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Warenhauskonzern in schwierigem Fahrwasser
„Cottbus ist sehr gut aufgestellt“

FOTO: Beate Möschl / LR
Cottbus/Köln . Die Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof hat offenbar wirtschaftliche Probleme – aber nicht an allen Standorten. Von Beate Möschl

Die Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof steht derzeit öffentlich mehr in der Diskussion als dem Management lieb sein dürfte. Denn immerhin geht es nicht um verblüffende Umsatzsteigerungen, sondern um das ganze Gegenteil. Doch so ganz und gar schlecht ist die Situation möglicherweise nicht.

In ihrer Berichterstattung mutmaßen regionale und überregionale Medien, dass die kanadischen Eigentümer eine Druck- und Drohkulisse aufbauen, um einen Sanierungstarifvertrag mit Lohnverzicht zu erwirken. Andererseits heißt es, die kanadischen Eigentümer, die Hudson Bay Company (HBC) verhalte sich wie ein Finanzinvestor, der sich den Kauf des Unternehmens vom Unternehmen selbst finanzieren lässt. Das soll das operative Geschäft geschwächt und viele Filialen in die roten Zahlen gedrückt haben, wie die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ schreibt. Sie mutmaßt sogar über einen strategischen Schachzug des Kaufhof-Rivalen René Benko, der „schon 2015 dem deutschen Metro-Konzern Galeria Kaufhof mit 115 Häusern in Deutschland und Belgien abkaufen“ wollte. Er soll sogar schon ein Angebot unterbreitet haben, das um 200 Millionen Euro über den Kaufpreis liegt, den HBC gezahlt hat. Und das sollen drei Milliarden Euro gewesen sein.

In diesem Umfeld versuchen die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Galeria Kaufhof in Cottbus den Kopf oben zu behalten. Geschäftsleitung vor Ort und Betriebsrat sagen, dass ihnen die partnerschaftliche Zusammenarbeit wichtig ist. Sie sehen ihr Warenhaus gut aufgestellt und ziehen gemeinsam an einem Strang für ihren Standort und ihre Kunden. Das beobachtet auch Heike Plechte, Bezirksgeschäftsführerin Cottbus der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Von Spekulationen oder Drohkulissen will sich die Gewerkschaft verdi nicht leiten lassen. Sie hat Wirtschaftsprüfer mit einem Gutachten über die wirtschaftliche Lage beauftragt. „Galeria Kaufhof ist schon im vergangenen Jahr auf uns zugekommen und hat auf Stundung der Tarifverträge und Lohnverzicht gedrängt“, schildert Heike Plechte und sagt: „Das haben wir rigoros abgelehnt, zumal uns parallel dazu kein Zukunftstarifvertrag vorgelegt worden ist. Wir können doch nicht entscheiden, ohne die wirkliche Situation zu kennen.“ Deshalb habe sich Verdi Wirtschaftsprüfer ins Boot geholt, Stellungnahmen eingeholt und eine Tarifkommission zusammengestellt, in der Mitarbeiter aus jedem Kaufhaus-Standort der Galeria Kaufhof vertreten sind.

Die Tarifkommission hat bereits zwei Mal getagt, berichtet Heike Plechte. An diesem Freitag wird sie erneut zusammenkommen. Dann soll die Kommission darüber entscheiden, ob die Gewerkschaft als Arbeitnehmervertreterin überhaupt Verhandlungen über einen Sanierungs- oder Beschäftigungssicherungstarifvertrag mit dem Unternehmen aufnimmt. Das muss dann allerdings deutlich mehr Unternehmergeist zeigen, wie Heike Plechte deutlich macht. „Außer noch mehr Personalabbau sind konkrete Maßnahmen des Managements zur wirtschaftlichen Gesundung des Managements bislang nicht erkennbar“, kritisiert sie und stärkt den Beschäftigten am Standort Cottbus den Rücken. „Wir haben Ende März Flugblätter verteilt, die über die Situation informieren. Die Mitarbeiterinnen in Cottbus leisten eine gute Arbeit. Sie haben ihren Tarifvertrag verdient, jetzt sind die Arbeitgeber mal dran“, macht Heike Plechte deutlich.

„Galeria Kaufhof ist solide finanziert und hat die uneingeschränkte Unterstützung der Konzernmutter Hudson’s Bay Company (HBC)“, heißt es auf RUNDSCHAU-Nachfrage aus der Unternehmenszentrale von Galeria Kaufhof in Köln. „Unser klares Ziel ist es, wieder dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. Deshalb haben wir Anfang 2018 ein umfassendes Transformationsprogramm gestartet. Es zielt darauf ab, unseren Umsatz und Ertrag zu steigern sowie gleichzeitig die Kosten nachhaltig zu optimieren. Dadurch wollen wir das Profil der Marke Galeria Kaufhof schärfen, unsere Filialen zu noch attraktiveren Einkaufsstätten machen sowie die Verzahnung des stationären und digitalen Geschäfts weiter vorantreiben“, teilt Pressesprecher Steffen Kern mit.

Auf gezielte Nachfrage nach möglichen Auswirkungen für den Standort Cottbus antwortet er: „Das Programm umfasst natürlich das gesamte Unternehmen. Darüber hinaus gibt es derzeit keine spezifischen Konsequenzen für die Filiale in Cottbus. Die Galeria Kaufhof Cottbus ist sehr gut aufgestellt und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.“ Der Standort hat einen guten Ruf in der Region, und wird geschätzt.

„Galeria Kaufhof ist das einzige Warenhaus in der ganzen Region und ein Anker für den Cottbuser Einzelhandel. Es hat daher für die Stadt Cottbus eine enorme Bedeutung. Nicht nur, weil die Stadt als Oberzentrum mit dem Warenhaus eine besondere Anziehungskraft für Kauflustige ausüben kann und damit einen hohen Kundenstrom für den gesamten Einzelhandel generiert“, macht Katrin Erb, Leiterin des Bereiches Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, deutlich und fügt an: „Galeria Kaufhof hat auch mit dazu beigetragen, dass wir in einer bundesweiten Studie zur Vitalität von Innenstädten von den Passanten eine Schulnote 2,6 für die Attraktivität der Cottbuser City ermitteln konnten. Im Vergleich zu anderen Städten ein sehr gutes Ergebnis. Mit seinen knapp 12 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem für diese Betriebsform typisch vielfältigen Angebot konnte auch das Kriterium Einzelhandelsangebot bei den Passanten punkten. Über fast alle Sortimente hinweg wurde die gute Schulnote 2,2 für die Cottbuser City vergeben.“

Der Standort von Galeria Kaufhof passt sich aus Sicht der IHK Cottbus zudem hervorragend auch räumlich in die Innenstadt ein. „Zusammen mit den beiden Einkaufszentren Blechen-Carré und Spree-Galerie sowie den Angeboten in der Altstadt bildet sich ein Triangel, der gut erlaufen werden kann. Hervorragend für Kunden, die bummeln gehen wollen - und natürlich auch kaufen möchten“, so Katrin Erb.

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