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Cottbuser Hauptbahnhof
Bahnhofshändler leiden unter Umsatzeinbußen

Cottbus. Die Gewerbetreibenden werfen der Bahn mangelnde Transparenz und Kommunikation über die Baumaßnahmen vor. Stephan Meyer und Jenny Theiler

Seit etwas über einem Jahr wird der Cottbuser Hauptbahnhof zu einem modernen Verkehrsknoten ausgebaut. Wie bei Baustellen oft üblich, gehen mit den Nutzungseinschränkungen, die sich durch die Baumaßnahmen ergeben, auch Umsatzeinbußen für die anliegenden Händler einher. Michael Kalning, der im Bahnhof ein Geschäft für Spreewald-Produkte betreibt, und Blumenhändlerin Carola Lindorf beklagen Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent. „Dass die Baustelle kommen wird, war uns allen bekannt, aber damit hätten wir nicht gerechnet“, erklärt Kalning. In den lokalen Medien würde immer nur darüber geredet, wie schön doch alles bald sein werde, sagt Lindorf. „An uns denkt niemand“, so ihre Kritik.

Stein des Anstoßes sei nicht die Baustelle als solches, sondern eine mangelnde Kommunikation und Transparenz über die geplanten Maßnahmen. Den Händlern habe man nie Pläne über die Bauvorhaben vorgelegt, kritisieren sie. Merkwürdig sei ebenfalls, dass so viel abgesperrt werde, aber nichts passieren würde, so der Eindruck von Lindorf und Kalning. Mitarbeiter der Bahnhofsbuchhandlung Eckert hinterfragen gar den Sinn einzelner Baumaßnahmen. Man wolle bei der Baustelle zu viel auf einmal, so ihr Eindruck. Bauabschnitte würden nicht nacheinander beendet. Es werde einfach alles nur aufgerissen.

Die Folge: Kunden sei es kaum noch möglich, zum Bahnhof zu kommen. Mobilitätseingeschränkte und ältere Kundschaft meide den Bahnhof. Viele potenzielle Kunden würden auch wegen der mangelnden Kurzzeitparkplätze fehlen. Der Wegfall des Geldautomaten der Sparkasse trage ebenfalls dazu bei. Darüber hinaus sei die Parkplatzsituation auch für die Händler katastrophal. Lindorf und ihre Kolleginnen haben wenige Möglichkeiten, ihre Autos irgendwo abstellen zu können.

Ferner hat sich durch die Sperrung des Osteingangs die Waren­annahme für Lindorfs Blumengeschäft erschwert. Mithilfe eines Rollbretts müssen ihre Mitarbeiter und sie die Ware am Parkplatz auf der Westseite annehmen, was einen Mehraufwand von bis zu einer Stunde bedeute. Carola Lindorf hat sich bereits nach einer Mietminderung beim Bauamt erkundigt. Dort habe sie jedoch nur eine „freche“ Antwort bekommen, erzählt sie: „In drei Jahren habe ich es doch schön, sagte man zu mir.“

Anfragen von Lindorf und Kalning an die Stadt und die Bahn wurden immer nur weitergeleitet, jedoch nie beantwortet. Die RUNDSCHAU hat die Deutsche Bahn mit der Kritik der Händler konfrontiert. Gisbert Gahler vom Regionalbüro Kommunikation Berlin der Deutschen Bahn AG kann die Vorwürfe der Ladeninhaber jedoch nicht nachvollziehen: „Das Bahnhofsmanagement ist täglich im Bahnhof zu erreichen und steht mit Ansprechpartnern zur Verfügung“, heißt es in einem Antwortschreiben. Informationen zum Bauablauf würden auf der Webseite www.umbau-bahnhof-cottbus.de ausreichend kommuniziert. Kalning und Lindorf haben hingegen andere Erfahrungen mit dem Cottbuser Bahnhofsmanagement gemacht. „Da erreicht man ja nie jemanden“, beanstandet der Betreiber des Spreewaldspezialitätengeschäfts. 

In der oberen Etage ist mit der Orion-Filiale bereits ein Mieter ausgezogen. Für Gisbert Gahler ist der Auszug aber keine Folge der Baumaßnahmen. Den Grund dazu sieht er im Umbruch, in dem sich der Handel momentan befinde. Das gelte besonders für schwierige Einzelhandelslagen wie dem Obergeschoss des Cottbuser Bahnhofs. Gahler stellt jedoch Veränderungen in Aussicht: „Wir prüfen andere Möglichkeiten, die den Bahnhof in seiner verkehrlich günstigen Lage gut nutzen und gleichzeitig bereichern können“. Konkrete Details gibt er nicht preis.

Große Hoffnung setzen die Bahnhofshändler in die Rückkehr der Rossmann-Filiale sowie in die geplante Apotheke. Die Geschäfte würden den Standort attraktiver machen. Viele Händler spekulieren auf eine Umsatzsteigerung. Die Drogerie-Filiale sollte bereits im Sommer wiedereröffnen. „Die vertraglichen Vereinbarungen sind geschlossen“, heißt es dazu von der Bahn. „Die erforderlichen Planungen und Genehmigungen zum Miet­ausbau sind noch im Prozess.“

Inzwischen sei eine Betreuerin der Deutschen Bahn aus Rostock vor Ort gewesen, informiert Lindorf. Die Bahn-Mitarbeiterin habe jedoch nur eingestanden, dass man sich der schwierigen Situation der Händler bewusst sei. Lösungen wurden der Blumenhändlerin zufolge nicht angekündigt. „Die war nach fünf Minuten wieder weg“, berichtet Lindorf. Kalnings Geschäft hat sie nicht aufgesucht.