ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:30 Uhr

Wirtschaft
Besucherrekord bei Cottbuser Ausbildungsmesse

Dachdecker-Azubi Michele Freyer und Ausbilder Kai-Uwe Reipert betreuen das Schieferherz-Schlagen.
Dachdecker-Azubi Michele Freyer und Ausbilder Kai-Uwe Reipert betreuen das Schieferherz-Schlagen. FOTO: Isabel Damme
Cottbus . Mehr als 5000 Schüler und Eltern suchten am Wochenende in Cottbus nach dem richtigen Weg zum Einstieg ins Berufsleben. Von Isabel Damme

Am vergangenen Samstag informierten sich über 5000 Besucher auf der interaktiven Berufsorientierungs- und Ausbildungsbörse (iBOB) über regionale Arbeitgeber. Mit über 90 beteiligten Betrieben war dies die bisher größte iBOB in Cottbus. Dies teilte die Agentur für Arbeit mit, die zusammen mit dem Jobcenter Cottbus, der Industrie- und Handelskammer Cottbus und der Handwerkskammer Cottbus die Messe veranstaltet.

Die diesjährige Berufsbörse in der Stadthalle wurde ihrem Motto „Ausbildung zum Anfassen“ gerecht: Schüler konnten Holzhausgestelle zimmern, Schieferstein behauen, Briefumschläge falten, Hefter zusammenkleben oder Gewürze erschnuppern. Für das nächste Ausbildungsjahr sind der Agentur für Arbeit bisher über 2100 freie Plätze gemeldet. Oberbürgermeister Holger Kelch, mit Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (beide CDU) Schirmherr der iBOB, freut sich über die Vielfalt der Angebote: „Die Jugendlichen sind heutzutage in der komfortablen Situation, sich aus tausenden Möglichkeiten ihren Traumberuf wählen zu können.“ Kelch hat eine Lehre zum Elektromonteur absolviert. Wenn er sich heute noch einmal entscheiden müsste, würde er dieser Entscheidung treu bleiben. „Besonders spannend finde ich den Bereich Wärmesteuerung in Häusern oder auch die Roboter in der Gebäudereinigung.“ Er empfiehlt, sich rechtzeitig zu informieren und mit den Arbeitgebern ins direkte Gespräch zu treten. „So kann man ein Gefühl für das Arbeitsklima zu zukünftigen Kollegen oder Chefs gewinnen.“

Zu den neuen Ausstellern gehört dieses Jahr der Hörgeräteakustiker Markus Schwalm. Für seinen Betrieb sucht er zwei Azubis. „Das Berufsfeld ist wirklich sehr abwechslungsreich: vom Ohrstücke ausarbeiten über das Programmieren bis hin zum Kundenservice gibt es viele Aufgaben.“ Das duale Ausbildungssystem sehr umfangreich aufgebaut und verbindet Psychologie und Anatomie mit Elektrotechnik, Physik und Mathematik.

Eine einmalige Ausbildungsmöglichkeit in der Lausitz verspricht Sebastian Bubner von der Biella-Falken GmbH. In der Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer lernen Jugendliche unter anderem die verschiedenen Ordner herzustellen. „Wir suchen auch Leute mit kreativen Ideen, um den Schul- und Bürobedarf von Morgen zu entwickeln.“, erklärt der Innovationsmanager.

„Ich stand letztes Jahr noch auf der anderen Seite des Tisches.“, sagt Michele Freyer stolz. Sie ist während der iBOB auf die Ausbildung zum Dachdecker aufmerksam geworden und heute in ihrem ersten Ausbildungsjahr. „Ohne die Berufsbörse wäre ich womöglich niemals auf die Idee gekommen, Dachdeckerin zu werden.“ Ihr Ausbilder Kai-Uwe Reipert erklärt, dass eine zentrale Bewerbung an die Dachdecker-Innung Cottbus automatisch an 84 Mitgliedsbetriebe versendet wird.

Zu den 5000 Besuchern der Stadthalle gehört auch Angelina Lange. Die Zehntklässlerin kann sich noch nicht so richtig vorstellen, wo sie später einmal arbeiten wird. Ein  Praktikum in einem Hotelrestaurant hat ihr viel Spaß gemacht. „Ich möchte mir dennoch einen Überblick über alle Berufe verschaffen. Vielleicht liegt mir etwas anderes ja noch mehr.“ Für sie steht fest, dass sie nicht für immer in Cottbus bleiben möchte. Ihre Heimatstadt ist ihr zu klein und ruhig.

Der handwerklich begabte Philipp Fiedler hat nach verschiedenen Ausbildungsbetrieben in der Region Ausschau gehalten. Der Straßenbau ist für ihn durch die iBOB ins nähere Auswahlverfahren gerückt. Über die Zahl der Ansprechpartner im handwerklichen Bereich ist er jedoch enttäuscht. „Ich hatte mir eine größere Auswahl erhofft, um verschiedene Meinungen hören zu können.“ Auch der 18-jährige Florian Trägner hegt Interesse an handwerklichen Berufe. Mit zwei Freunden hat er sich an einem Stand der Handwerkskammer im Holzhaus-Gerüstbauen versucht. Im Nachhinein resümiert er: „Das kann ich mir für meine Zukunft auch ganz gut vorstellen.“ Ein Holzschiefer in der Hand stört ihn auf jeden Fall nicht am Arbeiten. Nach wenigen Minuten steht die Hütte. Sein Freund Florian Donat kann sich auch nach dem Spiel nicht für den Beruf des Zimmerers begeistern. „Ich werde mir andere Jobs mal in Ruhe ansehen.“

Besonders gut besucht ist dieses Jahr der Bewerbungsmappen-Check. „Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir sogar extra einen zusätzlichen Beratungstisch besetzt.“, erklärt Börd Duncker. Als häufigste Fehlerquelle benennt der Teamleiter des Cottbuser Jobcenters die Wahl der E-Mail-Adresse, den Zeilenabstand zwischen Betreff und Anrede sowie Rechtschreibfehler.

Dachdecker-Azubi Michele Freyer und Ausbilder Kai-Uwe Reipert betreuen das Schieferherz-Schlagen.
Dachdecker-Azubi Michele Freyer und Ausbilder Kai-Uwe Reipert betreuen das Schieferherz-Schlagen. FOTO: Isabel Damme