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"Wir lassen Tradition nicht sausen"

Die Vertreter der Lausitzer Karnevalsvereine, darunter viele Prinzenpaare, trafen sich Samstag zum Neujahrsempfang. Der ging auch ohne Lausitzer Prinzenpaar über die Bühne.
Die Vertreter der Lausitzer Karnevalsvereine, darunter viele Prinzenpaare, trafen sich Samstag zum Neujahrsempfang. Der ging auch ohne Lausitzer Prinzenpaar über die Bühne. FOTO: Marion Hirche/jul1
Cottbus. Eine lieb gewordene Tradition des Karneval Verbandes Lausitz (KVL) drohte in dieser Session ins Wanken zu geraten: der Neujahrsempfang des Lausitzer Prinzenpaares. Es fand sich kein Paar als oberstes Repräsentanten-Duo. So sprangen die Cottbuser als Gastgeber ein. Marion Hirche / jul1

Mit Unterstützung der Ehrensenatoren des KVL organisierte Ehrensenator Oliver Schneider gemeinsam mit dem Verein Cottbuser Karneval (VCK) in einem Festzelt am Selgros-Großmarkt in Cottbus den traditionellen Neujahrsempfang. "Wir lassen doch die Tradition nicht sausen, wir haben in den Vereinen doch so viele wunderbare Prinzenpaare", betonte Oliver Schneider zur Eröffnung und übergab die Programmhoheit an den VCK-Präsidenten Siegfried Grawunder. Der lud zunächst alle anwesenden Prinzenpaare zum Eröffnungswalzer ein. 15 Prinzenpaare von 20 Karnevalsvereine drehten dabei ihre Runden.

Gelungene Einlagen vom VCK, vom Karneval Verein Kausche und von den Cottbuser Narrenweibern sorgten ebenso für Stimmung wie die DJs der Gastgeber. KVL-Präsident Frank Czepok brachte seine Freude über den schönen Abend zum Ausdruck: "Ich bin stolz, dass der VCK uns das Ja-Wort gegeben hat. Dieses Jahr übernimmt eben das Cottbuser Stadtprinzenpaar, Maria I. und Denny I., die Gastgeberrolle."

Gefragt, warum es so schwer ist, ein Lausitzer Prinzenpaar zu finden, gab der Präsident eine klare Antwort: "Man braucht Geld und Zeit." Auch in den vergangenen zwei Jahren war die Suche nach Lausitzer Majestäten schwer. Stets in buchstäblich letzter Sekunde wurden die Karnevalsrepräsentanten gefunden. So fanden sich in der vergangenen Session Olaf I. und Maike I. Ihre Vorgänger Alexander und Doreen Vogt wurden erst zwei Wochen vor Beginn der Session 2014/2015 gewonnen.

Dabei bezeichnete Alexander Vogt seine Prinzenzeit als eines der größten Abenteuer seines Lebens. "Es war eine tolle Zeit. Wir haben so viele Menschen kennengelernt, so viele Freundschaften geschlossen. Mit Hofmarschall Andreas Beil hatten wir eine super Unterstützung." Er verschwieg aber nicht die Hürden des Amtes. "Es war für uns eine Herausforderung, weil wir zum einen immer eine Betreuung für unsere Kinder finden mussten, um zu den Vereinen fahren zu können. Zum anderen kostet das Lausitzer Prinzenpaar-Leben eine fünfstellige Summe." Das Geld kommt zusammen für die Kleidung, für den Fahrdienst, für die Beköstigung im Tourbus und für die Hofdamen. Der Neujahrsempfang muss gestaltet werden, für den Auftritt beim Zug der fröhlichen Leute müssen Kamelle gekauft werden. Zudem sind die Orden beim Empfang ein großer Posten. "Wir hatten Glück", erklärte Alexander Vogt. "Wir haben viele Freunde, die uns helfen, und Sponsoren, so dass es für uns nicht übermäßig teuer wurde."

Liane Schlicht und Michael Sauer sind das derzeitige Prinzenpaar in Forst-Sacro. "Es ist schade, dass es kein Prinzenpaar der Lausitz gibt. Wir haben viel Spaß, machen schon lange Karneval", sagten sie. Weil es so viel Freude macht, Prinz zu sein, ist Enrico Heimann aus Peitz schon in der vierten Session in diesem Amt in Diebsdorf - allerdings mit wechselnden Prinzessinnen.

Siegfried Grawunder vom VCK verriet, dass für ihn Prinz und Prinzessin die wichtigsten Aushängeschilder des Vereins sind, und dass sie nach Prinzenpaaren nicht nur in den eigenen Reihen schauen, sondern auch beim Tag der Vereine auf die Suche gehen - bisher immer erfolgreich.

Es gibt allerdings auch Vereine ohne Prinzenpaar-Tradition. Die Gaglower haben nie Majestäten und starten am 10. Februar in ihren Veranstaltungsmarathon. "Uns fehlt nichts", betont Präsidentin Kathrin Hauck. Petra Engelmann vom Bagenzer Karneval Club hat es zum Vereinsjubiläum mal wieder mit einem Prinzenpaar versucht. "Wir feiern 22 Jahre. Da wollten wir mal eine Prinzessin haben. Als wir die benannt hatten, hat ihr Mann seine Rechte angemeldet, und so haben wir diese Session ausnahmsweise ein Prinzenpaar." Am 11. Februar feiern die Bagenzer in Haidemühl.

Die Prinzenpaare treffen beim Zug der fröhlichen Leute am 26. Februar in Cottbus wieder aufeinander.

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