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| 13:38 Uhr

Lausitzer Unternehmen auf Jobmesse in Wroclaw
Mit Aussicht auf Teambildung

 Breslau – hier das Rathaus auf dem Rynek – ist das wirtschaftliche Herz Niederschlesiens. Etliche Weltkonzerne wie IBM und Google haben im heutigen Wroclaw ihre Polen-Zentralen. Archivfoto: dpa
Breslau – hier das Rathaus auf dem Rynek – ist das wirtschaftliche Herz Niederschlesiens. Etliche Weltkonzerne wie IBM und Google haben im heutigen Wroclaw ihre Polen-Zentralen. Archivfoto: dpa FOTO: Andreas Heimann
Cottbus/Lübbenau/Schwarzheide/Burg . Job- und Karrieremesse am Hochschul- und Wirtschaftsstandort Wroclaw (Breslau) ruft. Südbrandenburger auf Gemeinschaftsstand der IHK Cottbus dabei. Immer mehr Unternehmen dehnen Fachkräftesuche international aus. Von Beate Möschl

Jung und dynamisch, perfekt für Studierende – der Universitätsstandort Wroclaw (Breslau) zieht junge Menschen aus aller Welt an – und Unternehmen aus der Lausitz. Auf der Job- und Karrieremesse „Dni Kariery“ (Tag der Karriere) der Hochschulen der Stadt Breslau am 28. März werden sich Südbrandenburger Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologien, Elektrotechnik und Fachhandel präsentieren. Auch die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg wird mit ihrem International Relations Office die Chance zur Präsentation am Gemeinschaftsstand der IHK Cottbus nutzen.

Der Gemeinschaftsstand der IHK Cottbus hat Tradition. Und die begann vor acht Jahren in Zielona Gora (Grünberg). Inzwischen hat die Kammer den Aktionsradius auf die größeren Universitätsstandorte Wroclaw (Breslau) und Poznan (Posen) ausgedehnt, um das Spektrum zu erweitern, wie Alexander Knapczyk vom Geschäftsbereich International der IHK Cottbus, sagt. „Immer mehr Südbrandenburger Unternehmen möchten ihre Personalakquise internationalisieren und suchen nach geeigneten Wegen, um ihren Fachkräftemangel zu bewältigen. „Die Industrie- und Handelskammer Cottbus unterstützt Unternehmen aus Südbrandenburg bei der Suche nach geeigneten Fachkräften, Hochschulabsolventen, Werkstudenten und Praktikanten aus dem Nachbarland Polen“, so Knapczyk.

Neben der Cottbuser Kammer wird sich erstmals auch die IHK Tübingen auf der Jobmesse in Breslau präsentieren. Die Baden-Württemberger wollen sich einen Eindruck verschaffen und prüfen, ob sich eigene Initiativen in Polen lohnen, schildert Knapczyk, der seit acht Jahren Südbrandenburger Unternehmer zu Jobmessen in Polen begleitet. Er beobachtet wachsendes Interesse. Teilnehmer schildern unterschiedliche Effekte.

 Viel gefragtt waren die Jobangebote des Lübbenauer Firmenverbundes  EMIS auf der Job- und Karrieremesse Poznan (Posen) im Oktober 2018.
Viel gefragtt waren die Jobangebote des Lübbenauer Firmenverbundes EMIS auf der Job- und Karrieremesse Poznan (Posen) im Oktober 2018. FOTO: IHK Cottbus

„Wir waren im Oktober 2018 auf der Jobmesse in Posen und haben inzwischen den ersten von drei Bewerbern als Elektromonteur eingestellt. Mit den anderen laufen noch Gespräche. Es gehen immer noch Bewerbungen auf die Stellenanzeigen ein, die wir in einem polnischen Internetportal geschaltet haben“, schildert Annika Tietze vom Unternehmensverbund EMIS in Lübbenau und fügt an: „Wir suchen Menschen, die sich mit uns weiterentwickeln wollen, und das in allen Bereichen. Dazu gehören Elektromonteure, Elektroniker für Windenergieanlagen, bauleitende Monteure, Bauleiter, Projektleiter und viele weitere Stellen.“ Der familiengeführte Unternehmensverbund mit Hauptsitz in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) ist mit 500 Mitarbeitern an zehn Standorten bundesweit für flexible, individuelle, ganzheitliche Lösungen in den Bereichen der Energieversorgung, Elektrotechnik und Automatisierung im Einsatz. Bei Kunden aus den verschiedensten Branchen – von der Industrie über Energieerzeuger und –versorger bis hin zur Verkehrstechnik sowie Herstellern von Fahrgeschäften und Freizeitpark-Betreiber.

