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| 01:02 Uhr

Willi Budich

Wohl kein anderer Cottbuser verkörpert solch ein Schicksal zwischen revolutionärem Aufbruch und militaristischem, faschistischem und schließlich stalinistischem Terror. Der am 16.

April vor 115 Jahren in Cottbus geborene Willi Budich wurde Maschinenschlosser und arbeitete als Techniker in Berlin. Als Kanonier zog er in den Ersten Weltkrieg, wurde mehrfach verwundet, lernte den Krieg hassen, was ihn 1918 zum Mitgründer des Spartakusbundes werden ließ. Im gleichen Jahr wurde er Leiter des Roten Soldatenbundes. Bei einer Demonstration 1918 durch Schüsse des Militärs der Maikäfer-Kaserne schwer verwundet, wurde der vor der Verhaftung Stehende nach München zur Genesung gebracht.
Kaum erholt, beteiligte er sich als Mitglied des Vollzugsrates der Bayrischen Räterepublik, wurde verhaftet und in Berlin eingekerkert. Dem wegen Hochverrat Angeklagten gelang die Flucht nach Sowjetrussland, wo er in der Internationalen Roten Hilfe Moskau und im Büro der Komintern arbeitete. 1924 wurde er Direktor der ersten sowjetischen Handelsvertretung in Wien. Nach Aufhebung der Hochverratsanklage kehrte er 1927 nach Deutschland zurück und wurde Leiter der Geschäftsabteilung der KPD-Zentrale Berlin. 1932 in den Reichstag gewählt, wurde er bei einem Tumult im Parlament von Nazis schwer verwundet (gehbehindert) und 1933 in einem Sturmlokal der SA zum Krüppel geschlagen (seh- und hörbehindert). Erneut halfen ihm Gesinnungsgefährten zur Flucht in die Sowjetunion.
Unter der Beschuldigung, mit der Gestapo zusammengearbeitet und Spionage betrieben zu haben, wurde er 1936 verhaftet, 1938 zum Tode verurteilt und am gleichen Tage erschossen. 1955 rehabilitierte ihn das Oberste Gericht der UdSSR.
In seiner Heimatstadt wurde 1990 eine Straße in Neu-Schmellwitz nach Willi Budich benannt. (hhk)