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| 09:29 Uhr

Wetter
Wird 2019 wieder so ein Dürrejahr?

 Staubtrocken und wenig zu ernten: Die teils dramatischen Bilder von den Feldern haben sich vor allem bei Landwirten eingebrannt. Sie warten sehnsüchtig auf Wasser und hoffen auf eine gute Ernte.
Staubtrocken und wenig zu ernten: Die teils dramatischen Bilder von den Feldern haben sich vor allem bei Landwirten eingebrannt. Sie warten sehnsüchtig auf Wasser und hoffen auf eine gute Ernte. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Cottbus. Der Rekordsommer 2018 war heiß und trocken, die Natur leidet noch an den Folgen. Auch der folgende Winter war mild, und es fehlte in der Region vielerorts an Niederschlägen. Viele Schäden zeigen sich erst mit deutlichen Verzögerungen. Der Februar war zu warm und zu trocken, ein milder März folgte – sind das erste Anzeichen für ein zweites Trockenjahr? Von Veikko Rößler

Der Wasserexperte: Sören Albinus (41) von der Flutungszentrale der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz).

 Sören Albinus
Sören Albinus FOTO: Sören Albinus

Sören Albinus ist gar nicht so unzufrieden mit der aktuellen Wassersituation. Klar sei das Vorjahr viel zu trocken gewesen. „Immerhin weisen zehn der zwölf Monate ein deutliches Niederschlagsdefizit zum langjährigen Jahresmittelwert auf“, verweist er auf die Station Bautzen. Lediglich der Januar und der Dezember hätten ein leichtes Plus aufgewiesen. Die Region um Bautzen ist für die LMBV besonders interessant, weil die dort auftretenden Niederschläge die Spree speisen und dadurch überhaupt erst einmal für das Flutungsmanagement in der Lausitz zur Verfügung stehen.

Unter der extremen Trockenheit des Sommers hätten Seen, Flusswasserstände und der Grundwasserspiegel gleichermaßen gelitten, betont Albinus. So hätten stehende Gewässer durch die hohe Verdunstungsrate bei der extremen Sonneneinstrahlung pro Woche fünf bis sechs Zentimeter an Pegelstand verloren. Der Abfluss der Spree lag im Trockenjahr 2018 nur bei rund 60 Prozent des langjährigen Mittelwertes. Zum Gegensteuern unter diesen außergewöhnlichen Umständen seien aus den LMBV- Speichern insgesamt 67 Millionen Kubikmeter Wasser in Spree und Schwarze Elster abgegeben worden. „Diese Menge hat das Niederschlagsdefizit bei Weitem nicht ausgleichen können, hat aber geholfen, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind“, sagt der Wasserexperte. Im gleichen Atemzug hat der LMBV-Mitarbeiter ein großes Lob für die Arbeit des Krisenstabes in Cottbus parat. In dieser Sonderarbeitsgruppe unter Leitung des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Cottbus hätten in den Hitzemonaten die Beteiligten aufgrund des sich abzeichnenden Wassermangels auch harte Entscheidungen treffen müssen. So seien erstmals überhaupt Gräben und Teiche vorübergehend von der Wasserversorgung abgeschnitten gewesen.

Für die nächste mögliche Niedrigwasserphase sieht der LMBV-Experte die Lausitz ganz gut aufgestellt. Die Defizite in den sächsischen Talsperren Bautzen und Quitzdorf sowie dem Speicher Bärwalde seien bereits aufgrund des feuchten Winters weitestgehend aufgefüllt. Auch die Talsperre Spremberg und der Speicher Niemtsch seien voll. „Deutliche Defizite gibt es lediglich noch am Speicher Lohsa II, welcher im Trockenjahr 2018 besonders intensiv zur Stützung der Spree herangezogen wurde. Dem fehlen noch rund zwei Meter Wasserstand bis zum Zielpegel“, sagt Albinus. „Umgerechnet bedeutet das: Lohsa II kann noch gut 20 Millionen Kubikmeter Wasser vertragen, dann wären wir bestmöglich auf die nächste Niedrigwasserphase vorbereitet.“

