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| 17:38 Uhr

Gaskraftwerkbau
Cottbuser Stadtwerke planen mit Minus

 Das Jahr 2018 wurde mit einem Ergebnis von minus 2,2 Millionen Euro abgeschlossen.
Das Jahr 2018 wurde mit einem Ergebnis von minus 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. FOTO: Fotolia
Cottbus. Der Cottbuser Energieversorger schließt das Jahr 2018 mit roten Zahlen ab. Der Geschäftsführer ist trotzdem zufrieden. Das hat einen guten Grund. Von Peggy Kompalla

Vlatko Knezevic steht dem Stadtparlament mindestens einmal im Jahr Rede und Antwort. Als Chef der Cottbuser Stadtwerke erläutert er, wie die Geschäfte des kommunalen Energieversorgers laufen. Das Jahr 2018 wurde demnach mit einem Ergebnis von minus 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Der Chef ist trotzdem zufrieden. „Baujahre sind immer schwierig“, konstatiert er und schiebt gleich nach: „Die ersten zwei sind besser gelaufen als geplant.“

75 Millionen Euro für neues Kraftwerk

Die Cottbuser Stadtwerke stemmen derzeit eine der größten Investitionen der vergangenen Jahrzehnte. Für gut 75 Millionen Euro lässt das Unternehmen ein neues Gas-Heizkraftwerk errichten – direkt neben der alten Anlage, die mit Braunkohle betrieben wird. Die Vorbereitungen sind so weit fortgeschritten, dass die Fundamente hergerichtet sind. Neben fünf Gasmotoren mit einer Leistung von jeweils zehn Megawatt wird parallel dazu ein neuer Druckwärmespeicher installiert. Nach Auskunft der Stadtwerke werden künftig 15 rund 30 Meter hohe Speicherbehälter eine extrem flexible Fahrweise des Kraftwerks ermöglichen.

 Das Fundament für das neue Gasheizkraftwerk in Cottbus ist bereitet. Hier sind Arbeiter beim Einbringen der Sauberkeitsschicht zu sehen.
Das Fundament für das neue Gasheizkraftwerk in Cottbus ist bereitet. Hier sind Arbeiter beim Einbringen der Sauberkeitsschicht zu sehen. FOTO: Stadtwerke Cottbus

Nach derzeitigem Plan soll die neue Anlage bereits im Frühjahr 2021 in Betrieb gehen. Spätestens am 31. Dezember 2022 muss das neue Kraftwerk im Dauerbetrieb laufen, damit die Stadtwerke von der Bundesförderung aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz profitieren können, die danach ausläuft.

Großbauprojekt im Zeitplan und Budget

„Bislang sieht alles bestens aus“,  versichert der Chef. Demnach werden die Speicherbehälter noch in diesem Jahr geliefert. „Die Finanzierung ist gesichert. Die Kennzahlen für 2018 und 2019 sind besser als angenommen.“ Das Großbauprojekt befinde sich sowohl im Zeitplan als auch im Budget.

Modernisierung des Fernwärmenetzes läuft

Aus Sicht des Stadtwerke-Chefs ist der Kraftwerksbau nur ein Teil der Großinvestition. Damit verbunden sei die Modernisierung des Fernwärmenetzes. Dies bedeute einen mindestens genauso großen Kraftakt. „Durch eine Temperaturabsenkung im Rücklauf machen wir die Anlage noch effizienter“, erklärt Vlatko Knezevic.

Temperatur im Mittel um drei Grad Celsius verringert

Im nächsten Jahr soll die Rücklauftemperatur demnach bei 65 Grad Celsius liegen. Seit dem Jahr 2010 wird das Cottbuser Fernwärmenetz komplett mit Heißwasser betrieben. Seitdem beträgt das Temperaturniveau zwischen Vor- und Rücklauf 135 Grad Celsius zu 70 Grad Celsius. Das neue Gasmotorenkraftwerk läuft allerdings am wirtschaftlichsten, wenn das Temperaturniveau 125 Grad Celsius zu 60 Grad Celsius im Fernwärmenetz beträgt. Genau das peilen die Stadtwerke an und arbeiten darauf hin.  Bereits in diesem Jahr konnte die Temperatur im Mittel um drei Grad Celsius im Netz gesenkt werden. „Das ist nur mit großem Aufwand möglich.“

Risiko CO2-Preis

Der Geschäftsführer betont: „Wir wollen die Investition für das neue Kraftwerk in 15 Jahren wieder reinhaben.“ Das sei überlebenswichtig. Die Haltwertzeit neuer technischer Anlagen verkürze sich immer mehr. „Früher konnten Kraftwerke gut 40 Jahre laufen. Die Zeit haben wir nicht mehr, wegen der steten Veränderungen am Markt.“ Dies sei zumeist politischen Entscheidungen geschuldet. Das größte Risiko für die neue Investition der Stadtwerke sei die Entwicklung des CO2-Preises.

Läuft alles nach Plan, wird das alte Braunkohlekraftwerk im Jahr 2022 vom Gaskraftwerk ersetzt. Damit wäre die einst hoch moderne Anlage gerade einmal 22 Jahre am Netz.