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| 01:06 Uhr

Wie offen ist das Energie-Stadion für Polen?

Beleuchtet: Bereits 2002, als die Osttribüne noch wuchs, meldete die EU Bedenken zur Förderfähigkeit an. Seitdem wird geprüft und geprüft.
Beleuchtet: Bereits 2002, als die Osttribüne noch wuchs, meldete die EU Bedenken zur Förderfähigkeit an. Seitdem wird geprüft und geprüft. FOTO: Behnke
Die Europäische Union droht nun auch offiziell mit Rückforderung der Neun-Millionen-Euro-Förderung für die Osttribüne im Cottbuser Energie-Stadion. Wie die EU-Kommission auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilte, erwäge sie „Schritte zur Rückforderung“ , falls die „Umsetzung des Nutzungskonzeptes“ nicht deutlich erkennbar sei. Während sich die Brüsseler Behörde aber nicht konkret festlegen will, steht schon die Schuldfrage im Raum. Von Klaus Wieschemeyer

Der Cottbuser Stadtsprecher Peter Lewandrowski fühlt seine Verwaltung unverstanden: Da forderte alle Welt jahrelang eine ordentliche Tribüne für das Energie-Stadion. Dann handelt die Stadt, sorgt sich um die Zuschüsse, baut eine Tribüne, groß und schön und überdacht. Eigentlich müssten alle zufrieden sein. Und dann geht das Gemecker wieder los. Anfang Dezember versteht Lewandrowski die Welt nicht mehr.
Ebenso wie Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD): Bei einer Euregio-Tagung im polnischen Zary (Sorau) schimpft er über die Zweifel der EU an der rechtmäßigen Förderung des Stadionbaus. Er habe den Eindruck, Elisabeth Helander, Leiterin der zuständigen EU-Direktion für Regionalpolitik, sehe die Stadionüberprüfung als „persönliches Hobby.“ Friese sitzt im Verwaltungsrat des FC Energie.

Knapp neun Millionen von der EU
Tatsächlich hat die EU die Osttribüne zum größten Teil bezahlt: Knapp neun Millionen Euro schoss die Union zum 12,6 Millionen-Euro Bauprojekt der Stadt Cottbus hinzu. Nun überlegt die Kommission laut, das Geld zurückzufordern. Nicht etwa, weil sie den Fans das Dach über dem Kopf nicht gönnt, sondern weil sie Zweifel hat, dass das Geld richtig eingesetzt wurde.
„Interreg III“ ist der sperrige Name des Programms, welches die Millionen brachte. Geld, das den benachteiligten Grenzregionen beim Zusammenwachsen helfen soll und demnach auch zweckgebunden ist. Mit Interreg-Geld wurde die Grenzbrücke bei Forst gebaut und die Frankfurter Straße in Guben saniert. Jetzt nutzen Rad- und Tanktouristen die Forster Brücke, und in den Geschäften von Gubens guter Einkaufsstube Frankfurter Straße, die direkt zur Neiße nach Gubin führt, kaufen polnische Kunden Markenschuhe und CDs.
Beim Stadionausbau aber, dem bei weitem größten Interreg-Förderbrocken, zweifelt die EU seit Jahren am deutsch-polnischen Sinn. Schon Ende 2002 hatte die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos) den Stadtverordneten nichtöffentlich davon berichtet. Zwei Jahre später sind diese Zweifel immer noch nicht ausgeräumt: Elisabeth Helander bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU, die Kommission habe erst im vergangenen September moniert, dass die Anzahl „der deutsch-polnischen Veranstaltungen derzeit noch unter den Planzahlen liegt, wie auch die Teilnehmerzahl aus Polen.“ Man habe darauf hingewiesen, dass die erfolgreiche Umsetzung des Nutzungskonzeptes „deutlich erkennbar sein muss, andernfalls Schritte zur Rückforderung der [...] ausgegebenen Kofinanzierung eingeleitet werden“ .
Noch in diesem Monat soll das Land Brandenburg deshalb bei der Kommission Rede und Antwort stehen. Die Cottbuser Stadtverwaltung hat dafür ein Papier erarbeitet, in dem unter anderem das deutsch-polnische U 21-Freundschaftsspiel als Beispiel gelungener Zusammenarbeit genannt wird. Andere Beispiele grenzüberschreitender Feste 2004: Die Stadionparty mit Roland Kaiser und „Teen Models“ im August und das „Europäische Fest der Begegnung und des Sports“ im September.
Wie viele Grenz-Veranstaltungen vorgewiesen werden müssen, um die Förderung zu behalten, lässt Helander derweil bewusst offen: Die Kommission habe sich nicht auf eine exakte Zahl festgelegt, da bei einer Entscheidung mit derart weit reichenden Folgen „Ermessensspielraum gegeben sein muss“ . Allerdings gehe sie davon aus, dass „die Kommission sich im Frühjahr ein abschließendes Urteil bilden können wird“ , so Elisabeth Helander.
Sollten die Millionen tatsächlich eingefordert werden, dürfte sich in der Lausitz die Suche nach den Schuldigen, die bereits begonnen hat, ins Zentrum rücken: Denn die Stadt Cottbus steht zwar als Projektträger im EU-Visier, doch Landrat Friese sieht weder die Stadt noch den Verein in der Pflicht: Immerhin habe das Land Brandenburg selbst den Tipp gegeben, dass der millionenschwere Interreg-Topf für den Stadionausbau angezapft werden könnte. Sollte die Finanzierung platzen, sieht Friese folglich auch Potsdam in der Pflicht.

Gegen Volkszählung am Stadion
Der Spree-Neiße-Landrat versucht unterdessen, in Brüssel Druck auf Helander zu machen: Bei einem Euregio-Treffen in Zary empfahl er polnischen Kommunalpolitikern aus der Nachbarwoiwodschaft Lubuskie (Lebuser Land) öffentlich, Einfluss auf die Helander vorgesetzte polnische EU-Kommissarin Danuta Hübner zu nehmen, damit diese ihre Frieses Ansicht nach übereifrige Prüferin bremse. Schließlich sei auch der Energie-Fußball im Stadion selbst ein verbindendes Element für Fans beiderseits der Grenze, auch wenn der Verein derzeit kein Geld habe, polnische Nationalspieler einzukaufen. Allerdings werde Energie nicht an den Stadiontoren die polnischen Besucher zählen, um die Förderberechtigung zu beweisen, so Friese.