Die Präsenz auf dem polnischen Markt ist für den Unternehmensverbund inzwischen selbstverständlich. „Wir sind nicht nur im Spreewald tätig, sondern haben mehrere Standorte in Deutschland und betreuen Projekte nicht nur in Europa, sondern weltweit. Und wir haben auch den polnischen Markt im Blick“, schildert Tietze. Die polnischen Fachkräfte seien durchaus reisebereit. „Das ist für uns wichtig.“

Die Sprachbarriere nehmen die Lübbenauer auf eigene Weise. Ein Muttersprachler, der seine Lehrausbildung bei EMIS erfolgreich absolviert hat, war zum Dolmetschen mit auf der Jobmesse in Posen und hilft nun seinem neuen Kollegen im Job weiter. „Unsere Überlegung ist, ein deutsch-polnisches Team zu bilden, in welchem sich anfangs alle polnischen Kollegen verständigen und einarbeiten können“, so Tietze.

Um aus dem bisherigen Tandem ein Team zu machen, braucht es noch Verstärkung. Deshalb ist EMIS zielstrebig im eigenen Revier und bundesweit online sowie analog unterwegs, und im März wieder in Polen. Auf der Jobmesse in Breslau.

Die BASF Schwarzheide hat ihre Fachkräftesuche ebenfalls ausgedehnt und dafür im vergangenen Jahr erstmals die Fühler ins Nachbarland ausgestreckt. Mit viel Neugier habe man sich im März 2018 auf der Jobmesse in Zielona Gora (Grünberg) präsentiert, berichtet Arne Petersen. Die Bilanz nennt der BASF-Sprecher „sehr nüchtern“. „Die Profile passten nicht. Es hat wenig Schnittmengen gegeben und neben mangelnden Deutsch-Kenntnissen vor allem mangelnde Englisch-Kenntnisse.“ In Breslau werden die Schwarzheider in diesem Jahr deshalb nicht dabei sein. Neugierig bleiben sie dennoch

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Überrascht von dem freundlichen und kommunikativen Messe-Flair in Poznan zeigt sich die Spreewald Therme GmbH. „Die polnischen Bewerber sind sehr flexibel. Die Bereitschaft den Beruf zu wechseln als Quereinsteiger neu anzufangen ist groß. Sie sind sehr offen bei der Jobsuche, kommen an den Messe- Stand, fragen nach, was man zu bieten hat und überlegen dann, ob es passt. Selbst wenn es nicht passt, unterhalten sie sich noch etwas und verabschieden sich freundlich“, schildert Franziska Brandt. Direkte Bewerber habe die Präsenz auf der Job- und Karrieremesse in Poznan im Oktober vergangenen Jahres leider nicht gebracht, aber die Spreewald Therme GmbH bleibe offen und dabei, die Fachkräftesuche auch über Ländergrenzen hinweg auszudehnen, bekräftigt Betriebsleiter Torsten Feiereis.

Neugierig ist das Team des International Relations Office der BTU Cottbus-Senftenberg. Die Uni wird sich am 28. März in Breslau erstmals auch auf einer Job- und Karrieremesse in Polen präsentieren – angeregt durch die Cottbuser Kammer. „Wir wollen unser attraktives Studienangebot vorstellen, darunter auch das duale Studium an der BTU. Wir sehen das als ideales Angebot für Studierende, welche Theorie und Praxis stärker verknüpfen wollen und für Unternehmen, welche Studierende frühzeitig an ihre Firma binden können“, kündigt Mareike Kunze, Leiterin des International Relations Office, an. Bislang werbe die BTU direkt an Schulen in Polen, in denen Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird und die Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg ein Sprachniveau erreichen mit dem sie in Deutschland studieren können. Die Präsentation auf einer Jobmesse in Polen sei ein Novum, liege aber nahe, sagt Mareike Kunze, „da wir vielseitige Kooperationen mit verschiedenen Universitäten in Polen pflegen und auch bereits zahlreiche Studierende aus Polen haben“.