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| 18:45 Uhr

Cottbus
„Dass ich einmal Techniker werde ...“

Seine Masterarbeit am Lehrstuhl Strukturmechanik und Fahrzeugschwingungen gehört zu den besten des Jahres 2017: Christoph Heinrich hatte bereits seine Bachelorarbeit mit Eins abgeschlossen.
Seine Masterarbeit am Lehrstuhl Strukturmechanik und Fahrzeugschwingungen gehört zu den besten des Jahres 2017: Christoph Heinrich hatte bereits seine Bachelorarbeit mit Eins abgeschlossen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Für Christoph Heinrich sind Triebwerke faszinierend. Seine Masterarbeit an der BTU gehört zu den besten 2017.

Der Vater von Christoph Heinrich ist Kfz-Meister. Eine Technik-Affinität hätte dem Junior also durchaus in die Wiege gelegt sein können. „Ich war aber nur Benutzer der Technik“, erinnert er sich, vor gut einem Jahrzehnt  mit dem Motorrad vom heimatlichen Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ans katholische Gymnasium nach Halle gependelt zu sein. „Dass ich einmal Techniker werde, daran war nicht zu denken.“

Und dennoch verbindet Vater und Sohn „die Neigung zum Perfektionismus“. Wenn in der Werkstatt ein Problem an Fahrzeugen zu lösen war, dann hätten sie so lange nicht locker gelassen, bis es gelöst gewesen sei. Als Christoph Heinrich am Donnerstag zu den Ausgezeichneten für die besten Abschlussarbeiten des Jahres 2017 an der BTU Cottbus-Senftenberg gehörte, konnte Dr. Bernd Beirow vom Lehrstuhl Strukturmechanik und Fahrzeugschwingungen diese Eigenschaft nur hervorheben. „Christoph hat eine extrem gewissenhafte wissenschaftliche Aufarbeitung seines Masterthemas vorgelegt. Das schafft man nur mit viel Biss und Begabung“, lobt er die ausgezeichnete Masterarbeit „Einfluss fertigungsbedingter Änderungen der Bauteilgeometrie auf das strukturdynamische Verhalten von Integrallaufrädern“.

Doch zurück an den Anfang: Mit dem Abitur in der Tasche sollte das Studium in Richtung Psychologie, speziell Arbeitspsychologie, gehen. „Ich wollte Personaler werden“, verweist der heute 28-Jährige darauf, dass er aus Dresden schon eine Zusage fürs Studium erhalten hatte.

Dass es dann doch die BTU Cottbus-Senftenberg und die Studienrichtung Wirtschaftsingenieurwesen wurden, hat einen einfachen Grund. Der Sachsen-Anhalter sah sich an den Uni-Standorten seiner Wahl um und entschied sich, „an den sehr modernen Campus“ nach Cottbus zu gehen. Eine solche Campus-Uni sei für Deutschland ungewöhnlich. „Ich habe die kurzen Wege und das extrem gute Betreuungsverhältnis gewählt.“ Nicht erst mit der Master-Auszeichnung in den Händen fügt Christoph Heinrich hinzu, „dass nur so meine  Entwicklung möglich gewesen ist“.

Nach dem Studienbeginn 2009 ist ihm und seinen Lehrenden schnell klar geworden, dass er Talent für die Theorie und Grundlagen der Technik habe. Der Wechsel zum Maschinenbau nach dem zweiten Semester war folgerichtig. Nahezu in Windes-
eile entwickelte sich der ehrgeizige junge Mann bis 2012  zur studentischen Hilfskraft von Thomas Maiwald am Lehrstuhl Strukturmechanik und Fahrzeugschwingungen. Damit wurde Heinrich mit Projekten für den an seiner Habilitation arbeitenden Maiwald betraut, die ihn in die Praxis führten. So zum Triebwerkshersteller Rolls-Royce nach Dahlewitz, der eine enge Kooperation mit der BTU pflegt. Er absolvierte ein Praktikum bei MAN und bekam mit Turboladern von Schiffsmotoren zu tun.

Und ein halbes Jahr lang forschte er bei Siemens in Duisburg mit an Industrieverdichtern für die Öl- und Gasindustrie. Immer ging es dabei um das Schwingungsverhalten von Laufrädern – bei Flugzeugturbinen, Schiffsmotoren oder eben Verdichtern. „Ungenauigkeiten führen zu erhöhten Schwingungen, bis hin zum Ausfall des Bauteils“, erläutert Christoph Heinrich das große Interesse der Industrie an diesem Thema und warum er den Einfluss von Abweichungen auf Schwingungsverhalten von Laufrädern in seiner Masterarbeit wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Mit seiner Bachelorarbeit – ebenfalls mit einer glatten Eins bewertet – hat er dafür bereits das Fundament gelegt.

Wohin der weitere Weg führen soll, kann Christoph Heinrich klar benennen: „Ich will mich an der BTU weiterentwickeln, um eine Management-Karriere einzuschlagen.“ Dafür arbeitet der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Arnold Kühhorn bereits an seiner Doktorarbeit. Worum es dabei gehen wird, scheint für den Techniker klar. „Ich bin ehrgeizig und möchte etwas leisten“, sagt Christoph Heinrich. Forschungen in der Triebwerksbranche faszinieren ihn, und sie seien noch lange nicht ausgereizt.