Entsprechend vorsichtig beugte sich die Cottbuserin Kati Sprigode zu einem Vogel hinunter, der einsam, irritiert und etwas benommen vor ihr auf dem Weg saß.

Auch Andreas Jäkel, Sachbearbeiter der Unteren Naturschutzbehörde in Cottbus, hat in diesem Herbst schon mindesten zwölf Wintergoldhähnchen an einer Stelle gefunden - "Sie waren leider alle tot. Sie kommen mit unseren großen Fenstern und Glasfassaden nicht klar und fliegen oft dagegen, viele der Vögel überleben das nicht", erklärt Jäkel.

Wintergoldhähnchen sind Teilzieher. Nur die Vögel, die in den Nadelwäldern des hohen Nordens brüten, verlassen im Winter vollständig ihre Brutgebiete. Vögel aus Finnland könnten es zum Beispiel sein, die zwischen August bis Anfang Dezember südwestlich nach Deutschland, Belgien, Holland oder Frankreich ziehen.

Kati Sprigode hat sich in ihrer Not an die Tierauffangstation in Cottbus-Skadow gewandt. Auch die Veterinärmedizinerin Simone Schmidt, die sie dort erreichte, erzählte von vielen Hinweisen auf verunglückte Wintergoldhähnchen in diesem Jahr. Sie vermutet, dass das etwas mit den Solaranlagen, die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, und mit veränderten Magnetfeldern, nach denen sich die Zugvögel richten, zu tun haben könnte. "Das müsste unbedingt untersucht werden", sagt sie. Jäkel hat eher die Glasfassaden im Verdacht. "Wir haben inzwischen mehrere solcher Gebäude in Cottbus, und ich befürchte, dass dort in den frühen Morgenstunden in der Zeit der Vogelflüge öfter tote Vögel zu finden sind. Die Glasscheiben zu bekleben, helfe leider nur wenig gegen dieses Phänomen", sagt Jäkel. Die kleinen Vögel sehen dann immer noch Möglichkeiten, dort durchzufliegen.

Wenn die Vögel nur leicht verletzt sind, könnten die Cottbuser noch etwas tun: Der Vogel braucht jetzt eine geschützte Ecke. Einen Karton zum Beispiel. "Dort setzt man ihn hinein, so dass Katzen oder andere Tiere nicht herankommen. Hebt man nach einer Stunde den Deckel hoch, und der Vogel fliegt weg, ist alles gut. Erholt sich der kleine Gast in dieser Zeit nicht, kann in der Regel auch ein Tierarzt nichts mehr für ihn tun", sagt Andreas Jäkel. Bei Kati Sprigode hat der Vogel überlebt.