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"Wir haben uns zusammengerauft"

Heinrich Gellner, seit 25 Jahren Mitglied im Amtsausschuss.
Heinrich Gellner, seit 25 Jahren Mitglied im Amtsausschuss. FOTO: hil
Peitz. Heinrich Gellner (79) war zu DDR-Zeiten immer auf Distanz gegangen zu allem, was mit Politik zu tun hatte. Nach der Wende aber fand er spannend, was sich alles bewegte und bewegen ließ in seiner Heimatstadt. Andrea Hilscher

Hans Gahler, der damalige CDU-Chef, überredete den damals noch parteilosen Peitzer, sich zur Kommunalwahl 1991 aufstellen zu lassen.

"Wir haben bei den Wahlen die absolute Mehrheit bekommen", erinnert sich Gellner. Er wurde Stadtverordnetenvorsteher, später ehrenamtlicher Bürgermeister und war von Anfang an die Gründung des Amtes Peitz einbezogen. "Wir hätten ja auch Großgemeinde werden können, so wie Kolkwitz, oder aber ganz alleine bleiben." Das Beste aber schien, die Funktion von Peitz als wichtiges Zentrum für die umliegenden Gemeinden zu würdigen und mit ihnen gemeinsam ein Amt zu bilden.

"Der Anfang war schwer", sagt Gellner. "Wir wussten ja gar nicht, wie das geht, so ein Amt. Mussten entscheiden, welche Aufgaben es überhaupt übernehmen soll." Das Personal der neuen Verwaltung musste gesucht, ein möglichst praktischer Amtssitz gefunden werden. "Ich bin heute noch glücklich, dass wir mit der ehemaligen Tuchfabrik ein so repräsentatives Gebäude bekommen haben."

Sich über die neuen Aufgaben des Amtes zu einigen, war schon komplizierter. Wie geht es weiter mit den Schulstandorten? Was wird mit den Feuerwehren? Wer darf überhaupt mitreden im Amtsausschuss? Heinrich Gellner: "Wir haben uns langsam zusammengerauft."

Gebildet wurde der Ausschuss aus Vertretern der Stadt Peitz sowie den Gemeinden Bärenbrück, Drachhausen, Drehnow, Grötsch, Heinersbrück, Maust, Neuendorf, Preilack, Schönhöhe, Tauer und Turnow, die dem am 16. Juli 1992 gegründeten Amt angehörten.

Die Zusammensetzungen des Ausschusses änderten sich in den Folgejahren: Peitz durfte wegen seiner schrumpfenden Einwohnerzahl neben dem Bürgermeister nur noch drei statt vier Mitglieder stellen. Das Amt Jänschwalde wurde aufgelöst und Peitz zugeschlagen. Turnow und Preilack schlossen sich zusammen, die Gemeinde Teichland wurde gegründet.

1999 wurde Guido Odendahl als Nachfolger von Hans Gahler zum Amtsdirektor berufen. Nicht die beste Entscheidung, sagen viele Amtsmitglieder heute. Von den einen als "Lotse in schwierigen Zeiten" gelobt, von vielen als zu lax in seiner Arbeitsauffassung kritisiert.

Heinrich Gellner gehörte zu denen, die versuchten, ein Amtsenthebungsverfahren auf den Weg zu bringen - vergeblich. 2007 jedenfalls wechselte Odendahl ins Bundesumweltministerium, die damalige Bauamtschefin Elvira Hölzner übernahm zunächst kommissarisch das Amt, wurde später vom Amtsausschuss gewählt. "Sie macht ihre Sache ganz ausgezeichnet", lobt Gellner, der 2015 dafür sorgte, dass Hölzner quasi im Handstreich für acht weitere Jahre als Amtsdirektorin bestätigt wurde.

Wenn er zurückblickt auf die vergangenen 25 Jahre, so sieht er vieles, was gelungen ist. "Die Feuerwehren werden alle saniert, den Schulen, die wir noch haben, geht es gut." Schön wäre es, so Gellner, wenn auch die letzten Kitas aus der Gemeindeverwaltung in die Zuständigkeit des Amtes überführt werden könnten. "Das würde viele Entscheidungsprozesse vereinfachen." Ihm selbst machen die Sitzungen auch nach 25 Jahren noch Freuden - meistens, wie er augenzwinkernd zugibt. Immerhin sei das Klima im Amtsausschuss meist sachlich und konstruktiv. "In der Stadtverordnetenversammlung ging es da manchmal rauer zu."

Zum Thema:
Das Amt Peitz feiert am Samstag seinen 25. Geburtstag zünftig am Strand des künftigen Ostsees in der Gemeinde Teichland, am Kiessee in Maust. Das 12. Cottbuser Ostsee-Fest bietet letztmalig die Möglichkeit, auf dem Grund des künftigen Sees unterwegs zu sein (Tag der offenen Baustelle mit der Leag). Um 11 Uhr beginnt ein Triathlon, ab 12 Uhr gibt es Seemannslieder und maritime Unterhaltung. 15 Uhr Auftakt zu den offiziellen Geburtstagsfeierlichkeiten. Es folgen Wettkämpfe der Anliegergemeinden, ein Piratenfest und eine abendliche Sommerparty.