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| 18:54 Uhr

Ungebetener Besuch
Wildschweine wühlen auf Friedhof

 Immer wieder werden auf dem Cottbuser Südfriedhof einzelne Gräber von Wildschweinen verwüstet.
Immer wieder werden auf dem Cottbuser Südfriedhof einzelne Gräber von Wildschweinen verwüstet. FOTO: Reinhard Kliemann
Cottbus. Wildschweine haben erneut Gräber auf dem Cottbuser Südfriedhof durchwühlt. Angehörige sind verärgert über die „massive Verwüstung“ Die Stadt ist mit Jägern im Gespräch. Doch eine Abwehr ist nicht einfach. Von Silke Halpick

Durch die Gräber „von rechts nach links“ haben sich die Wildschweine gearbeitet, erzählt Cornelia Kolpietz. Die Cottbuserin hat mehrere Gräber von Angehörigen auf dem Südfriedhof zu pflegen, auch das ihres verstorbenen Mannes. Hinter der Trauerhalle liegen diese. „Dort ist fast jedes zweite Grab betroffen“, berichtet sie.

Schon Anfang September gab es Beschwerden über Wildschweinschäden. „Wir kennen das Problem und arbeiten an einer Lösung“, sagt Jan Gloßmann, Pressesprecher der Stadt. Auch mit Jägern sei man bereits im Gespräch. Die sollen jetzt verstärkt auf Jagd beispielsweise in den Madlower Schluchten, im Eichenpark und in dem Bereich bis an die Spree gehen, wie Mario Wotschka von der Unteren Jagdbehörde erklärt.

Cottbuser Südfriedhof ist eine jagdfreie Zone

„Einfach wird das nicht“, räumt Wotschka ein. Denn in diesen Bereichen sind auch viele Fahrradfahrer, Hundebesitzer oder Spaziergänger unterwegs – selbst in den Abendstunden. „Manche sogar mit Stirnlampen auf dem Kopf“, erzählt er. Das erschwere die Arbeit der Jäger, die in den späten Abend- und frühen Morgenstunden unterwegs sind. „Hier geht die Sicherheit der Menschen vor“, betont er.

Auf dem Schauplatz der Verwüstung selbst darf überhaupt nicht gejagt werden. Der Südfriedhof gilt als befriedeter Bereich und ist damit auch eine jagdfreie Zone. Hier werden vonseiten der Stadt die Löcher im Zaun regelmäßig ausgebessert und Vergrämungsmittel eingesetzt, wie Gloßmann berichtet. Auch die Anschläge an den Türen sind gewechselt worden, damit sich diese nur noch von innen nach außen öffnen lassen.

Friedhöfe sind ein „Schlaraffenland“ für Wildschweine

Von bis zu zehn Tieren, die nicht regelmäßig, aber „immer mal wieder“ den Südfriedhof heimsuchen, geht Wotschka aus. Möglicherweise handelt es sich auch um zwei Rotten oder aber um eine große, die sich aufteilt. Angezogen werden sie vom Nahrungsangebot.

„Unter der Grasnarbe befindet sich viel Eiweiß in Form von Würmern und Schnecken“, erklärt Wotschka. Bewässerte Friedhöfe, aber auch Sportplätze oder Grünflächen seien aktuell ein „Schlaraffenland“ für Wildschweine, weil in den hiesigen Wäldern die Feuchtigkeit fehlt.

Abhilfe könnte auch eine Mauer rund um den Südfriedhof herum schaffen, wie Gloßmann sagt. Allerdings sind solche Bauvorhaben zeitaufwendig mit Vorplanung, Ausschreibungen und Vergabe. Die Kosten würden sich letztlich auch auf die Friedhofsgebühren niederschlagen, wie Gloßmann einräumt.

Richtig Angst vor Wildschweinen

„Wir zahlen ja jetzt schon viel“, sagt Cornelia Kobietz. An Wildtiere auf dem Friedhof sei sie ja bereits gewöhnt. So fressen Rehe die Blumen ab, auch Hasen und Eichhörnchen gehören zu den regelmäßigen Gästen auf dem Areal.

Doch mittlerweile hat die Cottbuserin „richtig Angst“, nicht vor den Wildschweinen selbst, aber vor den Folgen des tierischen Besuchs.

„Vor allem die älteren Besucher sind oft tief entsetzt, manche weinen sogar beim Anblick der verwüsteten Gräber“, berichtet sie.

Cottbuser sollten bei Wildschweinen vorsichtig sein

Trotzdem sollten Friedhofsbesucher aktuell vorsichtig sein, wie Gloßmann sagt. Eine Begegnung mit Wildschweinen vor allem in den Stunden der Dämmerung könne nicht ausgeschlossen werden, nicht nur auf dem Südfriedhof, sondern auch in den Wäldern um Cottbus herum. Dann sollten sich Betroffene an den allgemeinen Verhaltensregeln orientieren.

Von Experten wird empfohlen, sich langsam zurückzuziehen und dem Tier nicht den Weg abzuschneiden. Auch wegrennen sei ein Fehler. Möglichst auf einen Hochstand zu klettern, wird geraten. Wenn das Wildschwein lautstark durch die Nase schnaubt, steht ein Angriff kurz bevor. In diesem Fall soll man sich groß machen und in die Hände klatschen, um das Tier nach Möglichkeit zu vertreiben.

 Wildschweine suchen immer wieder auch den Cottbuser Südfriedhof heim. Experten gehen von bis zu zehn Tieren aus.
Wildschweine suchen immer wieder auch den Cottbuser Südfriedhof heim. Experten gehen von bis zu zehn Tieren aus. FOTO: dpa / Lino Mirgeler