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| 17:47 Uhr

Schul-Serie
Mit den Humboldts auf Wissensreise

Auch die Klasse 8c des Gymnasiums besucht die Schule, um im Geiste der Humboldt-Brüder die eigenen Horizonte zu erweitern.
Auch die Klasse 8c des Gymnasiums besucht die Schule, um im Geiste der Humboldt-Brüder die eigenen Horizonte zu erweitern. FOTO: Jenny Theiler / LR
Cottbus. Leichhardt, Blechen, Pestalozzi – zahlreiche Personen zieren die Namen von Cottbuser Schulen. Doch spiegelt sich das auch im Schulalltag wider, fragt die RUNDSCHAU in einer Serie. Heute haben wir geschaut, wieviel Humboldt im Cottbuser Gymnasium steckt. Von Jenny Theiler

Der humanistische Leitgedanke einer ganzheitlichen Ausbildung prägt die Schultradition des Cottbuser Humboldt-Gymnasiums seit 23 Jahren. Mit der Entscheidung, das Neu Schmellwitzer Gymnasium 1995 nach einem der bedeutendsten Brüderpaare der Neuzeit zu benennen, weigert sich die Schule nur eine einzige Fachrichtung zu repräsentieren. Gleichzeitig kollidiert der Name Humboldt unabsichtlich mit der Maßgabe regionaler Schulnamensträger, denn die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt stammen aus Berlin.

„Anfang der 90er Jahre sollten alle nummerierten Cottbuser Schulen einen menschlichen Namensgeber erhalten“, erinnert sich Schulleiter Jürgen Wagner. Idealerweise wünschte sich die Stadt bei der Namenswahl Persönlichkeiten, deren Wirkungsgebiet oder Herkunftsort die Lausitz war. In Verbindung mit dem Namen steht jedoch auch immer eine bestimmte Fachrichtung, mit der sich die Schule identifizieren sollte. „Im Sinne des humanistischen Bildungsprinzips, wollten wir uns aber nicht festlegen, sondern für alle Wissensgebiete offen bleiben“, erklärt Jürgen Wagner. Durch das engagierte Mitwirken der Schüler und Lehrer konnte die Stadt vom humboldtschen Namenskonzept schnell überzeugt werden. Die offizielle Einweihung des Humboldt-Gymnasiums erfolgt am 30. August 1995.

Das wohl bedeutendste Alleinstellungsmerkmal der weiterführenden Schule ist das bilinguale Unterrichtsangebot. In Anlehnung an den sprachgewandten Wilhelm von Humboldt bietet die Schule nicht nur Französisch, Polnisch, Spanisch und Latein, sondern auch Geschichtsunterricht in englischer Sprache an. Das Sprachangebot steht hierbei auch symbolisch für das humanistische Toleranzprinzip gegenüber anderen Nationen und Kulturen. „Durch die Austauschprojekte, die wir regelmäßig in der Schule haben, lernen wir andere Sprachen und Kulturen erst richtig kennen“, erklärt die Zwölftklässlerin Luise Bartsch. Im vergangenen Jahr lernten am Humboldt-Gymnasium neun Gastschüler unter anderem aus Argentinien, Frankreich, Japan und Polen. Derzeit gibt es keine Gastschüler. „Stattdessen konnten wir aber in diesem Schuljahr elf Schüler mit Migrationshintergrund in die Regelklassen eingliedern“, erklärt Schulleiter Jürgen Wagner.

Das Schulmotto „Lernen heißt Horizonte erweitern und Chancen nutzen“ schließt auch das naturwissenschaftliche Lebenswerk Alexander von Humboldts mit ein. Die Teilnahme an internationalen Wissenschaftsolympiaden wie Physik, Chemie oder Biologie ist längst fester Bestandteil der regelmäßigen Schulprojekte. Seit 2003 trägt die Schule den Titel Europaschule und gehört zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Die aktive Auseinandersetzung mit den Humboldt-Brüdern haben die derzeitigen Zwölftklässler bereits in der siebten Klasse erfahren. „Am ersten Schultag war ein Schüler als Alexander von Humboldt verkleidet. Wir haben uns Landkarten angesehen und darüber gesprochen wie sie sich nach Humboldts Zeiten entwickelt haben“, erinnert sich Carolin Höpfner.

Im Laufe der letzten Jahre sei die Beschäftigung mit dem Leben und Wirken der beiden Namensgeber allerdings etwas eingeschlafen, wie auch Schulleiter Jürgen Wagner bedauert. „Anfangs haben wir die Humboldt-Kompetenztage sehr straff in das Schuljahr mit eingebaut, aber mittlerweile ist für derartige Prozesse der Selbstfindung nicht mehr so viel Zeit“, räumt der Schulleiter ein. Das fehlende 13. Schuljahr und der straffe Lehrplan würden dafür sorgen, dass nur noch wenig Spielraum für zusätzliche Projekte im Unterricht gegeben sei. Dies scheint dem Schulansehen jedoch keinen Abbruch zu tun, denn ein Blick auf den Unterrichtsplan und das gesellschaftliche Schulengagement zeigen die Allgegenwärtigkeit  der humboldtschen Erziehung in der Neu Schmellwitzer Schule und die stetige Bemühung ein engstirniges Fachidiotentum durch vielseitige Wissensreisen zu bekämpfen.

Das Humboldt-Gymnasium in Neu Schmellwitz.
Das Humboldt-Gymnasium in Neu Schmellwitz. FOTO: Michael Helbig/mih1