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| 18:54 Uhr

Angebote für junges Wohnen
Brachflächen für bauende Familien?

Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 2014 von Neu-Schmellwitz zeigt die enormen Brachflächen.
Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 2014 von Neu-Schmellwitz zeigt die enormen Brachflächen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus.  In Cottbus drehen sich die Baukräne, der innerstädtische Wohnungsbau, Altbausanierungen  und Bauträger-Projekte am Stadtrand florieren. Und doch reicht das Angebot nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen. Solange das so ist, werden die Preise wohl weiter steigen. Von Beate Möschl

„Die gute wirtschaftliche Lage, das anhaltende Zinstief und der Trend, vom Land zurück in die Stadt zu ziehen,  lassen das Marktgeschehen in diesem Segment florieren“, beobachtet  Dr. Hannes  Tischer, stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in  der Stadt Cottbus.  Besonders gefragt sind dem Gutachter   zufolge  Eigentumswohnungen  mit einem mittleren bis gehobenen Ausstattungsstandard in Citylage. Der durchschnittliche Kaufpreis für Eigentumswohnungen im Erstbezug beträgt 2316 Euro pro Quadratmeter (2016: 2107 Euro/m2).

Für Wohnungen in sanierten Altbauten, die  erstmals als Eigentumswohnungsobjekt umgewidmet wurden, ist das Preisniveau nahezu gleichbleibend. 2017 wurden in Cottbus für Eigentumswohnungen im sanierten Altbau  in mittlerer bis guter Wohnlage durchschnittlich 1577 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gezahlt (2016: 1545 Euro/m2).

 Mit dem Weiterverkauf von Eigentumswohnungen ist Tischer zufolge in Cottbus kaum Geschäft zu machen. Das hat zwei Seiten: Es zeigt, dass  Cottbus  kein Markt für Spekulationen ist. „In den Metropolen wie Berlin und Hamburg ist die Eigentumswohnung in großem Umfang  eine Kapitalanlage. In Cottbus ist das noch anders. Hier ist der Großteil der Käufer auch Eigennutzer der Immobilie“, sagt Tischer, und fügt an: „Ob  Kauf besser ist als Miete, das ist immer eine individuelle Abwägung und nicht vom Geld allein bestimmt. Da spielen Fragen wie Attraktivität der Wohnlage, Alter, Infrastruktur und Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr, Sicherheitsdenken,  Förderszenarien und Steuern eine Rolle bis hin zu Kita-Betreuungszeiten und der Klassenstärke an Schulen.“

 Die Auswertung der Kaufdaten des Jahres 2017 zeigt, dass beim Erwerb von bereits vermietetem Wohnraum in Cottbus weniger gezahlt wird als bei neu gebauten Erstbezugswohnungen. Der durchschnittliche Kaufpreis liegt für vermieteten Wohnraum bei 1293 Euro je Quadratmeter Wohnfläche (Baujahre 1997 bis 2015).  Das erzielbare Preisniveau bei Weiterveräußerung von Eigentumswohnungen ist  abhängig von Lage und Bauart.

Bei neu gebauten Eigentumswohnungen  ist das durchschnittliche Preisniveau mit 1162 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche (2016: 1193 Euro/m2) annähernd gleich geblieben, „bei steigenden Spitzenpreisen“, so Tischer. Das Preisniveau  reicht von 710 Euro an der untersten Grenze bis zu  2415 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Bei Altbau-Wohnungen  ist die Schwankungsbreite geringer, sie reicht von 1037 bis 1825 Euro pro Quadratmeter.

Wer einst seine Plattenbau-Mietwohnung bei der Umwandlung in Eigentum erworben hat,  kann je nach Lage zwischen 614 und 1339 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erzielen. „Das Preisniveau in geschlossenen Wohnquartieren der Baujahre 1930 bis 1983 ist nahezu konstant“, so Tischer.

 Die aktuelle Nachfrage geht hin zu modernem Zuschnitt, energiesparender Bauweise, Fahrstuhl und Parkplatz vor der Tür, schildert er. Hinzu kommt ein Trend zurück in die Stadt. Nicht nur bei der älteren Generation. Auch junge Leute wollen bevorzugt da wohnen, wo sich das Stadtleben abspielt, sagt Tischer und sieht eine Chance für Cottbus, weiter zu wachsen:  „Wir wollen ja mehr Einwohner haben, möglichst junge Leute, die Familien gründen und Kinder haben. Auch junge Familien suchen Wohneigentum. Zu bezahlbaren Konditionen“, sagt er und regt an, über ein Cottbuser Modell  nachzudenken. Der von  der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus  öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für die Bewertung bebauter und unbebauter Grundstücke, Mieten für Grundstücke und Gebäude und stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Cottbus hat Freiflächen im Blick, die durch den Abriss von Plattenbauten entstanden sind, und Reihenhäuser mit 80 bis 120 Quadratmeter Wohnfläche, die zur Miete oder zum Kauf angeboten werden könnten. „Wenn man das geschickt anfängt und einen Bauträger findet, der da mitgeht, wäre das was  für junge Familien. Wir haben die BTU hier, die könnte für und mit der Stadt   geeignete Modelle entwickeln“, ist Tischer überzeugt.