Von Sybille von Danckelman

Höhere Bußgelder, mehr Kontrollen, größere Papierkörbe: Kommunen in der Lausitz gehen das Problem der Vermüllung mit unterschiedlichen Strategien an. Fest steht: „Für die Kommunen ist die Beseitigung der wilden Ablagerungen mit erheblichem Aufwand verbunden“, sagt Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund.

Beliebte Ablageorte. Parkwiesen und Plätze neben Papierkörben – immer wieder werden dort achtlos Verpackungsreste und leere Kaffeebecher liegen gelassen. Strafen scheinen kaum abzuschrecken. Das wird nicht nur in der Cottbuser Verwaltung registriert. Hier können bis zu 500 Euro fällig werden, wenn Müll einfach auf die Straße fliegt, sagt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Auch ein ausgespuckter Kaugummi kann teuer werden – zwischen zehn und 55 Euro.

In Hoyerswerda kostet Kaugummispucken 15 Euro. Wer beim illegalen Müllentsorgen ertappt wird, bekommt eine Geldbuße von 15 bis 40 Euro auferlegt, im Wiederholungsfall zwischen 30  und 300 Euro. Wer erwischt wird, ist geläutert. So jedenfalls stellt es die Stadtverwaltung Hoy­erswerda fest. Die Ahndung von Verunreinigungen wurde 2017 neu in die Polizeiverordnung aufgenommen, seitdem gab es 37 Verfahren, 710 Euro eingenommene Bußgelder und keine Wiederholungstäter, betont Stadtsprecher Bernd Wiemer. Cottbus hat im Vorjahr 53 Verfahren mit Geldstrafen von insgesamt 2035 Euro verhängt.

Die Schwierigkeit ist und bleibt es, Täter auf frischer Tat zu ertappen. Besonders ärgerlich: Die Gedankenlosigkeit geht nahtlos in Respektlosigkeit über, sagt Hoyerswerdas Stadtsprecher Wiemer. Zu sehen ist das am Lausitz-Center-Ausgang Richtung Bonhoeffer-Straße. Dort würden Abfälle jeglicher Art – Pappbecher, Servietten, Essenboxen – einfach in die Hecke des angrenzenden Ehrenhains geworfen, berichtet Wiemer. Obwohl Papierkörbe aufgestellt sind. 500 Euro kostet die Heckenreinigung. Für alle Reinigungsleistungen in der Stadt sind grob gerechnet 28 000  Euro zusammengekommen.

Zigarettenkippen, Haus- und Gewerbemüll. In der Kreisstadt Lübben ärgert man sich vor allem über weggeworfene Zigarettenkippen. Und über Haus- und Gewerbemüll, der einfach in öffentlichen Papierkörben entsorgt werde, berichtet Stadtsprecherin Dörthe Ziemer. Deshalb bringe es auch nichts, mehr Behälter im Stadtgebiet aufzustellen. Aktuell gibt es in Lübben 233 Papierkörbe, zwei Mitarbeiter leeren diese dauerhaft, in der Saison auch am Wochenende. 50 Tonnen Müll fallen dort im Jahr an  und 165 Tonnen Straßenkehricht im Stadtgebiet.

Wenig, im Vergleich zu Südbrandenburgs größter Stadt: Von Cottbuser Straßen werden jährlich bis zu 1500 Tonnen Kehricht entsorgt, teilt die Stadtverwaltung mit. Fußgängerzonen wie die Sprem werden dreimal in der Woche, an Markttagen zusätzlich, gereinigt. Papierkörbe werden ein- bis sechsmal wöchentlich geleert. Die Häufigkeit richtet sich nach dem Standort der Papierkörbe. An stark frequentierten Wegen und Plätzen, wie Sprem, Schlosskirchplatz, Heronplatz, Stadtpromenade, Schillerplatz, Hermannplatz und Bahnhof, wird vier- bis sechsmal wöchentlich geleert.

Brennpunkt: stadtnahe Waldrandgebiete. Die Stadt Weißwasser hat aus ihrer Sicht ausreichend Papierkörbe im Stadtgebiet aufgestellt. Allerdings werden diese oftmals gar nicht genutzt, sagt Stadtsprecherin Sylvana Hallwas. So werde der Bereich Bahnbrücke zugemüllt, obwohl an beiden Zugangsstraßen Papierkörbe stehen. Auch beliebt für illegale Ablagerungen: Glascontainer-Standorte und stadtrandnahe Waldgebiete.

Keine Strafen. Lübben ist bei Fehlverhalten übrigens sehr human: Es werden keine Strafen erhoben. Stattdessen würden Politessen ertappte Müllsünder belehren und den Baubetriebshof über Vermüllung informieren. Zudem seien gemeinnützige Vereine in Sachen Ordnung und Sauberkeit für die Stadt tätig. So komme es, dass „wir gerade von Gästen, aber auch von Einheimischen, immer wieder großes Lob für Sauberkeit und Ordnung entgegennehmen“, berichtet Dörthe Ziemer.

Beitrag gegen Vermüllung. Da Papierkörbe gern zweckentfremdet werden, Verpackungen und Tüten mit Hausmüll oder mit Gartenabfällen darin landen und für Kleinstabfälle dann meist kein Platz mehr ist, hat die Cottbuser Verwaltung einen Vorschlag. Einfach die Pappverpackungen vor der Entsorgung zusammenfalten. Damit kann jeder Papierkorb mehr solcher Abfälle aufnehmen. Gerade auf dem Altmarkt, in der Sprem oder am Bahnhof kann jeder so aktiv einen kleinen Beitrag leisten, der Vermüllung der Städte entgegenzuwirken.

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