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| 18:21 Uhr

Existenzgründer
„Gründen ist Fleißarbeit“

 Jeff Felix da Silva gründet mit zwei Partnern in der Friedrich-Ebert-Straße in Cottbus einen Restaurantbetrieb. Hier wird die Bar stehen.
Jeff Felix da Silva gründet mit zwei Partnern in der Friedrich-Ebert-Straße in Cottbus einen Restaurantbetrieb. Hier wird die Bar stehen. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Wie läuft eine Existenzgründung in Cottbus ab? Ein Gründer und ein Berater berichten.   Von Nils Ohl

Offene Wände, herumliegendes Isoliermaterial, der typische Geruch frischer Farbe. „Hier kommt die Bar hin, dort die Lounge“, erklärt Jeff Felix da Silva. Der hochgewachsene Brasilianer ist Existenzgründer und will hier in der Cottbuser Friedrich-Ebert-Straße  im April gemeinsam mit zwei Freunden ein Restaurant im brasilianischen Flair mit Cocktail-Bar und Zigarrenlounge eröffnen.

Die Idee dazu hatten er und seine Partner Steven Märker und Leon Dambowy vor anderthalb Jahren. Das nötige Know-how für die Gründung haben sie beim Gründungszentrum Cottbus erworben.

„Als wir uns grob überlegt haben, wie es gehen könnte, haben wir uns an Marcel Linge gewandt“, sagt Jeff da Silva.

Marcel Linge ist der Leiter des Gründungszentrums. „Wer uns kontaktiert, bekommt nach 24 Stunden eine Antwort und in sieben Tagen einen Termin“, erklärt er und empfiehlt: „Wer sich selbstständig macht, sollte nicht gleich zum Gewerbeamt gehen oder einen Mietvertrag unterschreiben, sondern sich erst beraten lassen.“

Vor der offiziellen Gründung, das heißt vor dem Eintrag ins Gewerbeamt, sind zudem alle Beratungsleistungen kostenlos, danach muss der Gründer einen Eigenanteil von 20 Prozent erbringen.

Doch was passiert, wenn der Gründer den Kontakt zum Gründungszentrum Cottbus aufgenommen hat? „Zuerst führen wir ein etwa einstündiges Gespräch. Prüfen  die Idee, schauen welche Fähigkeiten der potenzielle Unternehmer mitbringt, welche Gelder erforderlich wären“, erklärt Linge.

Dann wird ein Gründungsfahrplan erstellt. Dabei geht es um die Terminschiene, um die Finanzierung, das Kundenpotenzial, um mögliche Partner und Zulieferer. Vor allem aber wird der Gründer gecoacht. „Wir können auf einen Pool von rund 20 Coaches zurückgreifen. Das sind Unternehmensberater, Finanzberater, Marketing- oder Steuerexperten“, sagt Linge. Diese Coaches, darauf wird großer Wert gelegt, müssen neutral beraten. Deshalb werden sie nicht privat, sondern aus Fördermitteln des Landes bezahlt.

Zunächst gibt es Gruppenworkshops mit den Coaches, zum Beispiel zu Finanzierungen. „Hier bilden die Gründer zum Teil schon selbst neue Netzwerke und unterstützen sich“, berichtet Linge. In den Workshops wird die jeweilige Gründungsidee noch einmal auf ihre Tragfähigkeit durchdacht, mit einer entsprechenden Empfehlung des Coaches. Es geht darum, grobe Fehler im Gründungsprozess zu vermeiden. Zudem hat der Gründer nun die Vorstufe eines Businessplanes in der Hand. Wird die Idee als tragfähig eingeschätzt, folgen Einzelcoachings. Dabei werden die Fördermöglichkeiten für das konkrete Projekt durchgegangen, die Finanzplanung mit den Banken vorbereitet, Miet- und Arbeitsverträge geprüft, Gesellschafterverträge organisiert.

„Den Businessplan schreiben und vor Banken oder anderen verteidigen, muss der Gründer aber selbst, sonst kann er ihn nicht leben“, betont Linge.

Jeff da Silva bestätigt diese Aussage: „Über das Gründungszentrum hatten wir Kontakt zur Bürgschaftsbank Brandenburg. Hingefahren und unser Projekt vorgestellt haben wir dann allein.“ Die drei Cottbuser konnten in Potsdam überzeugen und bekamen nach einer Woche das O.K. von der Bank. „Das war super. Es ist schwer, für ein Gastronomieprojekt und dazu noch als junge Leute einen Kredit zu erhalten“, freut sich Linge.

Jeff da Silva schätzt am Coaching des Gründerzentrums, dass man damit Werkzeuge in die Hand bekommt, um eine Gründung tatsächlich umzusetzen: „Unsere Idee in Struktur zu bringen, die vielen einzelnen Schritte zu planen, Finanzierung, Verhandlungsführung, Mietverträge, die Gründung der GmbH, Arbeitsverträge – wir werden zwölf Mitarbeiter haben – das konnten wir alles mit dem Coach besprechen. Und wir haben nichts unterschrieben, ohne es ihm zu zeigen.“

Nun sind die Verträge und all die anderen Tausend kleinen und großen Dinge geklärt. Das neue Unternehmen kann starten.

Auch nach der Gewerbeanmeldung steht das Gründungszentrum im ehemaligen Tanzlokal Stadt Cottbus allen offen. „Wir haben mit Unterstützung der GWC diesen Wirtschaftsraum geschaffen“, sagt Marcel Linge. Das Konzept dahinter heißt „Coworking-Space“. Hier können Gründer und Jungunternehmer sich mit Coaches treffen, Gespräche mit künftigen Mitarbeitern oder Lieferanten führen, netzwerken oder sich mit Geschäftspartnern beraten.

„Wir nutzen das Angebot gern, auch weil unsere eigenen Räume ja noch eine Baustelle sind“, sagt Jeff da Silva.

Seit 2006 hat das Gründungszentrum Cottbus über 3000 Erstgespräche geführt, knapp 1000 Beratungen oder Coachings abgehalten. Das hat zu rund 500 Gründungen geführt. „Davon sind noch 80 Prozent am Markt“, berichtet Marcel Linge stolz.

Eine davon gehört schon Jeff da Silva. Durch die neuen Kontakte während der Coachingzeit im Gründerzentrum hat er erfahren, dass die Bar „City Wall“ an der alten Stadtmauer schließen soll. Kurz entschlossen haben er und seine Partner das neu erworbene Gründungs-Know-how genutzt, um daraus die Bar „Der Käfig“ zu machen. Seit 1. Dezember 2018 ist Jeff Felix da Silva selbständiger Gastronom und mit dem Start sehr zufrieden. Aber er betont: „Gründen ist Fleißarbeit. Ich hatte vorher ein normales Arbeitsverhältnis. Es ist anstrengend, das alles so nebenbei vor oder nach der Schicht zu organisieren.“

 Jeff Felix da Silva gründet mit zwei Partnern in der Friedrich-Ebert-Straße in Cottbus einen Restaurantbetrieb. Hier wird die Bar stehen.
Jeff Felix da Silva gründet mit zwei Partnern in der Friedrich-Ebert-Straße in Cottbus einen Restaurantbetrieb. Hier wird die Bar stehen. FOTO: LR / Nils Ohl