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| 15:59 Uhr

Rückkehrer nach Cottbus
Den Arbeitgeber gleich mitgenommen

Felix Dinkelaker und Cathleen Schloßhauer sind nun als Verkehrsflussprogrammierer in Cottbus tätig.
Felix Dinkelaker und Cathleen Schloßhauer sind nun als Verkehrsflussprogrammierer in Cottbus tätig. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Eine Rückkehrerin überzeugte ihren Chef, eine Zweigstelle für Softwareentwicklung in Cottbus zu eröffnen. Von Julian Münz

Noch recht spartanisch ist das Büro von Cathleen Schloßhauer und Felix Dinkelaker eingerichtet. Zwei Computer, zwei Schreibtische und zwei Stühle – mit dem Notwendigsten, das man zum Arbeiten benötigt, müssen sich die beiden Softwareprogrammierer noch begnügen. „Am Freitag kommen noch weitere Möbel“, erzählt Cathleen Schloßhauer, die vor ihrem Computer steht. Immerhin eine Kaffeekanne, wenn auch noch auf einer kleinen Ablage am Rand platziert, darf im Büroalltag nicht mehr fehlen. Am 19. November sind Schloßhauer und Dinkelaker in das Büro in der Karl-Liebknecht-Straße eingezogen. Dort arbeiten sie als erste Cottbuser Mitarbeiter der Firma Heusch-Boesefeldt, die ihren Hauptstandort eigentlich in Aachen hat. Sie sind hier Teil eines Projektes, das die Steuerungssoftware für Autobahnleitsysteme programmiert.

Nachteile aufgrund des neuen Standortes Cottbus bemerke man nach den ersten drei Wochen kaum, wissen die beiden zu berichten. „Wichtig für unsere Arbeit ist nur, dass wir Strom und Internet haben“, erklärt Felix Dinkelaker. So sind die zwei Cottbuser regelmäßig im Kontakt mit ihren Kollegen in Aachen. Tägliche Besprechungen werden über Skype durchgeführt.

Daran, dass die Firma nun in der Lausitz ihre Zelte aufschlägt, ist vor allem die Vetschauerin Cathleen Schloßhauer nicht ganz unbeteiligt. „Wenn ich nicht hier gewesen wäre, hätte sich das Unternehmen bestimmt nicht Cottbus als neuen Standort ausgesucht“, weiß die Softwareprogrammiererin.

Nach dem Abitur wollte sie erst einmal weg aus der Heimat, erzählt Schloßhauer. „Ich habe mich damals überall in Deutschland beworben“, so die 33-Jährige. In der Lausitz zu bleiben stand damals hingegen nicht auf dem Plan. „Die Ausbildung, die ich machen wollte, hätte es hier auch gar nicht gegeben“, sagt sie. So zieht es sie in die Technik-Hochburg Aachen, wo sie sich bei Heusch-Boesefeldt zur Softwareentwicklerin ausbilden lässt. An der renommierten Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule  in Aachen absolviert sie ein duales Studium im wissenschaftlichen Programmieren, danach folgt der Master im Fach künstliche Intelligenz an der Universität der Nachbarstadt Maastricht. Über neun Jahre bleibt sie Aachen und dem Unternehmen Heusch-Boesefeldt treu.

Doch nach fast einer Dekade packt die 33-Jährige das Heimweh. „Ich habe gemerkt, dass der Abschied immer schwerer fiel, wenn ich in der Heimat war“, so Cathleen Schloßhauer. Deshalb entschließt sie sich Anfang 2015, zurück nach Cottbus zu ziehen. Dort arbeitet sie zunächst für andere Firmen in der Region. doch auch der alte Arbeitgeber vergisst Schloßhauer in dieser Zeit nicht. Anfang 2018 kontaktiert sie dessen Geschäftsführer Berthold Jansen. „Die erste Frage war nur, ob ich Interesse hätte, wieder für sie zu arbeiten“, erzählt die Softwareentwicklerin. „Ich habe geantwortet, dass ich nicht mehr von hier wegziehen werde.“ Doch das ist gar nicht notwendig. Denn Jansen bietet der Vetschauerin an, einen neuen Standort der Firma in Cottbus zu eröffnen. Schloßhauer sagt zu. Und so sucht der Geschäftsführer Berthold Jansen im Juli 2018 über soziale Plattformen wie Xing tatsächlich nach Büroräumen in Cottbus. Darauf wird die EGC-Wirtschaftsförderung aufmerksam, die der Firma bei ihrem Umzug mit Rat und Tat zur Seite steht. „Wir wurden durch die EGC hervorragend bei der Suche unterstützt“, weiß Berthold Jansen zu erzählen.

Bei der Suche nach Mitarbeitern setzt Heusch Boesefeldt dabei auf weitere Lausitzer, die ihre Heimat vermissen: „Wir sehen hier weiteres Potenzial bei Rückkehrern, aber auch durch den Standort der Universität“, so der Geschäftsführer des Unternehmens. „Natürlich haben wir gehofft, dass wir irgendjemanden finden, dem es so geht wie uns vor vier Jahren“, sagt auch Cathleen Schloßhauer. In Felix Dinkelaker haben sie zumindest einen Quasi-Rückkehrer gefunden, wenn auch seine Frau und nicht er selbst den Weg zurück in die Lausitz gefunden hat. „Eigentlich hatte ich im Raum Frankfurt am Main nach einer Arbeitsstelle gesucht“, erzählt der ausgebildete Informatikkaufmann. Dort seien zwar viele Unternehmen angesiedelt, jedoch ist die Konkurrenz unter den Mitbewerbern größer. „Da meine Frau aus Forst kommt, haben wir schließlich mit dem Gedanken gespielt, dorthin zurückzuziehen.“ Bei der Jobsuche lief es in der Lausitz besser als im Rhein-Main-Gebiet. „Man hat schon gemerkt, dass man Fachkräfte hier mit offeneren Armen empfangen hat“, so Felix Dinkelaker.

Diese seien in Cottbus nämlich deutlich weniger zu finden als in westdeutschen Städten, weiß der 36-Jährige. Es ist ein Henne-und-Ei-Problem, wie es Schloßhauer und Dinkelaker nennen: Solange nicht genug Arbeitgeber in der Region sind, finden sich auch keine Fachkräfte. Und weil es nur wenige Fachkräfte gibt, bleiben die Arbeitgeber fern. Dass Heusch Boesefeldt in diesem Bereich Pionierarbeit leisten kann, hoffen auch die beiden Mitarbeiter.

Das Unternehmen hat in der Lausitz Größeres vor. Auf bis zu zehn Mitarbeiter möchte man das Personal am Standort Cottbus langfristig noch erweitern. Weitere Zugänge sind schon zu verzeichnen: Ein weiterer Mitarbeiter wird das Duo schon ab Januar unterstützen. Trotzdem, betonen auch Cathleen Schloßhauer und Felix Dinkelaker, soll der Außenposten des Aachener Unternehmens in aller Ruhe aufgebaut werden.