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| 21:15 Uhr

Lausitzer ringen um die Energieregion
Die verrückte Tesla-Idee aus Cottbus ist ein ernster Zukunftsplan

JensTaschenberger und Ralf Henkler stellen sich an die Spitze der Bürgerbewegung, die die Tesla Gigafactory Europe in die Lausitz holen will.
JensTaschenberger und Ralf Henkler stellen sich an die Spitze der Bürgerbewegung, die die Tesla Gigafactory Europe in die Lausitz holen will. FOTO: Jens Taschenberger / ZVG Jens Taschenberger
Cottbus. Cottbuser Unternehmer werben mit der Aktion #Welcome Tesla um Unterstützung für die Ansiedlung der Tesla Gigafactory Europe in der Lausitz und damit auch für einen starken Energie-Standort nach der Kohle. Von Kathleen Weser

Zwei Cottbuser sind die Gesichter der Initiative #Welcome Tesla in der Lausitz – Ralf Henkler (50) und Jens Taschenberger (46). Für den Umweltverfahrenstechniker und den Diplom-Kaufmann, die als Netzwerker auf den Impuls von unten setzen, um der Lausitz als Zukunftsregion auch internationale Ausstrahlung zu verschaffen, ist das Bemühen um die Tesla Gigafactory Europe – Produktionsstätte für Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos – „bei aller Verrücktheit eine ernste Sache“. Das betont das Doppel, das um Unterstützer wirbt, „damit ein langes Leben der Region nach der Kohle am öffentlichen Tropf vermieden werden kann“.

Die kühne Idee, Tesla auf die Lausitz als Zukunftsstandort für Elektromobilität in Europa aufmerksam zu machen, stammt indes von einem Peitzer Unternehmer. Sven Minetzke führt im Schatten des Kraftwerkes Jänschwalde, in dem mit dem Abschalten des ersten Blocks in die zeitlich befristete Sicherheitsreserve der Kohleausstieg in der Lausitz nun spürbar geworden ist, einen Fahrzeugservice mit Werkstatt. Und er fährt auf Tesla ab.

Seit drei Jahren ist der Peitzer mit dem Elektroauto, das in den USA die Mercedes C-Klasse abgehängt hat, in der Spur. Mit Interesse verfolgt der Lausitzer deshalb auch die Entwicklung der Fahrzeugtechnik. Als einer der ersten Deutschen, die das neueste Tesla-Modell bestellt haben, „hatte ich vor zwei Jahren Gelegenheit, Elon Musk bei der Vorstellung des Wagens im Bundeswirtschaftsministeriums selbst zu erleben“, erzählt er. „Ich habe zwei Meter entfernt von dem Mann gesessen“, sagt Minetzke. Und der Lausitzer hat auch die Tesla-Fabrik in Fremont (Kalifornien) besuchen dürfen. Als der Konzern-Chef dann im Sommer twitterte, dass für die geplante Tesla Gigafactory Europe der Standort Deutschland sein Favorit sei, hat der Peitzer seinen Eintritt in den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) von einer Bedingung abhängig gemacht: Die Lausitz soll um die Batteriefabrik kämpfen.

Ralf Henkler, Leiter des Verbandes Wirtschaftsregion Cottbus-Niederlausitz , hat die Idee weitergetragen an den Kommunikations-Experten Jens Taschenberger. Und die Aktion #Welcome Tesla nimmt Gestalt an – aus der Kraft heimischer Unternehmer heraus und mit dem starken Willen, sie zu einem Erfolg für die Lausitz zu machen.

Gute Gründe für den Energiestandort Lausitz gibt es viele: Zehn haben die Initiatoren schon in den Ring geworfen. „Wir kämpfen ehrlich um die Ansiedlung und brauchen dafür jeden Lausitzer als Unterstützer“, sagt Jens Taschenberger. „Und wir haben sehr gute Argumente für die Lausitz“, ergänzt Ralf Henkler. Das Doppel will den großen Wurf, erklärt aber auch: Ein Erfolg sei es auch, wenn der Blick anderer Wirtschaftsunternehmen auf die Lausitz als zukunftsfähige Energieregion und die Menschen, die als Fachkräfte bereitstehen, gelenkt werden könne.

Mit Sorge sehen die Macher von #Welcome Tesla die Gefahr, dass junge Leute der Industrieregion den Rücken kehren, wenn moderne Industriearbeitsplätze und eine Perspektive fehlen. „Die Bewegung #Welcome Tesla ist auch wichtig, um den Leuten das Gefühl zu geben, wir Lausitzer sind etwas wert, wir haben eine tolle Region“, sagt Jens Taschenberger. „Wir können nicht allein auf das Einlösen politischer Versprechen warten“, ergänzt Ralf Henkler. Nägel mit Köpfen seien ja noch nicht gemacht worden, die ersten Arbeitsplätze aber schon verloren. Sigmar Gabriel (SPD) hatte den Lausitzern als Bundeswirtschaftsminister ins Aufgabenheft geschrieben, es müssten auch Vorschläge aus der Region für den Strukturwandel kommen. Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, hat erst jüngst versichert, die Lausitz erhalte jede nur erdenkliche Hilfe aus Berlin.

Die Bringepflicht der weiter gewollten Energieregion Lausitz wird erfüllt: Mit Taten, sagen die Cottbuser. Alle Lausitzer sind aufgerufen, um ein gemeinsames Licht-Zeichen für Tesla in der Lausitz zu setzen. Am 18. Oktober auf dem Lausitzring bei Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz-Kreis). Dann werde auch das politische Versprechen eingefordert. Auch Sven Minetzke ist überzeugt, dass der Standort Lausitz für Tesla attraktiv ist, das Unternehmen das nur noch nicht weiß. „Wir haben Platz genug, gute Fachkräfte im Energiesektor, eine Uni und den Lausitzring, auf dem Europas Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren entsteht. Tesla hat in die Wüste von Nevada eine Fabrik gebaut. Dann ist das in der Lausitz auch keine Hürde.“