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"Wir wollen gehört werden"

Die Schüler erinnern daran, dass in Deutschland vor 25 Jahren die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft trat.
Die Schüler erinnern daran, dass in Deutschland vor 25 Jahren die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft trat. FOTO: mih1
Cottbus. Die Themen? Groß angelegt. Die Planung? Perfekt. Andrea Hilscher

Die Referenten? Hochkarätig. Bei der dritten Kinderkonferenz im Stadthaus liefen die Workshops derart professionell ab, dass erwachsene Gäste nur staunen konnten.

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Holger Kelch stürzten sich die 120 Schüler auf ihre selbst gewählten Themen: Umweltschutz und Kinderrechte, Sicherheit, der Ostsee oder die Ausgestaltung von Schulen. Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) hatte nach Wünschen der Kinder eine Präsentation von Bildern zusammengestellt, die zeigen, wo konkret Umweltschutz in Cottbus gefragt ist. "Aber wir zeigen nicht nur den Schutz der Umwelt, wir zeigen auch den Schutz vor der Umwelt - vor dem Hochwasser", so Bergner.

Ohnehin ist das Thema Umwelt bei den Kindern hoch angesiedelt, wurde in gleich drei Workshops behandelt. Marianne Materna, Kinderbeauftragte der Stadt: "Damit die Ergebnisse der Kinderkonferenz nicht einfach verpuffen, führen wir die Umwelt-Workshops im Rahmen der Umweltwoche zu einem eigenen Forum zusammen." Außerdem, so Materna, werden die Ergebnisse aller Workshops ab dem 1. Juni vier Wochen lang in der Spreegalerie gezeigt. "Die Kinder wollen wahrgenommen und gehört werden. Viele Erwachsene wissen zu wenig über Kinderrechte. "

Im "Klassensprecher"-Workshop lernten die Schüler, welche Rechte ihnen überhaupt zustehen. Larissa Klaus (11) hat den Workshop als Kinderexpertin mit vorbereitet. "Es ist spannend, mal zu hören, was wir alles dürfen und wo unsere Grenzen sind." Um Grenzen ging es auch in der Gesprächsrunde, die sich mit Flüchtlingen beschäftigte. Delreen Omar (11) aus Syrien erzählte ihre eigene Geschichte vom Weggehen und Ankommen. Norah Scharnholz (12) und die anderen Kinder konnten auf ganz neue Art nachfühlen, wie sich ihre neuen Mitschüler wohl fühlen mögen, wenn sie in einer fremden Stadt ein neues Leben beginnen.

Nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen konnten während der Konferenz einiges lernen. Lothar Nagel, Leiter der Regine-Hildebrandt-Grundschule und Referent zum Thema Lernmöglichkeiten: "Es ist erstaunlich, wie sensibel die Kinder ihre Umwelt beobachten und was ihnen auffällt. Für sie ist wichtig, ob jemand Zeit für sie hat, ob sie gerecht behandelt werden. Und sie wünschen sich tatsächlich, dass Politiker oder Leute von der Schulverwaltung öfter in die Schule kommen und mit ihnen reden."

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