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| 19:47 Uhr

Neue Betätigungsfelder, neue Jobs
Aufbruchstimmung im Bahnwerk Cottbus

Cottbus. Umbau von Dieselloks auf Hybrid und ICE-Wartung: Neue Betätigungsfelder schaffen rund 350 neue Arbeitsplätze am Standort. Von Jan Siegel

Das war ein entscheidender Tag für die knapp 400 Mitarbeiter des Instandhaltungswerks der Bahn AG in Cottbus. Am Mittwoch hatte sich bei ihnen hochrangiger Besuch angekündigt. Mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und dem Infrastrukturvorstand der Bahn, Ronald Pofalla, kamen zwei Männer in ihren Betrieb, die die jahrelangen Unsicherheiten in dem Werk, das in diesem Jahr seinen 145. Geburtstag feiert, ein Ende bereiten konnten.

Und klar, dass sie ihren Betrieb bei dieser Gelegenheit von seinen schon jetzt glänzenden Seiten präsentieren wollten. In den zurückliegenden Tagen wurde daher nicht nur an Bahntechnik geschraubt, sondern es wurden von Schlossern, Mechanikern und Elektrotechnikern auch die Besen geschwungen und produktionsbedingte Stolperfallen entschärft. Nichts sollte schließlich den Weg in die Zukunft versperren.

Die Lange Verunsicherung

Die vergangenen Jahre waren für die Mitarbeiter des Instandhaltungswerks geprägt von Hoffen und Bangen. Viele wurden zeitweilig in andere Werke in ganz Deutschland „ausgeliehen“, mussten Überstunden abbummeln, weil in Cottbus die Arbeit fehlte. Immer wieder waren in solchen Phasen Spekulationen um eine Schließung des Cottbuser Werkes durch die riesigen Werkhallen gegeistert.

Die Spezialität der Lausitzer Bahntechniker waren schwere – vor allem russische – Diesel-Lokomotiven. Auf diesem Sektor waren sie unschlagbar. Doch mit der Wende zum fast durchgehenden elektrischen Fahrbetrieb schien das Werk immer mehr abgeschrieben zu sein. Zeitweilig wurden Nachfragen nach einer möglichen Schließung von der Bahn nur halbherzig dementiert.

Und der Blick auf die Entwicklungen in einem ähnlichen Betrieb, in Eberswalde, machte den Cottbuser Bahntechnikern nicht unbedingt Mut. Das dortige Werk war von der Bahn abgeschrieben worden. Inzwischen ist es übrigens als privatisierter Betrieb wieder auf wirtschaftlich sicherem Gleis.

Neue Chancen für Cottbuser Fachleute

Inzwischen aber hat sich die Situation auch für die Cottbuser Bahnwerker grundlegend geändert. Entscheidend dafür sind zwei Gründe: Da ist der massive Druck auf eine CO2-Reduzierung auch beim Massentransport, der der Eisenbahn als umweltfreundlichen Verkehrsträger ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten verschafft. Und da ist auch der Kohleausstieg, der den politischen Fokus auf das bisher von der Kohle abhängige Lausitzer Revier richtet.

Es sind diese beiden Aspekte, die dem Instandhaltungswerk in Cottbus langfristige Zukunftsperspektiven eröffnen. Statt Personalabbau ist in Cottbus jetzt Personalaufbau angesagt. Zu den derzeit knapp 400 Mitarbeitern sollen in einem ersten Schritt rund 200 Fachleute neu eingestellt werden.

Ideen der Cottbuser Zahlen sich aus

Sie werden zunächst betagte Diesel-Rangierloks auf Hybrid-Antriebe umrüsten. Das bedeutet, dass diese Loks neben dem Dieselmotor auch über einen Elektroantrieb verfügen, mit dem sie zeitweilig auch emmisionsfrei fahren können – das bedeutet Kraftstoffeinsparungen um die 20 Prozent. Der Clou dabei ist, dass sich der von den Cottbuser Fachleuten selbst entwickelte kombinierte Antrieb auch in andere Triebfahrzeuge, beispielsweise in Personenzüge, einbauen lässt. Das eröffnet ein gewaltiges neues Betätigungsfeld für die Cottbuser Fachleute.

Und die Bahnverantwortlichen haben mit Cottbus noch viel mehr vor. In den kommenden drei Jahren werden eine neue Werkhalle und ein Technologiezentrum auf dem Bahnwerksgelände entstehen. Dort sollen künftig elektrische Ganzzüge bis hin zu ICEs gewartet werden können. Das bedeutet weitere 150 neue Arbeitsplätze.

Im neuen Technologiezentrum werde außerdem parallel an technischen Weiterentwicklungen für den Standort Cottbus gearbeitet.

Erst neue Arbeitsplätze dann Kohleausstieg

„Cottbus wird zu einem wichtigen Bahnstandort für die Zukunft ausgebaut“, sagte Bahnvorstand Roland Pofalla am Mittwoch. „In der Lausitz wollen wir zeigen, dass Kohleausstieg und Energiewende auch eine echte Chance für Neues sein können.“ Die Mitarbeiterzahl im Bahnwerk Cottbus werde nahezu verdoppelt. „Und das sind tarifliche und gut bezahlte, hoch qualifizierte Arbeitsplätze“, betonte Pofalla,

Und er verwies dabei auf die Prämisse von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, der immer wieder gefordert hatte, dass zuerst neue Industrie-Arbeitsplätze geschaffen werden müssten, ehe sie in Tagebauen und Kraftwerken reduziert werden. „Genau das schaffen wir hier“, sagte Roland Pofalla stolz.

Bei dem Spitzentreffen im Cottbuser Instandhaltungswerk unterschrieben der Bahnvorstand Ronald Pofalla und Dietmar Woidke auch eine Absichtserklärung, die Pläne enthält, die über die Investitionen in die Instandhaltung noch weit hinausgehen. Insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro sollen im kommenden Jahrzehnt in die Streckenelektrifizierungen nach Forst und Görlitz fließen. Erweitert werden sollen auch neuralgische (besonders störanfällige) Engpässe der Bahn in Richtung Berlin, Dresden und Leipzig. Und auch der Bahnknoten Falkenberg/Elster wird noch einmal deutlich aufgewertet.

Von der Industrie und Handelskammer Cottbus gab es gleich am Mittwoch verbalen Beifall für die Milliarden-Initiative der Bahn in der Lausitz: das gemeinsame Bekenntnis von Land und Bahn öffne die Tür für einen wettbewerbsfähigen Logistikstandort Lausitz.

 Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (M, SPD) und Ronald Pofalla (r), Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, am Mittwoch mit Werkleiter Matthias Krug im Cottbuser Fahrzeuginstandhaltungswerk der DB.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (M, SPD) und Ronald Pofalla (r), Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, am Mittwoch mit Werkleiter Matthias Krug im Cottbuser Fahrzeuginstandhaltungswerk der DB. FOTO: ZB / Patrick Pleul