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| 19:11 Uhr

Investitionen
Wenn Leitungen in Stress geraten

 Bei kaltem Novemberwetter haben LWG-Mitarbeiter in der Nacht an der Sanierung einer Trinkwasserhauptleitung An der Pastoa gearbeitet. Instandsetzungen werden in Zukunft öfter in den Winter fallen.
Bei kaltem Novemberwetter haben LWG-Mitarbeiter in der Nacht an der Sanierung einer Trinkwasserhauptleitung An der Pastoa gearbeitet. Instandsetzungen werden in Zukunft öfter in den Winter fallen. FOTO: LWG
Cottbus. Wie sich die Lausitzer Wasser GmbH für den Klimawandel rüstet. Von Peggy Kompalla

Für die LWG Lausitzer Wasser GmbH war 2018 ein herausragendes Jahr. Das erklärt der Technische Geschäftsführer Marten Eger im Umweltausschuss. Ab April lagen die Temperaturen weit über dem Mittel der Vorjahre, gleichzeitig blieb der Regen aus. Damit stieg der Trinkwasserverbrauch in der Stadt um fünf, im ländlichen Raum sogar um 20 Prozent. Eigentlich sind das gute Nachrichten für das Unternehmen. Doch der Klimawandel stellt den Wasserversorger auch vor neue Herausforderungen.

So hat das Dürrejahr 2018 die Leitungen ordentlich gestresst, wie es der Technische Geschäftsführer formuliert. „Ab 19 Uhr ist der Verbrauch um das neun- bis zehnfache gestiegen“, sagt Eger. Durch diese extremen Spitzen steige die Fließgeschwindigkeit abrupt. Das belaste nicht nur die Systeme, sondern habe auch einen ungewünschten Nebeneffekt. Die Ablagerungen in den Rohren werden ausgespült. Der LWG-Bereitschaftsdienst sei daher ab dem Frühjahr ständig im Einsatz gewesen, um die Kanäle zu spülen. „Deshalb haben wir uns vorsorglich für flächendeckende Spülungen im Stadtgebiet entschieden“, erklärt Marten Eger. Zweimal sei das Rohrnetz 2018 durchgepumpt worden. Die Arbeiten fanden nachts statt. „Das haben wir 2019 auch geplant“, urteilt der Chef.

Damit nicht genug. Die LWG müsse zügiger als nach dem alten Investitionsplan ihr Trinkwassernetz erneuern. Demnach wird das Unternehmen in diesem Jahr fast drei Millionen Euro in die Modernisierung des Netzes investieren. Allein zwei Millionen Euro sollen für die Erneuerung von Leitungen ausgegeben werden. 400 000 Euro sind demnach für den Hochbehälter in Ressen geplant und 130 000 Euro für Instandsetzungsarbeiten am Wasserwerk in Sachsendorf.

Durch die lang anhaltende Hitze habe das Wasser in den Leitungen teils Temperaturen von 20 Grad Celsius erreicht. Es war also doppelt so warm wie im Normalfall. Hohe Temperaturen bedeuten auch eine Zunahme von Keimen. Deshalb seien verstärkte Kontrollen nötig.

Die LWG ist laut dem Technischen Geschäftsführer gut durch das vergangene Jahr gekommen, trotz aller Stressfaktoren. Die hohe Abnahme konnte das Unternehmen auch deshalb so gut managen, weil seine Anlagen aus DDR-Zeiten so groß dimensioniert sind. Wachstumsregionen wie Berlin und Potsdam seien dagegen an ihre Grenzen geraten.

Eine Lehre aus dem vergangenen Jahr ist Marten Eger zufolge auch, dass die Instandsetzungen künftig auf die Winterzeit gelegt werden. Zum einen seien dann Baufirmen besser zu binden, zum anderen sei die Belastung des Netzes durch den niedrigeren Verbrauch geringer. „Wir legen uns auch mehr Reserven hin“, erklärt Eger. Das betreffe Ersatzteile. Darüber hinaus bilde die LWG mit Versorgern aus den Nachbarregionen eine Art Reparatur-Verbund.

Klimawandel bedeutet aber nicht nur Hitze und Dürre, sondern auch eine Zunahme von Starkregen und Stürmen. Auch dafür rüstet sich die LWG: Be- und Entlüftungsschächte sowie die Brunnen sind mit Wasserstandskontrollen ausgestattet; die Wasserwerke und Druckerhöhungsstationen mit Notstromaggregaten.