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| 20:34 Uhr

Neubau für die Wissenschaft
Wo sich Wissenschaft und Wirtschaft treffen

 Das neue „Forschungszentrum 3H“ auf dem Zentralcampus in Cottbus. Im Herbst 2020 sollen die Wissenschaftler dort einziehen können.
Das neue „Forschungszentrum 3H“ auf dem Zentralcampus in Cottbus. Im Herbst 2020 sollen die Wissenschaftler dort einziehen können. FOTO: LR / Jan Siegel
Cottbus. An der BTU Cottbus-Senftenberg wird ein hochmodernes Forschungszentrum gebaut, von dem nicht nur Wissenschaftler und Studierende profitieren. Von Jan Siegel

Über dem Zentralcampus der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg in der Lausitzmetropole drehen sich die Baukräne. Und das dürfte erst einmal ein Vorgeschmack sein auf das, was sich in den kommenden Monaten rund um die wichtigste Hochschuleinrichtung in der Lausitz tun wird. Die Uni setzt auf Zukunft und das mit voller Kraft. Schließlich soll sie zu einem entscheidenden Pfeiler für den Wirtschaftswandel in Südbrandenburg werden, wenn das Kohlezeitalter hier zu Ende geht.

Hochqualifizierte Fachleute in die Region ziehen

„Das Wichtigste für uns ist, dass wir uns mit leistungsfähigen Industrieunternehmen, die hier schon ansässig sind, zusammentun“, sagt Professor Vesselin Michailov, der Leiter des Lehrstuhls Füge- und Schweißtechnik an der BTU. Seit dem Jahr 2004 hat er mit seinen Kollegen für den Neubau gekämpft, an dem am Donnerstag Richtfest gefeiert worden ist. Michailov hat erkannt, dass durch die Zusammenarbeit mit Firmen wie beispielsweise Kjellberg Finsterwalde, dem Kraftwerksservice KSC oder auch dem Energieunternehmen Leag visionäre Projekte umgesetzt werden können, die hochqualifizierte Fachleute in die Region ziehen und sie vor allem hier auch langfristig halten können. Dafür hat er mit seinem Kollegen und Leichtbauspezialisten Professor Holger Seidlitz bereits ein beeindruckendes Netzwerk geknüpft. An die 40 industrielle und wissenschaftliche Partner arbeiten dabei mit und entwickeln gemeinsam und praxisnah Technik für die Zukunft.

Optimale Bedingungen für Forschung und Lehre

Der Neubau des „Forschungszentrums“ bietet den Wissenschaftlern und den Studenten künftig optimale Bedingungen für Forschung und Lehre. Noch stehen überall im und um den Rohbau Baugerüste. Künftig bietet alleine eine fast 1000 Quadratmeter große Versuchshalle Platz für hochmoderne Experimentierbereiche mit Roboterschweißzellen und eine Anlage für punktgenaues Laserstrahlschmelzen.

„Wenn Bauteile entstehen, indem ein maßgeschneiderter Aluminium-Fülldraht mit Kohlenstoff-Nanostrukturen im Lichtbogen geschmolzen wird, dann hört sich das an wie aus einem Sciencefiction-Roman“, sagte die brandenburgische Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski beim Richtfest am Donnerstag. „Aber es sind eben solche hochmodernen Fertigungsverfahren, die Energie und Ressourcen sparen und der BTU einen Schub verleihen werden.“

Architekten haben bautechnische Herausforderungen gemeistert

Dabei haben die Architekten des Berliner Büros „Abelmann Vielain Pock BDA“ aus Berlin einige bautechnische Herausforderungen meistern müssen. Alle notwendigen Medienleitungen werden durch ein Bodenkanalsystem geführt. Laborbereiche mit sensibler Technik und besonderen Anforderungen sind als separate, oben geschlossene Räume direkt in die neue Versuchshalle eingestellt.

Der L-förmige Neubau des Forschungszentrums umschließt die moderne Versuchshalle. Zusammen mit der Halle steht den Wissenschaftler künftig eine zusätzliche Nutzfläche von rund 2500 Quadratmetern zur Verfügung. Auf ihr befinden sich Seminar- und Übungsräume, Büros und flexibel teilbare Begegnungs- und Besprechungsräume sowie ein modernes CAD-Labor. Um maximale Flexibilität auch für die Zukunft zu erreichen, wird mit vielen nichttragenden Wänden gearbeitet.

15-Millionen-Euro-Projekt

 Symbol der Zimmerleute: Die Ehrengäste und Bauherren durften beim Richtfest am Donnerstag die „letzten Nägel“ einschlagen.
Symbol der Zimmerleute: Die Ehrengäste und Bauherren durften beim Richtfest am Donnerstag die „letzten Nägel“ einschlagen. FOTO: LR / Jan Siegel

Durch eine vorgehängte Fassade aus Betonfertigelementen – eine kleine Reminiszenz an Cottbuser Bauhochschul-Traditionen – und großzügige Verglasung soll das Gebäude einen offenen und einladenden Charakter erhalten. Auch im Inneren des Neubaus wird diese Transparenz fortgesetzt. Ein ansprechender Foyerbereich gewährt durch Verglasungen und eine angeschlossene Galerie Einblicke in die Forschungsarbeit in der Versuchshalle. Gut funktioniert hat bei der Planung des Neubaus offenbar die Zusammenarbeit zwischen den Architekte, Bauleuten und vor allem den künftigen Nutzern. Sie konnten von Anfang an mitreden, als es um das 15-Millionen-Euro-Projekt ging. Das bestätigte beim Richtfest am Donnerstag auch die amtierende Präsidentin der BTU, Professorin Christiane Hipp. „Die Bedingungen könnten optimaler nicht sein, wenn es um die Bildung und die Qualifizierung der Fachkräfte und Ingenieure von morgen geht“, sagte Hipp. Sie weiß, dass es für die Lausitzer Uni in den nächsten Jahren um die Lösung mehrerer großer Herausforderungen geht. Die BTU soll DER wissenschaftliche Kristallisationspunkt für den Strukturwandel in der Lausitz sein. Gleichzeitig muss die Bildungseinrichtung wieder stärker zu einem Magneten werden, der wieder mehr bildungshungrige junge Menschen und Forscher  in eine bisher schrumpfende Region zieht. Der Neubau ist sicher ein Baustein dafür. Denn die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre in der Lausitz könnten besser kaum sein.

An Enthusiasmus fehlt es gerade den Werkstoff- und Materialexperten um die Professoren Vesselin Michailov und und Holger Seidlitz, die auf ihren Fachgebieten führend sind, beim Blick in die Zukunft nicht. Jetzt bekommen sie auch die optimalen baulichen und technischen Voraussetzungen.