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Wie Waschbär und Reh verblasen werden

Die Jagdhornbläser Vorspreewald probt jeden Montag ab 19 Uhr in Papitz. Sie wollen im nächsten Jahr mit befreundeten Gruppen ihr 20. Jubiläum feiern.
Die Jagdhornbläser Vorspreewald probt jeden Montag ab 19 Uhr in Papitz. Sie wollen im nächsten Jahr mit befreundeten Gruppen ihr 20. Jubiläum feiern. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Papitz. Das Jagdsignal "Die Sau ist tot" schallt durchs Gemeindehaus der Papitzer Kirche. Auch Damwild wurde in den vergangenen Tagen zur Strecke gebracht, ein Marderhund, zwei Rehe, vier Waschbären. Bevor die Jagdhornbläser Vorspreewald für die Hubertusmessen proben, werden die Tiere würdig verblasen. Annett Igel-Allzeit

Besonders schwungvoll klingt das Signal "Der Waschbär ist tot". Ob man viel Schwung braucht, um den putzigen Kerl, der zur Plage wird, zu jagen? Ulrich Schmoger, organisatorischer Leiter der Bläsergruppe, schmunzelt und erklärt: "Es ist noch nicht lange her, dass wir das Signal für den Waschbären erstmals heraussuchen mussten. Vielleicht klingt es deshalb noch so frisch." Der Probenraum füllt sich schnell - die Bläser kommen aus Cottbus, Sielow, Striesow, Babow, Dissen, Schenkendöbern, Fehrow, Papitz. Es sind keine zwei Wochen mehr bis zur ersten Hubertusmesse in Greifenhain.

Von der Trompete zum Horn

Kay Worrack schiebt eine Platte voller Weißbrotstullen auf den Tisch - mit Wildschweinleberwurst, Hirschschinken und Petersilie belegt. Er hat seinen 42. Geburtstag gefeiert und gehört in der Bläsergruppe zu den jungen Spunten. "Als Jugendlicher hatte ich Trompete in einem Posaunenchor gespielt, aber mich doch für den Sport entschieden und keine Zeit mehr fürs Instrument gehabt", erzählt Kay Worrack. Inzwischen besucht er mit seiner Trompete wieder die Musikschule und konnte als Jäger nicht Nein sagen, als die Vorspreewald-Jagdhornbläser ihn fragten. "Das Jagdhorn mit Ventil funktioniert schließlich wie die Trompete", erklärt Wolfgang Hackfurth, musikalischer Leiter der Gruppe.

Hackfurth ist ein strenger Trainer - "Ihr habt alle eure Fehler!" Er lässt die Gruppe lieber ein Stück dreimal blasen, als lange über Tatsachen wie die Leisheit von "ppp" oder ein "fortepiano" im Notenblatt zu diskutieren. Neun Männer und drei Frauen hatte er um sich: Der Älteste ist über 80, der Jüngste 25.

Dass Blasen jung hält, beweist Hubertine Grubert (75), die ihren Vornamen der Geburt am Hubertustag verdankt. Zu jeder Probe bringt sie aus Illmersdorf einen Witz aus Wald, Jagd und Heide mit. Derzeit schlägt sie sich die Nächte um die Ohren: Sie hört die Schwarzkittel, die Nächte sind aber zu dunkel, um sie zu erlegen. Sie bläst seit 40 Jahren Horn, lebte viele Jahre nahe der Hansestadt Wesel. Ihr erstes Wildschwein hat sie in der Lausitz erlegt und ist nach dem guten Treffer erst einmal weggelaufen. Sie kann wunderbar erzählen - aber Wolfgang Hackfurth bittet um Aufmerksamkeit und setzt sein Oktavhorn an die Lippen. Die "Hegewaldfanfare", "Gloria", der "Hubertusmarsch", "Die Glocken", "Die Himmel rühmen" und schließlich der "Jägerchor" aus Webers Oper "Der Freischütz", der wohl noch gegen "Ich schieß den Hirsch" ausgetauscht wird. Das entscheidet die Kondition vorm Auftritt. Zwischendurch wird ein "Horrido" gesungen und Adolf Karl Reschke, einer von drei Nichtjägern in der Gruppe, erzählt, dass er nun seine Jägerprüfung absolviert.

Aus Scham gegründet

Gegründet haben sich die Jagdhornbläser Vorspreewald, 1997 aus Scham. Befreundete Jäger aus Herten im Kreis Recklinghausen kamen 1992 zur Bockjagd in den Vorspreewald. Mehrere Rehe wurden erlegt, aber totgeblasen werden konnten sie erst zum Gegenbesuch in Recklinghausen von den Hornisten dort. Fünf Jahre dauerte es noch, bis sich die Gruppe in der Papitzer Kirchgemeinde gründete. Dieser Raum wird gerade renoviert. Er wird wohl pünktlich vorm 20. Jubiläum im nächsten Jahr wieder bezogen werden können.

Die Hubertusmessen am 30. Oktober in der Kirche Greifenhain und am 6. November in der Kirche Briesen beginnen um 17 Uhr. Das Streckelegen auf dem Papitzer Sportplatz nach der Jagd am 5. November startet 13 Uhr.