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| 19:22 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten
Rückkehr ins Familienunternehmen

Vor 14 Jahren trat Beatrix Otto in die Fußstapfen ihrer Eltern und übernahm gemeinsam mit ihrem Mann das Unternehmen.   
Vor 14 Jahren trat Beatrix Otto in die Fußstapfen ihrer Eltern und übernahm gemeinsam mit ihrem Mann das Unternehmen.   FOTO: Michael Helbig
Drehnow. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region – heute: Beatrix Otto, Geschäftsleitung M & L Autohaus Frahnow GmbH.

Mein Vater, Lothar Frahnow, eröffnete 1977 eine Kfz-Werkstatt in unserem Heimatort Drehnow. In die Selbstständigkeit zu gehen, war in der DDR nicht einfach – egal in welcher Branche. Mit seiner Kfz-Reparaturwerkstatt spezialisierte sich mein Vater zunächst auf die Marken Moskwitsch und Wartburg und bot Reparaturen bis hin zum kompletten Aufbau an: Aus alten Teilen schraubte er ganze Autos zusammen.

Er fuhr nach Eisenach, um Wartburg-Ersatzteile zu kaufen, und düste nach Berlin, wo es Teile für den Moskwitsch gab. Auf dem Heimweg folgten ihm schon Interessenten, weil sie sahen, dass er Ersatzteile auf der Ladefläche hatte, die sie unbedingt brauchten.

Nach der Wende starteten wir in Drehnow mit dem Vertrieb für Ford. Im ersten Jahr verkauften wir fünfhundert Neuwagen! Der Standort des Betriebs war allerdings nicht ideal – in einem Dorf mit nur fünfhundert Einwohnern, mitten im Wald. So entschloss sich mein Vater, ein Grundstück in Peitz zu kaufen. Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir die Ersten in Brandenburg, die ein Autohaus komplett neu bauten. 1992 eröffneten wir unser Autohaus Frahnow. Zwanzig Jahre später nahmen wir in Cottbus in der Sielower Landstraße den zweiten Standort in Betrieb und feierten im vergangenen Jahr unser vierzigjähriges Bestehen.

Wie so viele Lausitzer verließ ich meine Heimat in der Jugend. Nach dem Abitur absolvierte ich ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Ford-Händler in Freiburg im Breisgau. Dann trat ich das Studium der Automobilwirtschaft in Geislingen/Steige bei Stuttgart an, mit den Vertiefungsrichtungen Automobilhandel, Automobilmarketing und Unternehmensführung. Fünf Jahre arbeitete ich danach in Kronberg bei Jaguar Deutschland, das seinerzeit noch zu den Ford-Werken gehörte. Als Mitarbeiterin in der Zentrale betreute ich deutschlandweit sämtliche Händler im Bereich Handelsmarketing.

2004 entschied ich mich, dem Angestelltendasein den Rücken zu kehren und in die Fußstapfen meiner Eltern zu treten. Aus dem „Westen“ brachte ich meinen Mann mit. Wir hatten gemeinsam in Geislingen studiert und uns im Ford-Juniorenkreis kennengelernt. Oliver stammt aus dem Ruhrgebiet, ebenfalls aus einer Autohaus-Familie. Sein Bruder trat dort im elterlichen Betrieb die Nachfolge an. Wir wussten schnell, dass wir gemeinsam unser Autohaus in Peitz übernehmen würden. Eine günstige Konstellation! Denn wir vereinen alle nötigen Kompetenzen: Mein Mann übernimmt den technischen Part, ich kümmere mich um Marketing und Vertrieb.

Wir müssen die Augen offenhalten: Wo tun sich Nischen auf, wo liegt der Bedarf unserer Kunden? Autos verkaufen, Inspektionen durchführen – das kann jeder. Im Endeffekt ist jedoch der Mensch wichtig, der dahintersteht! Das bedeutet: Ich muss den Service, den ich biete, konsequent weiterdenken.

Das Rundumpaket – 24 Stunden erreichbar zu sein – zerrt manchmal an den Nerven, besonders, wenn wir nachts zum Abschleppen gerufen werden und am nächsten Morgen pünktlich auf der Matte stehen müssen. In einem kleinen Familienunternehmen ist dann jeder Mitarbeiter gefordert.

Für die nahe Zukunft bewegt mich die Frage, wie es in unserer Region weitergehen wird. Wie entwickelt sich das wirtschaftliche Umfeld? Was passiert mit dem Kraftwerk Jänschwalde? Sind wir für den Strukturwandel gerüstet? Als Familienunternehmen sind wir stark: Jeder steht für den anderen ein. Der Betrieb läuft, weil sich alle – nicht nur meine Eltern, mein Mann und ich, mein Onkel und die Cousins, sondern auch die nichtverwandten Mitarbeiter – voll hinter ihre Arbeit klemmen.

Ich bin meinen Eltern dankbar, dass die Nachfolge bei uns so wunderbar klappt. Es ist ein echtes Mit- und Nebeneinander. Einerseits probieren wir neue Wege aus und sammeln unsere eigenen Erfahrungen. Andererseits brauchen wir das Know-how der Älteren. Wenn mir meine Mutter erzählt, wie sie in der Vergangenheit handelte, hilft mir das bei meinen Entscheidungen. Das stetige voneinander Lernen zeichnet in meinen Augen das Miteinander in einem Familienunternehmen aus!