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| 17:12 Uhr

Hitze
Tropische Qualnächte rauben den Schlaf

Foto: Daylight Photo/Fotolia
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Cottbus. Wie die Nacht trotzdem erholsam werden kann, erklärt der Cottbuser Schlafmediziner Frank Käßner. Von Daniel Schauff

Tropische Nächte – was sich romantisch anhört, quält die Cottbuser und Lausitzer seit Tagen. Selbst in den Nachtstunden sinkt das Thermometer nicht unter die 20-Grad-Marke. Tagsüber heizen sich die Räume so auf, dass die Innentemperatur meist noch weit über den 20 Grad liegt. Die Folge: Der Schlaf wird unruhig, so mancher findet seit Wochen keinen ordentlichen Schlaf mehr. Die RUNDSCHAU hat mit Frank Käßner gesprochen. Er ist Schlafmediziner und Chef des Ambulanten Zentrums für Lungenkrankheiten und Schlafmedizin (AZLS) in Cottbus und gibt Tipps, wie es auch bei hohen Temperaturen gelingen kann, ein wenig Ruhe in der Nacht zu finden.

Die ideale Schlaftemperatur liegt laut Käßner bei 18 Grad Celsius im Schlafzimmer. „Wohl dem, der eine Klimaanlage hat“, sagt er. Abgedunkelte Räume und geschlossene Fenster zur Tageszeit können helfen, die Raumtemperatur auch bei Hitze erträglich zu halten. Ventilatoren sorgen für ein wenig Luftbewegung. Aber Vorsicht ...

Die richtige Kleidung nicht vergessen. Nackt schlafen, sagt Frank Käßner, sei vor allem dann nicht ungefährlich, wenn Ventilator oder Klimagerät liefen. Zieht’s auf die bloße Haut, ist die Erkältung fast vorprogrammiert, sagt Käßner. Unangenehm – vor allem im heißen Sommer. Er rät zu Leinen-T-Shirts oder Funktionsunterwäsche, die seien bei Hitze am günstigsten, um den Körper zwar zu schützen, ihn aber nicht zusätzlich aufzuwärmen.

Die richtige Ernährung hilft ebenfalls dabei, das Einschlafen zu erleichtern, sagt Käßner. Von üppigen Mahlzeiten rät er ab, von allzu späten ebenfalls. Auch beim Alkohol sollte sich der Schlaflose zurückhalten. Alkohol zerklüfte den Tiefschlaf, sagt Käßner. Die Folge: öfteres Aufwachen, unruhigerer Schlaf.

Die richtige Beleuchtung ... gibt es nicht. Licht, sagt Frank Käßner, hemme die Ausschüttung von Melatonin. Das Schlafhormon sorgt für die Ruhe in der Nacht, bei Licht hält es sich allerdings zurück. Selbst beleuchtete Uhren oder Wecker seien tabu, so Käßner. Bei ihnen stört nicht nur das Licht, sondern auch die ständige Zeitangabe. Wer nicht auf die Uhr sehen kann, kann sich bei unruhigem Schlaf nicht auch noch wegen der fortschreitenden Stunden verrückt machen.

Eine geeignete Routine könne auch helfen, den Übergang zwischen Tag und Nacht fließend zu gestalten, sagt der Schlafmediziner. Aufregendes und Sport seien auf keinen Fall zu empfehlen, ein paar Seiten im Buch zu lesen, noch etwas fernzusehen und dabei einen Tee zu trinken hingegen schon. Der Vorteil: Es gibt auch einschlaffördernde Tees im Supermarkt, zum Beispiel mit Passionsblumenkraut, Baldrian oder Melisse.

Kalt duschen bringt nichts, weiß Käßner. Je kälter das Wasser, desto mehr verengt es die Gefäße. Die Folge: Der Körper kann die Hitze nicht mehr loswerden. Käßner empfiehlt eine lauwarme Dusche. Gehe man danach nicht ganz sondern nur fast abgetrocknet ins Bett, könne man die Verdunstungskälte auf der Haut nutzen. Aus Wärmflaschen könne man im Sommer auch Kühlflaschen machen: Einfach kaltes Wasser einfüllen.

Wenn der Schlaf trotzdem nicht kommen will, rät Käßner, sich nicht im Bett herumzuquälen. „Stehen sie ruhig noch einmal auf“, sagt er. Ein oder zwei Seiten im Buch, ein wenig fernsehen, nach einer halben Stunde einfach noch einmal versuchen, Schlaf zu finden. Fernsehen allerdings nicht im Schlafzimmer: „Ein Fernseher hat dort nichts zu suchen“, sagt der Experte.

Und wenn auch dann noch nichts geholfen hat, hat der Schlafmediziner auch nichts gegen ein Schlafmittel. „Oft reicht schon ein ganz leichtes“, sagt er, um dem Körper eine Nacht lang Ruhe zu gönnen und danach die gewohnte Leistungskurve wieder zu erreichen. Die nämlich fällt bei andauernder Hitze und schlechtem Schlaf schnell ab. Die Folge: Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag. Zur Gewohnheit aber sollten Schlafmittel  freilich nicht werden.