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| 18:55 Uhr

"Wir wollen eine neue Farbigkeit, aber keine bunten Fassaden"

Da die Neubauten in der Cottbuser Altstadt in die Jahre gekommen sind, haben sich die Architekten Birgit Wanta und Thomas Woskowski (im kleinen Bild) Gedanken über eine Sanierung gemacht.
Da die Neubauten in der Cottbuser Altstadt in die Jahre gekommen sind, haben sich die Architekten Birgit Wanta und Thomas Woskowski (im kleinen Bild) Gedanken über eine Sanierung gemacht. FOTO: Andrea Hilscher
Cottbus. Wenn Birgit Wanta und Thomas Woskowski über die Neubauten in der Cottbuser Altstadt sprechen, dann fallen erstaunlich häufig Worte wie "Respekt" und "Ehrfurcht". Die Architekten haben, zusammen mit ihrem Kollegen Ulrich Sasse, die Aufgabe bekommen, sich über die künftige Fassadengestaltung der Plattenbauten im Wendischen Viertel, am Altmarkt, in der Mühlen- und der Burgstraße Gedanken zu machen. Andrea Hilscher

Der Auftrag kommt von der Gebäudewirtschaft, dem Besitzer der Objekte. "Sie wurden ab Anfang der 1980-er Jahre bis in die Wendezeit hinein gebaut, kommen jetzt langsam in die Jahre", sagt GWC-Chef Dr. Torsten Kunze. "Wir haben daher eine Architektengruppe gebeten, sich Gedanken um die Sanierung der Fassaden und um energetische Fragen zu machen."

Insgesamt 51 Objekte in der historischen Altstadt gehören zum Typ INB 80 (Innertstädtischer Neubau, 1980 entworfen). Thomas Woskowski kann sich noch gut erinnern, wie diese Neubautypen zu DDR-Zeiten konzipiert und gebaut wurden. "Es war etwas Besonderes, in diesem Maßstab Plattenbauten in den historischen Baubestand ein- und anzupassen", sagt der Architekt. Um dabei den Charakter der Innenstadt zu bewahren, wurde die Größe der Platten deutlich reduziert, die Geschosszahl auf drei bis vier beschränkt und die Dachform den historischen Vorbildern angepasst. "Das Ergebnis konnte und kann sich sehen lassen", so Birgit Wanta. Zudem seien die Grundrisse der INB 80 gut durchdacht gewesen. "Man konnte alle Zimmer wunderbar möblieren, das Wohnen funktionierte."

Den Respekt, den die Architekten vor den DDR-Planungen haben, bringen sie auch ihrer heutigen Aufgabe entgegen. Die Außenansichten der Neubauten sollen saniert und insgesamt freundlicher und farbiger gestaltet werden. "Dabei wollen wir behutsam vorgehen, die Gebäude sollen ihre Würde behalten, die alten Strukturen sollen sichtbar bleiben", erklärt Thomas Woskowski den Grundgedanken des Konzepts. "Würden wir eine Wärmedämmung auf die Fassaden setzen, hätten wir Ansichten, die mit den ursprünglichen Gebäuden nichts mehr zu tun haben", so der Architekt. Der Energiespareffekt dagegen sei kaum nennenswert. "Also schlagen wir vor, an den wirklichen Schwachstellen der INB 80 anzusetzen - den Geschossdecken." Hier könnte effektiv gedämmt werden, ohne den Gesamteindruck der Häuser zu verändern.

Die Fassaden sollen in ihrer Struktur erhalten und sichtbar bleiben, die Fugen werden nachgezeichnet. Um trotzdem insgesamt mehr Farbe ins Stadtbild zu bekommen, sollen die Platten zart lasiert werden. Die Sockel werden ebenfalls farblich gestaltet, die bestehenden Farbvarianten der Fliesen unter den Fenstern werden aufgegriffen und fortgeführt. Die Hauseingänge - bisher durch unschöne Fallrohre und einzeln stehende Briefkästen geprägt - könnten umstrukturiert werden: Eine farblich passende Paneele könnte das Fallrohr verbergen, gleichzeitig Briefkästen, Klingelleiste und beleuchtete Hausnummer aufnehmen. "Das würde freundlicher aussehen und den Charakter der Häuser nicht stören", sagt Birgit Wanta. Auch neue Balkone sind an bestimmten Stellen denkbar.

Die INB 80 stehen im Denkmalbereich, können aber behutsam verändert werden. "Bei einigen wenigen Gebäuden wären auch strukturelle Eingriffe an der Fassade angebracht", erklärt Thomas Woskowski. Bevor aber die Arbeiten überhaupt beginnen können, müssen die Ergebnisse intensiver technischer Prüfungen zum Alterungsprozess von Platten und Stahlbewehrung abgewartet werden. "Dann könnte die GWC unser Farbkonzept in ihre Sanierungspläne aufnehmen und in den kommenden Jahren nach und nach umsetzen", hoffen die Architekten. "Wir freuen uns jedenfalls, dass wir mit unseren Ideen bei der Wohnungswirtschaft auf offene Ohren gestoßen sind."