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Wildschweine buddeln in Gallinchen

Die Wildschweine kommen den Gallinchenern immer näher: Bis an die Gartenzäune heran haben sie nach Engerlingen und Schnecken gebuddelt, zeigt Jutta Malaszkiewicz.
Die Wildschweine kommen den Gallinchenern immer näher: Bis an die Gartenzäune heran haben sie nach Engerlingen und Schnecken gebuddelt, zeigt Jutta Malaszkiewicz. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus-Gallinchen. Die Wildschweine pflügen derzeit wieder Wiesen, Wegränder und Sportplätze um. Sie suchen Engerlinge, Schnecken und Regenwürmer, um ihre Eiweißreserven aufzutanken. Einigen Grundstücken in Gallinchen kamen sie dabei bedenklich nahe. Annett Igel-Allzeit

Es dauert ein wenig, bis sich der Morgennebel verzieht. Jutta Malaszkiewicz lässt ihre Gartenarbeit liegen, um zur Wiese hinter ihrem Garten zu führen. Aus dem Wäldchen muss die Wildschweinrotte in der Nacht vom Sonntag zum Montag gekommen sein. Die tiefen Wühlspuren verteilen sich auf der gesamten Wiese, aber besonders eifrig waren die Schwarzkittel unmittelbar vor den Gärten der Grundstücke. "Wir haben nun doch Angst, dass sie unsere Zäune hochdrücken und plötzlich im Garten stehen", sagt Jutta Malaszkiewicz.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Wildschweine so nah zu den Gallinchener Grundstücken bewegen, "Aber so schlimm wie diesmal sah es hier noch nicht aus", sagt Jutta Malaszkiewicz. Beim Friseur vorn an der Ecke sollen sich einige Nachbarn schon Haare geholt haben. Der Geruch nach Mensch könne die Schwarzkittel vertreiben.

"Das kann man probieren, aber selten genügt das. Gerade jetzt in der feuchten Jahreszeit werden die Haare bald nass, und der menschliche Geruch ist dann schnell weg", sagt Mario Wotschka von der Unteren Jagdbehörde Cottbus. Er kennt das Problem seit Jahren. "Wenn die Felder abgeerntet sind, versuchen die Wildschweine ihre Eiweißreserven aufzutanken. Nach Schnecken, Engerlingen und sogar Mäusen buddeln sie. Und wenn es jetzt noch dazu so feucht ist, kommen die Würmer auch gern an die Oberfläche." Dass die Wildschweine aber in Cottbus so sehr wilde Sau spielen wie nach Berichten aus Sachsen oder Berlin, davon hat Mario Wotschka noch nicht gehört. In Sandow an den Bahngleisen gab es mal ein Problem mit Wildschweinen, aber das konnte gelöst werden. In Gallinchen und im benachbarten Groß Gaglow sind ein paar Jäger unterwegs - allerdings ist die Jagd so nahe an Wohnbereichen, die als befriedet gelten, schwierig. Und die Rotte schon im Wald oder Feld zu erlegen, ist angesichts der dunklen und nebligen Nächte auch nahezu unmöglich. Klare Nächte mit Vollmond versprechen mehr Erfolg. Aber von einer Plage kann Wotschka in Cottbus nicht sprechen.

Einige Tipps haben sich inzwischen für Bürger bewährt: So werden zum Beispiel stark stinkende Vergräm-Mittel angeboten. "Am besten funktionieren sie in flüssiger Form. Kleine Baumwolllappen kann man gut darin tränken und sie dann in zwei, drei Metern Abstand am Zaun aufhängen und bei Bedarf erneuern", schlägt Mario Wotschka vor. Auf keinen Fall sollte man die Wildschweine anfüttern und deshalb auch keine Gartenabfälle und Mülltonnen in solchen Bereichen stehen lassen. Wildschweine haben ausgezeichnete Nasen. Und den Zaun so hoch und sicher zu bauen, dass die Wildschweine nicht hinein und der Hund nicht hinauskommen, liege in der Verantwortung der Bürger. "Sobald sie ihren Eiweißbedarf gedeckt haben, bleiben die Wildschweine auch wieder weg", sagt Wot schka.