| 18:56 Uhr

Cottbus
Cottbuser Alleinstellungsmerkmal

Das war noch ganz am Anfang: Ralf Devantier und Paul Groba (v.l.) beim Aufbau einer neuen Konsole einer demontierten Diesellok. Das Fahrzeug ist heute eine Hybridlok. Der Prototyp kommt im nächsten Jahr auf die Teststrecke.     
Das war noch ganz am Anfang: Ralf Devantier und Paul Groba (v.l.) beim Aufbau einer neuen Konsole einer demontierten Diesellok. Das Fahrzeug ist heute eine Hybridlok. Der Prototyp kommt im nächsten Jahr auf die Teststrecke.    FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Das Bahnwerk Cottbus bekommt bis 2021 eine neue Produktionshalle. Mit der Instandhaltung von Hybridlokomotiven hat der Standort eine Besonderheit. Trotzdem bleibt Ungewissheit. Von Peggy Kompalla

Der Deutsche-Bahn-Konzern docktert seit dem Jahr 2014 an einem Konzept für seine 13 Instandhaltungswerke. Im November 2017 gibt es zumindest eine Auskunft: Kein Bahnwerk wird geschlossen. In Cottbus soll sogar bis zum Jahr 2021 eine neue Produktionshalle gebaut werden. Das bedeutet eine Millioneninvestition in den Standort, der mit dem Umbau von Hybridlokomotiven ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen kann. Die ersten Prototypen gehen Anfang nächsten Jahres auf Teststrecke und Prüffeld. Doch was wird mit den restlichen Werkstätten? Was bedeutet das für das Personal? Auf diese Fragen gibt es noch immer keine konkrete Antwort. Deshalb schwingt bei den Cottbuser Bahnern immer noch Ungewissheit mit.

Die Nachricht aus Frankfurt am Main, dass alle Standorte erhalten bleiben, dürfte bei Wolfgang Stepanek eine besonders große Erleichterung gewesen sein. Der Cottbuser Werkleiter weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, einen Betrieb aufgeben zu müssen. War er doch Chef des Eberswalder Instandhaltungswerkes, als es vom DB-Konzern abgestoßen wurde. Heute firmiert der Betrieb als privates Ausbesserungswerk. Das wird in Cottbus also nicht passieren. „Es ist eine positive Entscheidung, dass kein Standort geschlossen wird“, betont Stepanek. „In Cottbus werden die Hybridlokomotiven zu einer wesentlichen Säule des Leistungsportfolios. Wie sich die Dimensionen gestalten, das muss die Detailplanung zeigen.“ Die Strategie für die einzelnen Werk werde von der Zentrale erst ab Januar ausgearbeitet. Mit den Hybridloks habe Cottbus ein Alleinstellungsmerkmal. „Das ist wichtig“, so Wolfgang Stepanek.

Auch bei Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) ist die Freude bislang verhalten, „da wir noch nicht genau wissen, wie viele dieser wichtigen Industriearbeitsplätze in Cottbus im alten Werk tatsächlich erhalten bleiben. Insgesamt aber ist der Plan für eine neue Fertigungshalle ein gutes Signal für den Bahnstandort.“

Von der Deutschen Bahn gibt es bislang zum Bahnwerk Cottbus nur eine konkrete Auskunft: Ab 2021 soll sich der Standort auf die Instandhaltung von Diesel- und Hybridlokomotiven fokussieren. Voraussetzung des Zukunft-Bahn-Programms – also der Werkestrategie – ist laut einer Bahnsprecherin „die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter und ausreichende Beiträge aller zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit“. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Der Cottbuser Betriebsratchef Andreas Lehmann sagt: „Es sind gute Nachrichten, dass der Standort erhalten bleibt und investiert wird. Wir wollen die neue Halle mit Leben füllen.“ Damit sei ein Teilziel erreicht. Der Bahner ergänzt. „Für uns ist aber entscheidend, wie viel Arbeit wir an Deck haben werden.“ Denn DB-intern werde von Cottbus ab dem Jahr 2021 von einem „zukunftssicheren, aber verkleinerten Standort“ gesprochen. Derzeit sind im Cottbuser Bahnwerk 480 Mitarbeiter angestellt, 48 von ihnen arbeiten über den konzerninternen Personalausgleich in anderen Werken. „Wir fordern, dass Leistungen auch nach Cottbus kommen“, sagt Lehmann. Der Gesamtbetriebsrat und die Eisenbahnergewerkschaft EVG haben demnach den DB-Konzern aufgefordert, ein Personalkonzept für alle 13 Instandhaltungswerke bis Mitte nächsten Jahres vorzulegen.

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