S. Lewis)

Der kommende Sonntag im Osterfestkreis thematisiert das Stichwort "Beten". Er tut es im Imperativ: "Betet!". Bei diesem Stichwort schalten alle gesunden und selbstbestimmten Menschen ab. Beten provoziert den Eindruck, etwas nicht mit allen Konsequenzen durchstehen zu können.

Wer stark genug ist, braucht das Beten nicht. Diese weitverbreitete Ansicht hält dem Leben nicht stand. Spätestens in Krisenzeiten wird mehr gebetet, als wir ahnen.

In den Schützengräben des Ersten Weltkrieges, der vor 100 Jahren begann genauso wie in den Zimmern eines Krankenhauses oder den Verzweiflungsstunden einsamer Menschen in den Wohnburgen unserer Neubaugebiete.

Gebetet wird von Menschen, die sich gar nicht als religiös empfinden. Gebetet wird, weil man sich Erleichterung erhofft oder die Wende des Schicksals. Gebetet wird verzweifelt und auch liturgisch gediegen seit Jahrtausenden in den Gottesdiensten der Kirchen weltweit. Warum beten wir? Clive Staple Lewis (1898 bis 1963), irischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, bekannt durch seine Kinderbuchserie "Die Chroniken von Narnia", die auch verfilmt wurden, hat nach eigenem schmerzhaften intellektuellen Erkenntnisprozess formuliert: "Das Gebet verändert Gott nicht, aber es verändert denjenigen, der betet."

Er hat recht. Wir beten, weil es uns verändert, weil es der Kleinheit unseres Lebens den größeren Horizont gibt, weil es uns an den allmächtigen und barmherzigen Gott erinnert. Denn Gott muss man betend nicht verändern. Er ist und bleibt den Menschen zugewandt. Er muss nicht zum Guten bewegt werden, weil er uns längst gut ist. Unser Leiden durchleidet er mit. Unsere Schmerzen schmerzen ihn. Unsere Freude freut ihn. Gott schlägt nicht mit Schicksalsschlägen, wie wir das mitunter empfinden.

Um mich selbst daran zu erinnern, bete ich. "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." (Psalm 66,20) Unter diesem Psalmwort als Motto feiern wir in unserem Land den kommenden Sonntag. Ob Sie mit dabei sind?

Pfarrer Stefan Süß,

Rektor des Naemi-Wilke-Stiftes

Selbständige Ev.-luth. Kirche