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| 17:11 Uhr

Internationale Handelsbeziehungen
Cottbuser Wirtschaft wirbt um Russland

 Tina Reiche von der Entwicklungsgesellschaft Cottbus sieht starkes Potenzial im Energiesektor und in Start-Up-Initiativen.
Tina Reiche von der Entwicklungsgesellschaft Cottbus sieht starkes Potenzial im Energiesektor und in Start-Up-Initiativen. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Die Kritik an den Handelssanktionen gegen Russland wächst, vor allem in Ostdeutschland. Was sagt die Lausitzer Wirtschaft? Fachleute aus der Cottbuser Region setzen sich für stärkere ökonomische Kontakte ein. Von Rene Wappler

Politiker werben für gute Beziehungen zur russischen Wirtschaft. Fachleute der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus reisen gemeinsam mit Unternehmern nach Westsibirien, um eine Bergbau-Messe zu besuchen. Die Russische Föderation gilt wegen Erdöl und Erdgas als wichtigstes Importland für Brandenburg.

Auf der einen Seite hoffen Wirtschaftsvertreter, dass sich die Partnerschaft mit russischen Firmen intensiver gestalten lässt. So sehen die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung Cottbus (EGC) in Russland einen Markt, von dem die Lausitz ebenfalls profitieren könne und müsse.

Die Cottbuser Partnerstadt Lipezk beherbergt eine Sonderwirtschaftszone, in der sich deutsche Firmen niedergelassen haben. Zu ihnen zählen ein Kühltechnikhersteller und ein Chemiekonzern. Allerdings kein Unternehmen aus der Cottbuser Region.

Oberbürgermeister und IHK kritisieren Handelsembargo

Das Handelsembargo der Europäischen Union erschwert das Bestreben, wirtschaftliche Kontakte auszubauen. Darauf wies der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) im April hin, als er eine Delegation aus dem Lipezker Rathaus empfing. Für eine andere Strategie anstatt Sanktionen spricht sich auch der Hauptgeschäftsführer der IHK in Cottbus aus, Marcus Tolle. Er kommentierte zu Jahresbeginn einen Bericht seines Hauses, nach dem die Konjunktur an Schwung verliert: „Die Exportwirtschaft in Brandenburg muss weiter gestärkt werden, weil der Außenhandel eine wichtige Rolle für die Bewältigung des regionalen Strukturwandels spielt.“

Tischlerei aus der Lausitz arbeitet mit russischem Unternehmen zusammen

Diesem Problem begegnet der Spremberger Wirtschaftsförderer ASG, indem er Beziehungen zur russischen Oblast Kursk pflegt. Nach Angaben der Mitarbeiter zeichnen sich erste kleine Erfolge aus der Arbeit der vergangenen Jahre ab. Demnach arbeitet eine Tischlerei aus der Lausitz jetzt mit einem russischen Unternehmen zusammen, für das sie den Generalvertrieb hochwertiger Saunen in Deutschland übernimmt. Im September dieses Jahres werden Gäste aus Spremberg das Stadtfest in Schelesnogorsk besuchen.

Mit den Spremberger Wirtschaftsförderern kooperiert auch die Cottbuser EGC, wie Geschäftsführerin Tina Reiche berichtet. Diese Zusammenarbeit soll sich fortsetzen, wenn das neue Gründerzentrum im Jahr 2021 seinen Betrieb aufnimmt. Sein Standort befindet sich in der Nähe des Campus der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus.

Platzeck vermisst Verständnis

Im Deutsch-Russischen Forum ist die EGC ebenfalls als Mitglied vertreten. Dessen Vorsitzender, der frühere SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck, stellte im Mai bei einem Gespräch im Cottbuser Wirtschaftsraum fest: Er vermisse im Westen Verständnis für die russische Situation. Ohnehin gebe es zu wenig Kontakte in den Osten. Eine Aussage, die auch die Geschäftsführerin der EGC bestätigt. Aufgrund der politischen Sanktionen gestalten sich diese Kontakte schwieriger als gewünscht, wie Tina Reiche zu bedenken gibt. „Wir schauen, in welchen Branchen eine Zusammenarbeit sinnvoll und notwendig ist“, sagt sie. Starkes Potenzial sieht sie im Energiesektor und in der Zusammenarbeit mit Start-Up-Initiativen. Bewusst trennt sie beim Werben um Partner im Osten Ideologie und Wirtschaft: „Unser Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit Unternehmen diesseits und jenseits der Grenzen. Die Wertung politischer Verhältnisse anderer Länder steht uns nicht zu und würde in Bezug auf Russland vermutlich ohnehin falsch verstanden werden.“

Brandenburger Wirtschaft internationaler ausrichten

Auch die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) organisiert Reisen für Unternehmer in Länder wie Russland, Japan und China. Das Ziel lautet nach den Worten von Geschäftsführer Sebastian Saule, die Brandenburger Wirtschaft internationaler auszurichten. „Gerade für die kleineren und mittleren Unternehmen ist es ein großer Kraftakt, auf neuen Märkten im Ausland Fuß zu fassen.“ Dabei wolle die WFBB die Firmen unterstützen.

Ohnehin befindet sich die Lausitz direkt auf der Logistikdrehscheibe zwischen Europa und Asien. Darauf weisen die Fachleute der WFBB hin. Aus kurzen Entfernungen zu den osteuropäischen Märkten wie Wrocław, Poznan und Prag ergäben sich weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Regionen.