auch nicht immer Teil von Cindy Lohses Lebensplanung. Als Jugendliche begleitete sie ihre Eltern öfter auf den Markt an der Oberkirche. Dort stand sie mit im Verkaufswagen, wie die 37-Jährige berichtet. „Ich hatte damals manchmal auch andere Dinge im Kopf und nicht immer Lust“, gesteht sie rückblickend. Dennoch kam für sie nie ein anderer Beruf als der einer Bäckerin infrage. Doch auch später als Angestellte in der Bäckerei hatte sie so ihre Zweifel, ob sie das Geschäft denn übernehmen wolle. Die große Verantwortung habe sie anfangs abgeschreckt. „Da muss man sich schon ein Stück aufopfern, wenn man mit Leidenschaft dabei sein will.“

Nach Erlangung ihres Meistertitels 2001 festigte sich aber ihr Entschluss. „Ich wollte halt nicht, dass jemand anderes in der Backstube meiner Eltern die Brötchen bäckt.“ Verschiedene Aspekte hätten sie in ihren Willen gestärkt, das Bäckereierbe der Familie anzutreten. Unter anderem die verbesserte Wirtschaftslage in der Region und die damit einhergehende gestiegene Kaufkraft. Zudem habe das Interesse an gesunder Ernährung zugenommen. Handwerksbackwaren würden wieder mehr geschätzt werden.

Vertrauen hätte ihr auch ihre Ausbildung gegeben. Mit 16 verließ Cindy Lohse Cottbus Richtung Niedersachsen. Dort ließ sie sich innerhalb von fünf Jahren zur Bäckerin und Konditorin ausbilden. Ihr war es wichtig, nicht im elterlichen Betrieb zu lernen, um eine  andere Perspektive auf das Handwerk zu erhalten. Bei einem Backwettbewerb wurde sie Landessiegerin. Als Preis erhielt die Branitzerin ein Stipendium zur Meisterausbildung.

Gemäß Knut Deutscher kämpfen Betriebe aller Handwerksbranchen mit dem Problem einen Geschäftsnachfolger, zu finden. Besonders betroffen seien jedoch die Elektro-, Kfz-, Metall-, Bau- und Ausbau- sowie die Nahrungsmittelbranche. Die Gründe für die Suche nach einem neuen Chef seien vielfältig, erklärt der HWK-Hauptgeschäftsführer. Manche hätten das Rentenalter erreicht oder gingen eher in den Ruhestand, um ihren Lebensabend zu genießen. Andere wiederum würden sich beruflich neuorientieren. Eine schwere Krankheit sei manchmal ebenfalls Anlass für die Suche nach einem Nachfolger. Damit die Betriebe damit nicht auf sich allein gestellt sind, bietet die HWK auf Nachfrage professionelle Unterstützung bei der Suche nach einem fachlich und persönlich qualifizierten Nachfolger an. Auch die Bäckerei Lohse sei von der HWK unterstützt worden. „Wir freuen uns über die erfolgreiche Entwicklung“, so Knut Deutscher.

Dass eine erfolgreiche Geschäftsübernahme nicht ganz ohne Veränderung funktionieren würde, das war Cindy Lohse schnell klar. Nachdem sie Chefin wurde, erstellte sie im ersten Quartal ein Konzept für neue Investitionen und beantragte Bank- und Fördermittel. Mit der Installation eines neuen energieeffizienten Ofens und moderner Kältetechnik konnten ab September die Vorgänge in der Backstube optimiert werden. „Der alte Backofen war 28 Jahre alt. Da musste etwas passieren“, erklärt die neue Chefin.

Für die erfolgreiche Übernahme der Bäckerei und die Modernisierung erhielt Cindy Lohse Ende November den Sonderpreis „Handwerk“ des Lausitzer Existenzgründerwettbewerbs. Auf den Wettbewerb machte sie die HWK aufmerksam. Mit den 2000 Euro Preisgeld will die Bäckerin die Modernisierung fortsetzen. Sie möchte in computergestützte Technik für das Büro und die Backstube investieren. Darüber hinaus hat sie sich ein langfristiges Ziel gesetzt. Gerne würde sie irgendwann einen Bäcker ausbilden wollen.

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