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| 18:14 Uhr

Warum die Ideenschmiede an der Cottbuser Uni stockt
Die Null-Jahre im BTU-Gründungsservice

 So sieht das Modell des neuen Gründerzentrums am Campus der BTU Cottbus-Senftenberg aus. Auf 5000 Quadratmetern soll Platz für Ideen und Innovationen geschaffen werden.
So sieht das Modell des neuen Gründerzentrums am Campus der BTU Cottbus-Senftenberg aus. Auf 5000 Quadratmetern soll Platz für Ideen und Innovationen geschaffen werden. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Ideen- und Innovationsschmiede an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg hat sich erheblich verzögert. Die Begleitung von gründungswilligen Studierenden stockt im Drei-Jahres-Takt – und das Potsdamer Arbeitsministerium zeigt sich verwundert. Wir klären auf, warum. Von Christian Taubert

Jetzt soll es im Mai 2021endlich soweit sein. Für das seit Jahren überfällige Gründerzentrum in Cottbus – auf dem Campus der BTU Cottbus-Senftenberg – sind die ersten Spatenstiche gesetzt. Das Modell der künftigen Ideen- und Innovationsschmiede, das Gründungswillige auch aus der Region betreuen soll, kann sich sehen lassen. Und dennoch sind es für Katrin Baumert wieder zwei Jahre Verlust. Baumert leitet den Gründungsservice an der BTU und hat so sehr darauf gehofft, dass mit dem zunächst anvisierten Umbau einer Schule gegenüber der Uni schon ab diesem Jahr Kontinuität in die Gründungsförderung einziehen würde.

Die EU fördert den Gründungsservice an der BTU

Was die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Planung und Innovationsmanagement damit meint, lässt sich leicht erklären. Der Gründungsservice an der BTU wird wie an anderen Hochschulen über EU-Fördermittel finanziert. 800 000 Euro sind es zurzeit für den Zeitraum von drei Jahren. Ist der zu Ende, muss die Finanzierung neu beantragt und abgewartet werden, ob die Mittel auch bewilligt werden.

Für die gegenwärtige Förderperiode 2018 bis 2020 heißt das: Mit Beginn des Jahres 2018 waren die Mittel nicht bestätigt. Die Vollzeit beschäftigte Katrin Baumert, die wie ihre drei Mitarbeiterinnen (alle in Teilzeit) in der Luft hing, wurde in einem anderen Bereich „geparkt“. Mitte 2018 rückte sie mit der neuerlichen Bewilligung des Projektes und der Mittelzuweisung zurück auf den Platz als Leiterin des Gründungsservices. Mitarbeiter mussten dann neu gewonnen werden. „Uns geht immer wieder ein Jahr verloren“, schildert die Sprembergerin Baumert die Situation. Mit dem Gründerzentrum habe sie auf „eine baldige Verstetigung der Arbeit gehofft“.

Große Schwankungen beim BTU-Gründungsservice

Das Auf und Ab in der Gründungsförderung kann dabei für Politik und Hochschulleitung kein Geheimnis sein. Denn die Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. So hat es in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 25 bzw. 21 Begleitungen von Gründungen durch die BTU gegeben. Mit Beginn der neuen Förderperiode 2015 waren es null. In den beiden folgenden Jahren wurden zwei und 17 gezählt. Und der Start in die gegenwärtige Förderperiode verlief 2018 wieder mit null. „Zurzeit“, sagt Katrin Baumert, „begleiten wir 19 Interessenten für Gründungen an der Uni.“

Das für die Gründungsförderung zuständige Potsdamer Arbeitsministerium zeigt sich von der Verfahrensweise an der BTU verwundert. „Der Übergang von einer Projektphase in eine weitere birgt stets Herausforderungen und Risiken der Diskontinuität“, heißt es auf Anfrage der RUNDSCHAU. Doch das Ministerium habe deshalb in der Richtlinie zur Förderung von Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen im Land Brandenburg durch Qualifizierungs- und Coachingmaßnahmen in der EU-Förderperiode 2014-2020 in Ziffer IV.2 einen vorzeitigen Maßnahmebeginn ab Antragstellung zugelassen.

Laut Ministerium ist Geld für den Gründungsservice kein Problem

Wie Pressesprecherin Gerlinde Krahnert erläutert, hätten die Zuwendungsempfänger auch ohne Vorliegen eines Zuwendungsbescheides mit der Maßnahme beginnen dürfen. „Einer Übergangsfinanzierung bedarf es nicht, da die BTU die Gründungsberatung unproblematisch aus Eigenmitteln hätte vorfinanzieren können“, heißt es in der Antwort des Ministeriums mit Verweis darauf, dass andere Hochschulen von der Regelung Gebrauch gemacht und damit keine Unterbrechung der Arbeit der Gründungsservices zu verzeichnen hätten.

An der BTU war man bisher offenbar davon ausgegangen, dass ein in Aussichtstellen einer Projektförderung zwar Planungssicherheit gewährleistet. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage heißt es aus der Pressestelle der Uni, dass „in der Regel mit der Projektarbeit nicht vor der Bewilligung des Projektes (Bescheid/Mittelzuweisung) begonnen werden darf“. Das betreffe auch die Einstellung von Personal.

Der BTU ist Kontinuität beim Gründungsservice wichtig

Die stellvertretende Pressesprecherin Susett Tanneberger macht aber deutlich, dass der Hochschulleitung die Weiterentwicklung von Transferstrukturen, insbesondere auch die Gründungsförderung, ein sehr wichtiges Anliegen sei. Diese sei bis zum Jahr 2021 durch die aktuelle Projektförderung gesichert. „Darüber hinaus wird die BTU künftig geeignete Maßnahmen und nachhaltige Vorkehrungen treffen, um die notwendige Kontinuität bei der Betreuung von Gründungswilligen und Gründern zu sichern“, erklärt die Sprecherin.

Es besteht also durchaus die Chance, dass der Rhythmus mit den Null-Buchungen im Gründungsservice an der BTU schon vor der Einweihung des neuen Gründerzentrums der Vergangenheit angehört.