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| 10:34 Uhr

Täglich in der Spur für Bahn-Reisende
Eine Frau mit Überblick über 136 Bahnhöfe

Katja Frömter beim Rundgang über den Bahnhof Cottbus. Foto: Beate Möschl
Katja Frömter beim Rundgang über den Bahnhof Cottbus. Foto: Beate Möschl FOTO: LR / LR Beate Möschl
Cottbus . Katja Frömter schätzt als Pendlerin zwischen Brand und Cottbus an der Bahn am meisten Pünktlichkeit. Als Arbeitsgebietsleiterin Operations im Bahnhofsmanagement Cottbus kontrolliert sie täglich, ob Reisende auf den Bahnhöfen in Südbrandenburg gut gleitet werden. Von Beate Möschl

Wenn sich die Kauffrau für Verkehrsservice Katja Frömter auf den Weg zur Arbeit in Cottbus macht, wird sie wie Tausende Brandenburger zur Pendlerin auf der strategisch wichtigen Bahnverbindung zwischen Cottbus und Berlin im RE 2. Was sie an der Bahn am meisten schätzt, das liegt auf der Hand: „Pünktlichkeit. Weil ich darauf angewiesen bin“, sagt die 38jährige Mutter zweier Töchter.

Um 8.58 Uhr fährt der RE 2 unter ihrem Büro im Bahnhof Cottbus ein. Dann hat Katja Frömter auf ihrem Smartphone schon die E-Mails gescheckt, die nach Feierabend und bis zum Arbeitsbeginn eingegangen sind und sich einen ersten Überblick über die Verkehrslage und die Situation für die Bahnreisenden in ihrem Verantwortungsgebiet verschafft.

An der Verkehrslage selbst kann sie nichts ändern – dafür tragen andere Bereiche die Verantwortung. Als Arbeitsgebietsleiterin Operations im Bahnhofsmanagement Cottbus hat Katja Frömter den Hut dafür auf, dass Reisende auf den 136 Bahnhöfen im Süden Brandenburgs rechtzeitig über Abweichungen informiert werden, generell alle nötigen Informationen finden und möglichst ungehindert und sicher zum Bahngleis oder zum Ausgang des Bahnhofes gelangen.

Auf dem Bahnhof Cottbus können sich Bahnreisende täglich ein Bild davon machen, was mit dem sicheren Erreichen der Bahnsteige und der nötigen Information über veränderte Abfahrtzeiten, Verkehrseinschränkungen etwa durch Baumaßnahmen am Bahnkreuz Falkenberg/Elster oder Elsterwerda oder mit Gleisänderungen gemeint ist. Auf der Großbaustelle Bahnhof Cottbus gehen die Umbauarbeiten für einen modernen zeitgemäßen Bahnhof zügig voran. Und je nach Baufortschritt geht es oberirdisch im hölzernen Tunnel über die Gleise 2 und 3 — wie zu Jahresbeginn erforderlich — oder aktuell durch einen halbseitig gesperrten Tunnel regulär zu den Gleisen 2 und 3 sowie 6 bis 10. Auf den Gleisen 4 und 5 laufen die aktuellen Umbauarbeiten.

„Die neuen Bahnsteige 4 und 5 gehen im Dezember in Betrieb, dann beginnt der Umbau auf dem Bahnsteig 6“, schildert Katja Frömter, die während der Bauzeit ein besonderes Auge hat auf ihren „Arbeitsplatz“: Auf das Geschehen im Tunnel, die Funktionsfähigkeit der Fahrgastinformationsanzeigen auf den zehn Bahnsteigen und im Bahnhofsgebäude, auf Funktionsfähigkeit von Fahrstühlen und Beleuchtung, auf Sauberkeit und Sicherheit, die Vitrinen und Aushänge, den Zugang zu den Gepäckfächern, der DB-Information und zu den Gleisen.

136 Nahverkehrsverbindungen und sechs Fernzugverbindungen machen auf dem Bahnhof Cottbus Station. Mehr als 12 000 Reisende pro Tag nutzen das Angebot, steigen in Cottbus ein, aus oder um. Damit ist der Cottbuser Bahnhof der größte unter den 136 Bahnhöfen im Bereich des Bahnhofsmanagementes Cottbus. „Laufen muss es überall, egal wie oft der Bahnhof frequentiert wird und wie groß er ist“, sagt Katja Frömter.

Doch wie bekommt sie überhaupt den Überblick. Von Cottbus aus oder Frankfurt (Oder), wo sie seit der Zusammenlegung mit Cottbus zu Jahresbeginn 2017 ebenfalls regelmäßig Station macht? „Mithilfe meiner Kollegen sowie spezieller Fehler- und Beschwerdemanagementsysteme der Deutschen Bahn, den Möglichkeiten moderner Kommunikationstechnik und vertraglich gebundenen Dienstleistern“, umreißt die Fachfrau das Netzwerk, das dafür sorgt, dass Reisende mit der Bahn gut geleitet werden.