Für die Flutung von Restlöchern und Tagebauseen konnte die LMBV im Vorjahr insgesamt 58 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Flüssen der Lausitz gewinnen. „Das ist die bislang niedrigste Menge seit dem Jahr 2000, dem Premierenjahr unserer Flutungszentrale“, sagt Albinus. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 war die Flutungswassermenge mit 162 Millionen Kubikmetern fast dreimal so hoch. Mit den bislang im Jahr 2019 eingeleiteten 26 Millionen Kubikmeter Wasser ist Albinus zufrieden.

Ausdrücklich weist der Fachmann noch darauf hin, dass die Bergbaufolgeseen im Gewässermanagement „hinten dran stehen“. Das heißt: Sie bekommen erst Flutungswasser, wenn alle anderen Nutzer ihre benötigten Mengen erhalten haben.

Der Landwirt: Dorsten Höhne (57) von der Agrargenossenschaft Züllsdorf, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster.

 Dorsten Höhne
Dorsten Höhne FOTO: LR / Sylvia Kunze

Dorsten Höhne wartet hingegen weiter sehnsüchtig auf Wasser. So an die 150 bis 180 Liter pro Quadratmeter könnten es schon sein in Elbe-Elster, aber natürlich nicht alles auf einmal. „Am besten wäre alle paar Tage ein sanfter Landregen über mehrere Stunden“, wünscht sich der Landwirt. Sturzbäche würden die Situation nur verschärfen, der Boden würde erodiert und Nährstoffe ausgewaschen.

Die Wassersituation im Kreis habe sich im Vergleich zum Herbst nicht wesentlich geändert, resümiert Höhne. Am Grundwasserspiegel fehlten etwa 60 bis 70 Zentimeter. Die Gräben an den Feldern stünden nahezu komplett leer. Und von oben sieht‘s nicht viel besser aus mit der Feuchte. „Ein, zwei Spatenstiche und man stößt aufs Trockene“, klagt der Landwirt. Von den Niederschlagsmengen her seien der Dezember und der Januar normal gewesen, doch der Februar sei schon wieder viel zu trocken gewesen. „Das Wenige, was kam, haben Wind und Sonne gleich wieder mitgenommen.“ Insgesamt seien die Pflanzen eigentlich gut über den Winter gekommen, nur fehle ihnen jetzt das Wasser.

Beim Vergleich der aktuellen Situation mit der Lage zum gleichen Vorjahreszeitpunkt runzelt Höhne sorgenvoll die Stirn: „Die ist eigentlich deutlich schlechter.“ Zwar laufe beim Raps alles gut, derzeit gehe es ans Sommergetreide und es laufe die Nachsaat beim Grünfutter. Auch die Wege und Flächen seien gut ohne Probleme befahrbar.

„Aber jetzt muss Wasser her, und es muss mindestens eine normal gute Ernte geben“, spricht der Bauer Klartext. Die Betriebe hätten durch das extrem schlechte Vorjahr mit Milliardenschäden bundesweit keinerlei Reserven mehr. „Noch so ein Jahr werden viele nicht verkraften“, darauf gibt Höhne Brief und Siegel. Dann würde es mindestens einen massiven Abbau bei den Rinder-Beständen geben müssen, weil schlichtweg kein Futter mehr da wäre.

Die Waldbiologin: Katrin Möller (55) vom Brandenburger Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (Barnim).

 Katrin Möller
Katrin Möller FOTO: MOZ

Katrin Möller wünscht sich mal wieder ausreichend Regen. So richtig flächendeckend und ruhig auch länger anhaltend. Damit der ausgetrocknete Wald nach dem Rekordsommer des Vorjahres seine Feuchtigkeitsreserven auffüllen kann. Denn der Wald war gestresst – Hitze, Wassermangel, Brände. „Dabei hat“, sagt die Waldexpertin, „die Waldzustandserhebung 2018 im Spätsommer zunächst noch keine deutlichen Schäden gezeigt. Jedoch lehrt die Erfahrung aus vergangenen Trockenjahren wie zum Beispiel 2003, dass der Wald verzögert reagiert.“ Direkte Trockenschäden mit großen Verlusten seien jedoch bereits in Neuanpflanzungen auf einer Fläche von mehr als 800 Hektar zu verzeichnen gewesen.

