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| 19:14 Uhr

Stadtpolitik
Ansiedlung mit langem Atem

Bis der Bau beginnen konnte, mussten Norman Scholz und die Wirtschaftsförderung lange kämpfen.
Bis der Bau beginnen konnte, mussten Norman Scholz und die Wirtschaftsförderung lange kämpfen. FOTO: Scholz Norman
Cottbus. Unternehmer Norman Scholz brauchte Jahre, um einen neuen Gewerbebau anzuschieben. Von Andrea Hilscher

An einem Gewerbegebiet an der Lipezker Straße in Sachsendorf prangt seit einiger Zeit ein Schild mit dem Text: „Dieses Vorhaben wird unterstützt von der Wirtschaftsförderung Cottbus.“ Das Schild ist in dreierlei Hinsicht bedeutsam: Bisher arbeiteten die Cottbuser Wirtschaftsförderer eher im Verborgenen – und zweitens taten sie es unter dem Namen Entwicklungsgesellschaft Cottbus. Für den Investor Norman Schulz ist das Schild in ganz anderer Hinsicht bedeutsam: Es setzt den Schlusspunkt unter jahrelange Bemühungen, einen neuen Standort in Cottbus aufzubauen.

Norman Scholz, heute 33, ist gelernter Fachinformatiker und seit 2009 als IT-Dienstleister für kleine und mittelständische Unternehmen am Markt. Seine Firma arbeitet vom Merzdorfer Weg aus, die 450 Quadratmeter große Halle ist schlecht zu finden, außerdem schwer zu klimatisieren. „Irgendwann habe ich mich also entschlossen, neu zu bauen“, so der ehemalige Forster. „Cottbus ist für mich ein toller Standort, die Stadt hat eine gute Größe.“ Da er viele Kunden aus Senftenberg und Hoyerswerda betreut, war klar: Der neue Firmensitz sollte im Süden von Cottbus angesiedelt werden.

2015 begann Scholz mit der Grundstückssuche, stieß dabei auf der Internetseite der Entwicklungsgesellschaft EGC auf ein Gewerbegebiet in Sachsendorf, das ihm gefiel. Im Dezember 2016 hat er das 3500 Quadratmeter große Grundstück gekauft. „Anfangs liefen die Verhandlungen etwas zäh“, erinnert sich der Geschäftsmann. Das Problem: Das Gewerbegebiet ist nicht voll erschlossen. Quer durch das Scholz´sche Grundstück verlief eine Regenwasserleitung. „Und niemand konnte herausfinden, wem diese Leitung gehört.“ Die Leitung durfte allerdings auch nicht so einfach überbaut werden, ein Verantwortlicher musste gefunden werden, der einer Verlegung zustimmt.

Norman Scholz bewies Geduld und einen langen Atem, die Wirtschaftsförderung musste das Problem irgendwie lösen. „Nachdem die EGC umstrukturiert wurde, sind die Abläufe deutlich verbessert, es hat sich schnell etwas bewegt“, freut sich der Unternehmer. Für ihn seien durch die nachträgliche Erschließung des Geländes keine Kosten entstanden. Die Stadt ist ja froh, wenn sie überhaupt Bauwillige findet.“

Seit gut einem Jahr kämpft die EGC unter neuer Leitung um Ansiedlungen. Geschäftsführerin Tina Reiche hatte sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der Wirtschaftsförderung von Grund auf umzukrempeln. „Wir müssen denken und handeln wie ein Unternehmen in der freien Marktwirtschaft“, so Tina Reiche „Dafür ist es essentiell, dass jeder einzelne Kontakt direkt und ohne langwierige Erklärungen ankommt.“ Deswegen wirbt die EGC jetzt mit dem Logo „Wirtschaftsförderung Cottbus“. Zudem werden in mühsamer Kleinstarbeit die Nutzungseigenschaften der Gewerbegebiete analysiert, um Vermarktungspotentiale herauszuarbeiten. Nach Auffassung  der EGC bietet besonders das immer wieder infrage gestellte TIP-Gelände „enorme Entwicklungspotentiale“.

Tina Reiche: „Es gibt auch aktuell Projekte, bei denen es uns, trotz Gewerbeflächenpotentials nicht gelingt, Investoren in Cottbus anzusiedeln.“ Die Gründe hierfür seien vielfältig und weniger in der Arbeit der EGC zu suchen.

  Aktuell entwickelt die EGC ein Projekt, dass allerdings nicht auf Cottbuser Stadtgebiet gelegen ist. „Nachhaltige Effekte für das Oberzentrum Cottbus können nichtsdestotrotz bei erfolgreicher Umsetzung erzielt werden.“

Mit der Nennung von erfolgreichen Ansiedlungen hält sich die Wirtschaftsförderung zurück. Immerhin so viel wird öffentlich gesagt: 15 Unternehmen konnte die EGC bei ihrer Ansiedlung unterstützen. Insgesamt waren von diesem Maßnahmen knapp über 400 Arbeitsplätze betroffen.

Die Unternehmen arbeiten in den Bereichen Produktion Genussmittel (1), Produktion Maschinen, Anlagen (3) Produktion IT, Elektro (3), Dienstleistung Bau, Elektro (4) Dienstleistung Gastro (1), Dienstleistung Handel (2), Dienstleistung Gesundheit (2), Dienstleistung Abrechnung (1) und Dienstleistung IT (1).

In der Stadt gibt es über 40 Gewerbegebiete, viele Flächen sind ungenutzt.

Das neue Logo der Wirtschaftsförderung prangt an der Baustelle an der Lipezker Straße.
Das neue Logo der Wirtschaftsförderung prangt an der Baustelle an der Lipezker Straße. FOTO: egc