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| 02:33 Uhr

"Wir spüren überall Blockaden"

Der Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow.
Der Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow. FOTO: ani
Bahnhaltepunkte, Kreisgebietsreform, Umbaupläne für das Kolkwitzer Ärztehauses ... hinter der Großgemeinde liegt ein turbulentes Jahr. Bürgermeister Fritz Handrow blickt zurück und auf kommende Aufgaben in Kolkwitz.

Herr Handrow, die Großgemeinde Kolkwitz macht Schlagzeigen mit Bürger- und Elterninitiativen. Gekämpft wird unter anderem darum, dass der Regionalexpress tagsüber wieder in Kunersdorf und Kolkwitz hält. Seit Ende 2015 fallen viele Halte aus. Haben Sie Hoffnung?
Auch nach der Dialogveranstaltung mit Vertretern des Infrastrukturministeriums, des Landkreises, des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" und der Bürgerinitiative Raddusch im Dezember in unserem Rathaus bleibt das Gefühl, dass die Lausitz abgehängt werden soll. Im März wird der Fahrplan, der ab Dezember 2017 gilt, beschlossen. Wir sind gespannt, ob unsere Haltepunkte dann wieder regelmäßig angefahren werden. Für mich ist es ein Unding, dass unsere Alternativvorschläge keinerlei Berücksichtigung finden. Berufstätige, Studenten, Schüler - alle sind betroffen und eine Stunde mehr am Tag unterwegs. Familien sind mal in unsere Gemeinde gezogen, weil sie mit den Zug gut nach Cottbus und Berlin kommen. Da läuft ein Kuhhandel mit Berlin, an den S-Bahnstationen steigen viele Menschen ein- und aus. Im Gegenzug beobachten wir, wie toll sich das Streckenetz in Sachsen entwickelt.

Was konnte in der Großgemeinde im Vorjahr bewegt werden?
In Eichow haben wir 600 Meter Schotterweg zur Straße ausbauen können. Unsere Kindertagesstätten in Klein Gaglow und Limberg sind moderner, schöner geworden. Auch für die Kita am Klinikum in freier Trägerschaft haben wir die Dachsanierung angeschoben. Der erste Bauabschnitt ist geschafft, der zweite beginnt, sobald es sicher frostfrei ist. Auch unser Kolkwitz-Center, das nun 20 Jahre alt ist, brauchte eine Dachsanierung.

Für den Um- und Ausbau des Kolkwitzer Ärztehauses kam im Sommer der Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro. Wann ist Baustart?
Die Pläne mussten nach den Wünschen einiger Mieter 2016 noch einmal geändert werden. Es wird nicht einfach, bei laufendem Betrieb umzubauen. Deshalb beginnen wir zuerst mit dem Anbau. Im Frühjahr geht es endlich los. Die Fördermittel kommen aus dem LEADER-Programm. Das Ärztehaus mit der Apotheke und den Therapeuten ist wichtig für unsere Bürger. Der Bescheid hat uns wirklich gefreut, sonst gehen die Fördermittel ja meist in die Zentren.

Vieles wird teurer - Sie überraschen die Bürger mit niedrigeren Abwasserpreisen im neuen Jahr. Wie geht das?
Für alle, deren Abwasser über unsere Abwasserkanäle entsorgt wird, sinkt die Gebühr von 4,70 auf 4,13 Euro pro Kubikmeter und für die abflusslosen Sammelgruben von 6,60 auf 5,12 Euro pro Kubikmeter. Das haben wir geschafft, weil wir von Anfang an die Abwasserentsorgung mit vernünftigen Zahlen geplant haben. Zudem fallen die Belastungen durch Kredite und Zinsen weg, weil sie auslaufen. Die LWG Lausitzer Wasser GmbH leistet für uns eine gute Arbeit. Auch das Trinkwasser bleibt stabil bei gleicher Qualität.

Nach der Kreisreform, wie sie sich der Innenminister vorstellt, würde Kolkwitz im neuen Landkreis Niederlausitz liegen - ein Zusammenschluss von Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße und Cottbus. Vorstellbar?
Ein Riesenkreis in einem Land, dessen Maxime heißt, die Starken noch mehr zu stärken. Schon jetzt spüren wir ständig Blockaden, ob wir einen Naturwall als Ersatzmaßnahme für die Windräder in Eichow errichten wollen, um die Bürger besser vorm Lärm der Autobahn zu schützen, oder mit einer weiterführenden Schule in Kolkwitz die Bildungschancen unserer Kinder verbessern wollen. Bisher können durch diese Kreisreform überhaupt keine Ersparnisse nachgewiesen werden. Und wie soll bei diesen Entfernungen ein Kreistag funktionieren? Ich hoffe sehr, dass die Bürger die Kreisreform nicht nur als Verwaltungskram abtun. Sie werden es am Portemonnaie merken. Gerade haben wir im Spree-Neiße-Haushalt eine schwarze Null geschafft - als Riesenkreis fangen wir mit dem Schuldenabbau von vorn an.

Es fragte Annett Igel-Allzeit