37 Kolleginnen und Kollegen sind im Bahnhofsmanagement auf dem Bahnhof Cottbus beschäftigt – die meisten wie die Heinzelmännchen diskret im Hintergrund. Gut hörbar sind die Mitarbeiterinnen des Ansagezentrums. Die übernehmen im Fall des Falles, wenn die akustische Bandansage und digitale Funktion auf unbemannten Bahnhöfen ausfällt, auch mal wie am Telefon von Cottbus aus die Ansage für Bahnreisende in Forst (Spree-Neiße), Herzberg (Elbe-Elster) oder Brand (Dahme-Spreewald) übernehmen. Prominent in der Öffentlichkeit stehen wochentags von 6 bis 22.30 Uhr die Mitarbeiter an der DB-Information.

Katja Frömter indes ist für die wenigsten Reisenden ein bekanntes Gesicht des Bahnhofs Cottbus, obwohl sie die sympathische junge Frau mit dem guten Bauchgefühl und Spaß am Umgang mit Menschen und Problemen oft zu Gesicht bekommen. Denn der Rundgang über den Bahnhof gehört für die Golßenerin zur Routine. „Der Tag beginnt mit einem freundlichen Hallo für die Kollegen in der DB-Information und im Ansagezentrum und Abstimmungen mit meinen Mitarbeitern aus dem Bereich Operations, Abstimmung mit dem Bereich Anlagenmanagement und den Eisenbahnverkehrsunternehmen DB-Regio, Odeg und NEB Niederbarnimer Eisenbahn sowie Dienstleistern, die beispielsweise für die Bahnhofsreinigung verantwortlich sind“, schildert Katja Frömter. Zusätzlich checkt sie die Informationen aus dem Meldungs- und Ereignismanagementsystem MEM der Deutschen Bahn und die Meldungen der 3-S-Zentrale, bei der jeder Reisende melden kann, was ihm aufgefallen ist oder nicht gefällt. „Die Telefonnummer und der Weg zur App dazu hängt in jedem Bahnhof aus, neben der Hausordnung und Hinweisen zum Verhalten im Notfall. Darauf achten wir.“

Da, wo es klemmt, sind ihre Entscheidungen gefragt. Und das Dranbleiben am beauftragten Dienstleister oder Bahn-Fachmann, der mit der Behebung eines Schadens beauftragt wird. Parallel muss sich Katja Frömter um den Ausdruck von Fahrplänen und Hinweisen zu Änderungen im Bahnverkehr kümmern, und darum, dass alles rechtzeitig ausgehängt wird. Ein Mitarbeiter fragt nach den Schlüsseln für die Vitrinen, die er warten soll. Katja Frömter, weiß, wo er die bekommt. Auch Beschwerden von Reisenden muss sie beantworten.

Wie schafft sie das alles an einem Tag und immer wieder? „Das ist alles eine Frage der Organisation und guter Teamarbeit. Es ist unser aller Interesse, dass wir vorankommen“, sagt sie. Entscheidungen trifft sie zügig. Und gern aus dem Bauch heraus. Dabei kann sie sich auf ihre Intuition verlassen. Das wird schnell deutlich bei der Antwort auf die Frage, wie sie damit umgeht, wenn sie doch mal eine falsche Entscheidung trifft. „Das ist noch nicht vorgekommen“, sagt sie.

Das mag auch daran liegen, dass die gebürtige Lübbenerin generell gut organisiert ist — privat und im Beruf. Sie engagiert sich im Heimatverein in Golßen. Weil es ihr Spaß macht und Gleitzeit und IT-Zeitalter vieles möglich machen. Obwohl Job und Familie sie fordern, ist sie seit fünf Jahren im Vereinsvorstand aktiv, um das Dorfleben voran zu bringen. „Da braucht es immer ein paar Treiber. Wenn jeder denkt der andere macht das schon, wird nichts“, sagt Katja Frömter. Und so hält sie es auch im Job. Mit Respekt, Einfühlungsvermögen, Aufgeschlossenheit und Durchsetzungsvermögen.

Seit Zwei Jahren leitet die gelernte Kauffrau für Verkehrsservice das Arbeitsgebiet Operations im Bahnhofsmanagement Cottbus. Das Feedback, das sie bekommt, ist „komplett positiv“, freut sie sich. „Ich habe ein gutes, beständiges und ausgeglichenes Team übernommen.“ Katja Frömter mag klare Ansagen: „Ich sage schon, wenn mir etwas nicht gefällt, und wie es besser wäre. Und ich höre zu, denn die Erfahrungswerte sind wichtig und helfen mir Entscheidungen zu treffen“, sagt sie, und dass sie gern da ist für ihr Team und die Reisenden. „Das wird nie langweilig. Jeder Tag hält neue Herausforderungen bereit. Das gefällt mir.“