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Wie Mohrenköpfe einst in die Cottbuser Klosterstraße gelangten

Diese zwei von ursprünglich drei Mohrenköpfen schmückten einst ein Gasthaus in der Cottbuser Klosterstraße.
Diese zwei von ursprünglich drei Mohrenköpfen schmückten einst ein Gasthaus in der Cottbuser Klosterstraße. FOTO: Ulrike Elsner
Cottbus. Nach fünfeinhalbjähriger Schließzeit gewährt das Cottbuser Stadtmuseum nun seit einigen Monaten im einstigen Bankhaus in der Bahnhofstraße Einblicke in die Vergangenheit. Welche Schätze werden dort gezeigt und wofür stehen sie? Die RUNDSCHAU will mit ihrer Reihe "Exponate erzählen Geschichten" Lust auf einen Museumsbesuch machen. Ulrike Elsner

Auf den ersten Blick legen sie einen kolonialistischen Blick auf Afrika nahe. Doch die Mohrenköpfe im Stadtmuseum könnten auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit den großen Stadtbränden der Jahre 1600 und 1671, gibt Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen, zu bedenken. Eines ist jedoch sicher: Es handelt sich um Hauszeichen aus der Cottbuser Klosterstraße.

Was das mit den großen Stadtbränden zu tun hat?

"Immer wieder wurde die Stadt von Bränden heimgesucht", erläutert der Historiker. Am 3. September des Jahres 1600 wurde bei einem Brand fast ganz Cottbus in Schutt und Asche gelegt. "Nur neun kleine Buden sollen den Brand überstanden haben", so Krestin. Das Feuer brach bei dem Ratsverwandten Martin Meurer in der Mühlenstraße aus. Allerdings konnte ihm eine Schuld nicht nachgewiesen werden. Historisch verbürgt ist jedoch, dass der Kurfürst den Wiederaufbau der Stadt unterstützte, indem er den Bürgern Bauholz zur Verfügung stellte und sie für fünf Jahre von Steuern befreite.

Ein weiterer verheerender Brand brach in der Nacht zum 21. März 1671 gegen 2 Uhr an der Stadtmühle aus. Das Feuer breitete sich bald über die ganze Stadt aus und endete erst am Nachmittag in der Klosterstraße. "Vier Tote waren zu beklagen, und 93 Brauhäuser sowie 214 weitere Wohnhäuser wurden ein Opfer der Flammen", stellt der Museumschef fest. Auch das Rathaus habe Schaden genommen. Die Oberkirche war jedoch ebenso wie das Schloss und die Schule verschont geblieben.

"Auf Befehl des Kurfürsten", so Krestin, "sollten nun die mit Stroh gedeckten Dächer beseitigt und Mauern aus Ziegelsteinen errichtet werden." In dieser Zeit sind wohl auch die drei Mohrenköpfe entstanden. "Ob sie aber an den Stadtbrand erinnern sollten oder vielleicht eine ganz andere Bedeutung hatten, konnte bis heute nicht geklärt werden", räumt der Historiker ein. "Vielleicht war es nur ein Hauszeichen, vielleicht waren einst hier Afrikaner zu Besuch?"

Ursprünglich waren drei dieser Köpfe, geschnitzt aus Lindenholz, vorhanden. Sie schmückten ein Gebäude, in dem es einmal einen Kolonialwarenhandel gab. Später hatte hier die Gaststätte "Zu den drei Mohrenköpfen" ihr Domizil. Das Haus wurde im Jahr 1983 abgerissen. Ein Schicksal, das es mit dem gesamten Ensemble teilt. In den folgenden Jahren entstand das Wendische Viertel. Dabei fand ein spezielles Plattenbausystem Anwendung, das veränderte Geschosshöhen, Fassadenvorsprünge und ausgebaute Dachgeschosse ermöglichte. "Damit wurde innerhalb des Denkmalbereichs Altstadt an die traditionelle kleinteilige Bebauung der alten Klosterstraße angeknüpft", stellt der Museumschef fest.