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| 15:46 Uhr

Fachkräftemangel lässt Lausitzer kreativ werden
Das zergeht auf der Zunge: Gastronomie und Hotellerie werben auf neuen Wegen für ihre Berufe

     Den Auftakt zum exklusiven  Berufswahl-Dinner gab es im vergangenen Jahr im Kulinarium Cottbus-Branitz. In diesem Jahr laden der Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg, die Agentur für Arbeit Cottbus und  die IHK Cottbus ins Schloss Lübbenau ein.  Archivfoto: Agentur für Arbeit Cottbus
Den Auftakt zum exklusiven Berufswahl-Dinner gab es im vergangenen Jahr im Kulinarium Cottbus-Branitz. In diesem Jahr laden der Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg, die Agentur für Arbeit Cottbus und die IHK Cottbus ins Schloss Lübbenau ein. Archivfoto: Agentur für Arbeit Cottbus FOTO: Agentur für Arbeit Cottbus
Cottbus/Dresden. Die Tourismusbranche wächst und mit ihr der Bedarf an Fachkräften. Gastronomen und Hoteliers in Südbrandenburg legen deshalb gemeinsam mit der IHK Cottbus und der Agentur für Arbeit Exklusives vor: Beim Berufswahl-Dinner „Taste your Future“ lassen sie 100 Schüler und Eltern ein Stück Zukunft kosten. Auch Sachsen zieht nach.

Eingeschränkte Öffnungszeiten auch in boomenden TourismusRegionen - müssen sich Verbraucher bald wieder zu Selbstversorgern machen auf dem Weg durchs Land? Und wie steht es um die Beherbergungsqualität, wenn der Hotellerie zunehmend Fachkräfte ausgehen? „Wir haben im Tourismus großartige Angebote und steigende Besucherzahlen. Da müssen wir uns drehen und bei der Fachkräftesicherung auch mal andere Wege gehen“, sagt Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg e.V. (Dehoga Brandenburg) und Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung von Hotellerie und Gastronomie in Brandenburg mbH, und fügt an: „Roboter werden keine Betten beziehen. Das haben die Japaner schon probiert, es hat nicht funktioniert.“

Bei vier Gängen Zukunft kosten und planen

In Südbrandenburg gehört das Berufswahl-Dinner für Schüler und Eltern zu den neuen Wegen bei der Werbung um Auszubildende. Umrahmt von einem 4-Gänge-Menue, zubereitet und serviert durch Auszubildende, erhalten die Gäste authentische Einblicke in die Berufswelt. Azubis und Unternehmensvertreter beantworten vor Ort Fragen rund um Bewerbung, Ausbildungspraxis und Karrierewege in Hotellerie und Gastgewerbe. Als Ansprechpartner sind außerdem Ausbildungsexperten von IHK und Agentur für Arbeit vor Ort.

Im September 2018 haben die Dehoga, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus und die Agentur für Arbeit Cottbus erstmals diesen kulinarischen Weg zur Berufswahl eingeschlagen. Heute Abend findet es seine zweite Auflage. Diesmal auf Schloss Lübbenau, mit 100 Schülern und Eltern als Gäste. Für sie ist der Abend kostenfrei.

 Die Azubis standen beim ersten Berufswahl-Dinner der IHK Cottbus und der Agentur für Arbeit Cottbus im vergangenen Jahr im Kulinarium Cottbus Branitz ihren Mann und ihre Frau und gaben interessierten Eltern und Schülern Auskunft aus erster Hand zur Ausbildung in den Betrieben der Region.  Archivfoto: Agentur für Arbeit Cottbus
Die Azubis standen beim ersten Berufswahl-Dinner der IHK Cottbus und der Agentur für Arbeit Cottbus im vergangenen Jahr im Kulinarium Cottbus Branitz ihren Mann und ihre Frau und gaben interessierten Eltern und Schülern Auskunft aus erster Hand zur Ausbildung in den Betrieben der Region. Archivfoto: Agentur für Arbeit Cottbus FOTO: Agentur für Arbeit Cottbus

Mehr als 100 Lehrstellen unbesetzt in Südbrandenburg

Den Veranstaltern ist es das wert. Fünf Schulabgänger, die beim ersten exklusiven Berufswahl-Dinner Südbrandenburgs im September 2018 in Cottbus dabei waren, haben in diesem Jahr eine Ausbildung in der Branche aufgenommen. „Das ist ein tolles Ergebnis“, so Lücke.

Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus.verweist auf die Statistik. 158 Servicekräfte und 118 Köche würden allein in Südbrandenburg sofort mit Kusshand eingestellt. Auch Azubis werden gesucht. Müller zufolge sind aktuell noch 60 Ausbildungsplätze für Köche frei und 59 für Restaurantfachfrauen und -männer sowie 38 Lehrstellen für die Ausbildung zur Hotelfachfrau oder zum Hotelfachmann. unbesetzt. Dem stehen 14 noch unversorgte Bewerber um eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe gegenüber. „Die werden alle einen guten Ausbildungsplatz finden“, ist Olaf Lücke sicher.

Dehoga: Um’s Geld allein geht es nicht mehr

Der Verbandschef sieht dank aufstrebender Tourismuswirtschaft und Veränderungen in den Unternehmen gute Übernahme- und Karrierechancen in der Region. „Niemand muss mehr weit weg, um sein Glück zu machen, und die Einkommen sind inzwischen auch so, dass man davon eine Familie ernähren kann“, sagt er. Die Branche sei über viele Jahre schlecht bezahlt gewesen, habe aber „Riesenschritte nach vorn“ gemacht in den letzten zehn Jahren. „Um’s Geld geht es nicht mehr bei der Berufsentscheidung“, berichtet Lücke. Ein Problem, was sich nicht aus der Welt schaffen lasse, seien die Arbeitszeiten. Lücke wirbt dafür, positiv heranzugehen: „Frei zu haben, wenn die anderen arbeiten, hat auch seine Vorteile.“

Sachsen zieht nach - Gastronomieberufe wieder beliebt

In Sachsen hat die Südbrandenburger Idee bereits Nachahmung gefunden. „Wir haben die Idee aufgegriffen und in diesem Jahr im März in Dresden gleich zwei Berufswahl-Dinner ausgerichtet. Das ist hervorragend angekommen. Das wiederholen wir auf jedem Fall“, sagt Lars Fiehler, Pressesprecher der IHK Dresden. Er berichtet von einem neuen Trend. Gemessen an der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für das neue Lehrjahr liegt der Beruf Koch inzwischen sogar auf Rang fünf der beliebtesten Ausbildungsberufe im Bezirk der IHK Dresden.

Kreative Arbeitszeitmodelle für Familie und Beruf

„Wir erklären uns das auch mit den Aktivitäten der Branche“, sagt Fiehler. Er verweist auf Aktionen des Branchenverbandes Dehoga Sachsen, der regelmäßig Schulabgänger und Azubis zusammenbringt, zum Beispiel bei einer Raddampferfahrt auf der Elbe. Aber auch kreative Arbeitszeitmodelle in den Unternehmen tragen zur wieder steigenden Beliebtheit bei. So gibt es bereits Gastronomen, die ihren Mitarbeitern eine voll bezahlte Vier-Tage-Woche ermöglichen. Um die Teams nicht auszupowern, mehr Zufriedenheit im Beruf und eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie zu ermöglichen. „Die Spannbreite ist groß. Dabei gibt es natürlich große Unterschiede zwischen dem ländlichen Raum und touristischen Zentren und Großstädten“, macht IHK-Sprecher Fiehler klar, wo die Musik am besten spielt.