Von der Entwicklung in den kommenden Wochen wird maßgeblich abhängen, zu welchen Spätschäden es noch kommen wird. „Durch Hitze und Trockenheit des Vorsommers sind die Wälder schon gestresst in den Winter gegangen und konnten keine Reserven an Nähr- und Abwehrstoffen bilden“, klagt die Forst-Biologin.

Durch den milden Winter ohne Frost wäre es zudem nicht zu der so wichtigen Winterruhe gekommen, sodass die Bäume nicht hätten „abschalten“ können. „Dadurch sind sie anfälliger gegen Schadinsekten oder auch pilzliche Schaderreger geworden“, benennt Möller die Gefahren. Neben den Rindenbrütern an Fichte, Lärche und auch Kiefer ist es vor allem die Nonne, die von dem warmen Sommer 2018 profitiert hat. Insbesondere für den Fläming zeigen die Eizählungen, dass in vielen Revieren mit Kahlfraß durch deren Raupen zu rechnen ist. Auch der nadelfressende Kiefernspinner gebe lokal Grund zur Sorge.

Für die holz- und rindenbrütenden Käfer trafen 2018 äußerst günstige klimatische Bedingungen auf ein umfangreiches Brutraumangebot. Die Oktoberstürme „Xavier“ und „Herwarth“ 2017 und der Sturm „Friederike“ im Januar 2018 verursachten in Brandenburg insgesamt mehr als 1,25 Millionen Kubikmeter Bruch- und Wurfholz, das nicht vollständig beräumt werden konnte. Bruttaugliche Kiefern sind außerdem sowohl in den aktuellen Schadgebieten von Nonne, Kiefernspinner und Forleule als auch der Gemeinen Kiefernbuschhornblattwespe aus dem Jahr 2016 sowie in den Randzonen der umfangreichen Waldbrandflächen (immerhin 1655 Hektar durch 489 Waldbrände) vermehrt zu finden.

„An den ohnehin in Brandenburg seltenen Fichten hat der Buchdrucker mit mehr als 80 000 Kubikmetern seit mindestens 25 Jahren nicht so große Schadholzmengen verursacht“, verweist Möller auf die Dimensionen. Für den Kupferstecher wurde bis Oktober 2018 eine Schadholzmenge von 2358 Kubikmetern gemeldet, ein seit 2003 nicht erreichtes Niveau. Die von Juni bis Oktober 2018 aufgelaufene Schadholzmenge von 4552 Kubikmetern durch Lärchenborkenkäfer wurde zuletzt nur 2006 übertroffen. Die Schadholzmengen durch die Blauen Kiefernprachtkäfer von fast 16 000 Kubikmetern zeigen einen seit Juni 2018 ähnlich starken Anstieg wie im Käferjahr 2006/2007.

„Gut wäre sowohl für Pflanzen als auch den Insektenbefall feuchtes und nicht zu warmes Wetter. Bei ausreichender Wasserversorgung können Bäume den Befall von sich unter der Rinde entwickelnden Käferlarven abwehren“, betont Möller. Damit der Wald also gut über den nächsten Sommer kommt, brauche es jetzt ausreichend Niederschläge im Frühjahr und im Sommer sowie nicht zu extreme Temperaturen.

Bei den Schädlingen bleibt der Befallsdruck erst mal sehr hoch. „Das enorme Käferpotenzial bei Fichte, Lärche und Kiefer wird sich nur langsam wieder abbauen“, ist sich die Biologin sicher. „Gegen Nonne und Kiefernspinner werden Waldschutzmaßnahmen mit Insektiziden zum Erhalt der Bestände stattfinden müssen.“