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"Wir verkaufen Gesundheit am Arbeitsplatz"

Klaus Schmiedchen (73) will dem Geschäft erhalten bleiben, solange es die Gesundheit erlaubt.
Klaus Schmiedchen (73) will dem Geschäft erhalten bleiben, solange es die Gesundheit erlaubt. FOTO: hil
Cottbus. Vor 40 Jahren hat Klaus Schmiedchen die Firma ico Innenprojekt Cottbus gegründet. Beginn einer Erfolgsgeschichte, die nach der Wende abzureißen drohte. Heute steht das Unternehmen auf soliden Füßen – ein Grund zum Feiern. Andrea Hilscher

Glasdurchflutete hohe Räume, stilvolle Atmosphäre, modernstes Mobiliar. Ein Mann mit schlohweißem Haar geht mit prüfendem Blick vorbei an ergonomischen Bürostühlen, höhenverstellbaren Schreibtischen und gediegenen Besprechungsecken. Klaus Schmiedchen ist seit 40 Jahren Geschäftsführer einer Firma, die er zu DDR-Zeiten als VEB gründete, nach der Wende für einen West-Unternehmer leitete, um sie dann zu kaufen und als Familienbetrieb weiterzuführen. Obwohl Klaus Schmiedchen inzwischen 73 Jahre alt ist und das Geschäft bei seinem Sohn Sylvio in besten Händen weiß, kommt er noch täglich in die Firma. "Innendienst", erzählt er lächelnd. Die weiten Geschäftsreisen quer durch Deutschland, die spart er sich heute meistens, die Kundenbetreuung vom Telefon aus aber lässt er sich nicht nehmen. Einziges Zugeständnis an das Alter: "Ich bin nicht mehr morgens um 6 im Büro, bleibe dafür lieber abends etwas länger."

Der gebürtige Schlesier kam 1945 nach Cottbus, lernte Raumausstatter im Möbelkombinat Potsdam, machte seinen Facharbeiter, holte abends nach Feierabend die Mittlere Reife nach und setzte ein Meisterstudium obendrauf.

1976 gründete er den VEB Innenprojekt Cottbus, der zum Beispiel am Schauspielhaus, dem Französischen und Deutschen Dom in Berlin, dem Hotel Bellevue Dresden und in Cottbus am Carl-Thiem-Klinikum, der Bauhochschule, Gebäuden im Stadtzentrum, Kindergärten und Schulen mitwirkte.

"Wir hatten damals nicht die Auswahl und das Material, um alle Wünsche unserer Kunden zu erfüllen", sagt er. Trotzdem sei es auch vor der Wende schon immer sein Ziel gewesen, möglichst viel von dem umzusetzen, was sich die Kundschaft erhoffte. "Insofern hat sich nach der Wende nicht viel geändert. Ich habe auch früher immer schon so gearbeitet, als würde der Betrieb mir gehören."

Nicht die schlechteste Einstellung, doch nach der Wende sollte genau diese Arbeitshaltung für ausgesprochen demütigende Erfahrungen sorgen.

Erniedrigende Gespräche

Der Betrieb wurde von der Treuhand aus dem Kombinat herausgelöst und 1990 privatisiert. "Die Gespräche mit der Treuhand waren erniedrigend und die Jahre '90 bis '92 extrem schwierig." Immer wieder bekam Schmiedchen zu spüren, dass er zwar Firmengründer, nicht aber Firmenbesitzer war. "Wir seien DDR-verseucht, hat man uns vorgeworfen." Mit dieser Begründung wurde ihm ein Kauf der Innenprojekt verweigert. 40 000 Mark hatte er damals geboten, ein West-Unternehmer bekam die Firma für einen Bruchteil des Geldes. Immerhin, Schmiedchen durfte als Geschäftsführer bleiben. "Trotzdem stand ich immer wieder kurz davor, mich mit seinem Sohn selbstständig zu machen. Ich wollte mir nicht ständig über die Schulter gucken lassen."

Als der Kulmbacher Unternehmer sich aus dem Osten zurückziehen wollte, nahm Schmiedchen einen Kredit auf und kaufte "seine" Firma. Heute ist der Kredit weitgehend bedient. "Wenn ich endgültig alle Geschäftsanteile an meinen Sohn übergebe, wird die Firma schuldenfrei sein, mit einer soliden Eigenkapitaldecke."

Anforderungen steigen

Fünf Millionen Jahresumsatz machen er und seine 14 Mitarbeiter. "Alle sind top geschult." Ico verkauft Gesundheit am Arbeitsplatz. Ergonomische Drehbüro-stühle, höhenverstellbare Schreibtische, aber auch komplexe Inneneinrichtungen für Pflegeheime und Alteneinrichtungen. "Hier sind die Anforderungen in den letzten Jahren enorm gestiegen", so der Experte. Arbeitsschutz wird immer wichtiger, auch die Sicherheit der Pflegebedürftigen stellt immer höhere Anforderungen an das Mobiliar. Eine Herausforderung, der Schmiedchen sich stellt.

Genauso wichtig ist ihm aber die Pflege alter Kontakte. "Wenn ich vor 20 Jahren eine Firma beliefert habe, frage ich heute nach, ob wir nicht langsam mal die Einrichtung austauschen wollen. Und wenn ich einen Drehbürostuhl ausgeliefert habe, dann frage ich nach, ob der Kunde zufrieden ist." Damit erhält er sich seinen Kundenstamm, bundesweit und über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Zum Thema:
Die ico Innenprojekt Cottbus GmbH hat heute 14 Mitarbeiter, die zum Teil seit 30 Jahren im Haus arbeiten. Die Firma macht einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro. Zu den Kunden gehören die BTU Cottbus-Senftenberg, Vattenfall, Filmstudio Babelsberg, die britische Botschaft, Forschungseinrichtungen, Feuerwachen oder Strafvollzugsanstalten. Die Firma gehört zu gleichen Teilen Klaus Schmiedchen und seinem Sohn Sylvio.