ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:31 Uhr

enviaM-Studie Energiewelt Ost
Energiewende: Im Osten wächst Kritik an Gangart

 Energiewende
Energiewende FOTO: LR / Quelle: Studie Energiewelt Ost/ enviaM/IMK Bearbeitung: Lehmann/lr
Cottbus/Leipzig . EnviaM-Vorstandschef Stephan Lowis fordert die Abschaffung der Stromsteuer. Die Energiewende müsse auch bezahlbar sein. Von Beate Möschl

Die Debatte um den geplanten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und den Strukturwandel in der Lausitz wird völlig zu Recht sehr fokussiert geführt. Sie darf jedoch nicht den Blick aufs große Ganze verstellen, appelliert der Vorstandsvorsitzende der Unternehmensgruppe EnviaM, Dr. Stephan Lowis. Das Thema Energiewende umfasse deutlich mehr. Gemessen daran seien ihm Bundespolitik sowie die Landespolitik in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Moment sehr einseitig aufgestellt, sagte Lowis am Donnerstag in Leipzig und verwies auf Themen wie Bezahlbarkeit der Energiewende, Netzausbau und Netzregulierung sowie Digitalisierung als Schlüsseltechnologie und Chance.

Anlass des Appells war die Vorstellung der aktuellen Umfrageergebnisse der einzigen repräsentativen Langzeitstudie zur Energiewende in Ostdeutschland. Der Osten sei der Schauplatz und das Schaufenster der Energiewende schlechthin in Deutschland, so Lowis. Seit 2012 werden Bürger aller Altersgruppen in den neuen Ländern dazu befragt; im Auftrag von Ostdeutschlands größtem regionalen Energiedienstleister, EnviaM. Der aktuellen Umfrage zufolge befürworten die Ostdeutschen zwar weiterhin deutlich den Wandel der Energieversorgung, allerdings steigt die Unzufriedenheit mit der konkreten Umsetzung vor Ort. 69 Prozent der Bürger befürworten die Energiewende. 2012, bei der ersten Umfrage zur EnviaM-Langzeitstudie Energiewelt Ost, waren es 81 Prozent.

20 Prozent der befragten Ostdeutschen lehnen die Energiewende ab (2016: 16 Prozent). „Die Abneigung ist im ländlichen Raum am stärksten. Hier sind die Folgen der Energiewende am deutlichsten spürbar“, sagte Lowis. Gleichzeitig glauben immer weniger Bürger an den Erfolg der Energiewende. Lediglich 43 Prozent sind vom Gelingen des Vorhabens (2016: 50 Prozent) überzeugt. Als Gründe werden die mangelnde politische Umsetzung, politische Unstimmigkeiten sowie zu viel Einfluss von Einzelinteressen auf die Energiewende genannt.

Die Bezahlbarkeit der Energiewende ist für die Bürger der wichtigste Aspekt. 62 Prozent (2016: 70 Prozent) fordern eine gerechtere Kostenverteilung. Dies gilt umso mehr mit Blick auf die Zukunft. 55 Prozent rechnen infolge des nahenden Kohleausstiegs mit weiter steigenden Strompreisen. „Hier ist vor allem die Politik gefordert“, so Lowis. Sie müsse die Bezahlbarkeit der Energiewende zur Chefsache machen und die Strompreise für Haushalte neu regeln. „Die Politik hat dazu alle Hebel in der Hand. Mehr als 70 Prozent des Strompreises sind staatlich festgelegt oder reguliert. Davon entfallen allein mehr als 50 Prozent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Hier gilt es anzusetzen. Ein Vorschlag wäre, die Stromsteuer abzuschaffen.“

Circa 85 Euro Stromkosten könnte eine vierköpfige Familie im Jahr sparen, fiele die Stromsteuer weg. Das machte Lowis am Beispiel eines enviaM-Haushaltsstromkunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden deutlich.