| 13:09 Uhr

Projekt Kausa
100 Flüchtlinge in Ausbildung bringen

Die Lausitzer Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs. Jugendliche Flüchtlinge stehen bereit. Sie fit zu machen für den Arbeitsmarkt – so wie hier bei der Liebherr Akademie im Seehafen Rostock – ist die große Herausforderung.
Die Lausitzer Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs. Jugendliche Flüchtlinge stehen bereit. Sie fit zu machen für den Arbeitsmarkt – so wie hier bei der Liebherr Akademie im Seehafen Rostock – ist die große Herausforderung. FOTO: Bernd Wüstneck / dpa
Cottbus. Flüchtlinge fit für den lokalen Ausbildungsmarkt machen – das ist das Ziel des Projektes Kausa. In Cottbus hat die neue Servicestelle für Brandenburg jetzt ihre Arbeit aufgenommen. Der Bedarf ist groß. Von Bodo Baumert

„Wir brauchen jeden Jugendlichen, den wir kriegen können“, beschreibt Bernd Becking von der Regionaldirektion Berlin Brandenburg bei der Bundesagentur für Arbeit, die Lage in der Lausitz. In Behörden und Betrieben gehen in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitnehmer in Rente. Sie ersetzen müssen Jugendliche, die aus der Ausbildung kommen. Doch längst können nicht mehr alle Lehrstellen besetzt werde. Es gebe aber einen „Schatz“, der für den regionalen Arbeitsmarkt noch gehoben werden kann: die jugendliche Flüchtlinge, die zum Teil an den Oberstufenzentren vorbereitet werden.

Sie in den lokalen Ausbildungsmarkt zu vermitteln, ist das Ziel der Koordinierungsstelle für Ausbildung und Migration (Kausa). Angesiedelt ist das Team der Koordinierungsstelle in Cottbus und Oranienburg. Von dort sollen sie in ganz Brandenburg tätig werden. Das ist neu, wie Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im Bundesbildungsministerium, erläutert. Bisher gebe es 30 Kausa-Stellen in Deutschland, die aber jeweils nur vor Ort agieren. „Die regionale Vernetzung ist der Schatz“, sagt Kornelia Haugg. Auch die Cottbuser Servicestelle soll daran anknüpfen. „Wir schauen, was vor Ort gebraucht wird“, sagt Projektleiterin Charlotte Kruhoffer.

100 Lehrstellen in drei Jahren sind das Ziel. „Das schaffen wir“, sagt die Projektleiterin, die selbst aus Dänemark stammt. Ihr Team, bestehend aus Beratern und Verwaltung, hat zu drei Vierteln einen Migrationshintergrund, teils auch Fluchterfahrung. Sie können so gut Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen. In Spree-Neiße hat das bereits begonnen, mit gemeinsamen Besuchen in Integrationsklassen. Auch eine Anknüpfung an die Jugendberufsagenturen ist denkbar, wie bei einer Auftakt-Tagung am Donnerstag in Cottbus diskutiert wurde.

Warum braucht es ein Projekt wie Kausa überhaupt? Almuth Hartwig-Tiedt, Staatssekretärin im Brandenburger Arbeits- und Sozialministerium, verweist auf die Hürden, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund immer noch im Weg stehen. Konkret zu schauen, was der einzelne Jugendliche braucht, um die Chance auf einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sei wichtig. Sprachkurse zählen ebenso dazu wie eine Einstiegsqualifizierung.

Auch Unternehmen brauchen Hilfe. Denn oft wissen diese gar nicht, welche Möglichkeiten sie eigentlich haben, um Hilfe bei der Ausbildung eines Jugendlichen zu bekommen. Genau dort kann die gut vernetzte Beratungsstelle anknüpfen. „Wir wollen keine Parallelstrukturen aufbauen“, sagt Almuth Hartwig-Tiedt. Vielmehr gehe es darum, den Jugendlichen auch den Wert einer dualen Ausbildung in Deutschland aufzuzeigen. In den Ländern, aus denen sie kommen, gibt es so etwas nicht. Die Jugendlichen kennen nur das Studium, das viele dann auch in Deutschland anstreben. Dabei biete gerade die Ausbildung viel sicherere Perspektiven.

Ein Beispiel aus Cottbus ist das Carl-Thiem Klinikum (CTK), das bereits dabei ist, Jugendliche aus verschiedensten Herkunftsländern fit für den Arbeitsalltag im Krankenhaus zu machen. „Das läuft sehr gut, macht aber auch viel Arbeit“, sagt Andrea Stewig-Nitschke, Pflegedirektorin am CTK. Auch sie wünscht sich mehr Transparenz über Angebote und setzt dabei auch auf die Hilfe von Kausa.

Eine Gefahr gibt es allerdings, die Jugendliche wie Unternehmen abschreckt: die Gefahr der Rückführung. Anders als etwa in Berlin gilt für Flüchtlinge in der Einstiegsqualifizierung in Brandenburg kein Rückführungsschutz. So kommt es leider immer wieder zu Fällen, das gut integrierte und motivierte Jugendliche, die auf dem Ausbildungsmarkt gebraucht würden, in ihre Heimat abgeschoben werden. „Das ist Sache der lokalen Ausländerbehörden“, sagt Almuth Hartwig-Tiedt. Leider gebe es bisher weder eine bundes- noch landesweite Richtlinie dafür. Dafür wolle man sich aber weiter einsetzen, betonte auch Bernd Becking von der Arbeitsagentur.