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| 01:32 Uhr

Windenergie vom Dach

Hauswindkraftanlage und Solarkollektoren bilden die Basis der Energieinsel.
Hauswindkraftanlage und Solarkollektoren bilden die Basis der Energieinsel. FOTO: rur1
Cottbus. Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) hat eine Energieinsel aufgebaut. Sichtbar wird sie durch die auf einem Lehrgebäude aufgesetzte neuartige Windkraftanlage, die mit Solaranlagen gekoppelt ist. Von Ronald Ufer

Die zehn Meter hohe Anlage mit dem futuristischen Flügel ist ein Prototyp mit drei Kilowatt Leistung der Firma Dethloff & Lange GmbH. "Das Gerät erzeugt schon bei einer Windgeschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde Strom", erläutert Geschäftsführer Rudolf Lange. "Die Durchschnittswindgeschwindigkeit in Deutschland beträgt fünf bis sechs Meter pro Sekunde. Dann erzeugen wir 600 bis 700 Watt. Der Bedarf eines Einfamilienhauses liegt die meiste Zeit bei 500 Watt."

Die Anlage ist zur Eigenversorgung von Haushalten gedacht und wurde in Cottbus erstmals auf einem Dach aufgestellt. Das Prinzip des Spiralflügels wurde für den neuen Zweck modifiziert, um fast ohne Geräusche auch geringe Windstärken zu nutzen.

In Cottbus werden Laufeigenschaften, Energieausbeute sowie Schwingungen und deren Wirkung auf das Gebäude untersucht. "Erste Tests ergaben keine negativen Einflüsse", sagt Herbert Ristau, Leiter des BTU-Technikums.

Der Prototyp ermöglicht es den Wissenschaftlern, die Forschungen zur dezentralen Energieversorgung und zum Management solcher Systeme zu erweitern. Die Windmühle wird dafür zusammen mit einer festen Solaranlage und einer zweiten betrieben, die automatisch nach dem Sonnenstand ausgerichtet wird. Fotovoltaik-Röhren- und Flachkollektoren wurden parallel aufgebaut, um Vorteile und Grenzen der Systeme zu testen.

Die Anlagen auf dem Dach bilden mit weiteren Komponenten im Haus eine vom Stromnetz abgekoppelte "Energieinsel". Im Gebäude befinden sich neben den Steuerungen auch Technik zur Wasserstoffgewinnung. Diese wird aktiviert, wenn mehr Strom erzeugt als gebraucht wird.

"Wasserstoff kann vor Ort gespeichert und zur Energiegewinnung genutzt werden, wenn Windkraft- und Solaranlagen weniger Strom als nötig produzieren", erläutert Herbert Ristau. Großanlagen könnten den Brennstoff in Erdgasleitungen einspeisen oder Tankwagen füllen.

Die Wasserstoffgewinnung ist gemeinsam mit Energiemanagementsystemen für die Forscher der Schlüssel dafür, dezentrale Systeme zur Gewinnung regenerativer Energien mit hoher Versorgungssicherheit aufzubauen. Großanlagen könnten auch Grund- und Mittellastkraftwerke durch die Wasserstoffnutzung überflüssig machen.

Bei Prenzlau wollen Cottbuser Forscher mit Total, Vattenfall und anderen Firmen eine große "Versuchsinsel" aus drei leistungsstarken Windrädern, Solarkollektoren, Biomasseanlage und Wasserstofferzeugung aufbauen.

Parallel wird die Hauswindkraftanlage verbessert. Eine Version mit fünf Kilowatt Leistung, die kleinere Werkstätten oder Gewerbeeinheiten versorgen könnte, ist angedacht. Der Flügel aus glasfaserverstärktem Kunststoff könnte mit Hilfe von BTU-Materialforschern durch eine Ausführung aus Metall ergänzt werden. Mühle und Energieinsel stoßen über Deutschland hinaus auf Interesse. Sie sollen in Entwicklungsländern und Flächenstaaten die Stromversorgung im ländlichen Raum verbessern. Interesse meldete kürzlich bereits die Botschafterin von El Salvador, Anita Escher, bei einer Visite in der Universität an.