ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Wie Fichte und Douglasie duften

Auf Einladung des Naturschutzvereins Kolkwitz wandern 85 Männer, Frauen und Kinder durch den Wald bei Kolkwitz. Förster Achim Nugel gibt wieder viel Wissen weiter.
Auf Einladung des Naturschutzvereins Kolkwitz wandern 85 Männer, Frauen und Kinder durch den Wald bei Kolkwitz. Förster Achim Nugel gibt wieder viel Wissen weiter. FOTO: Hirche/jul1
Kolkwitz. Das neue Jahr mit einer Wanderung des Naturschutzvereins zu beginnen, hat in Kolkwitz Tradition. Mit 85 Männern, Frauen und Kindern kamen in diesem Jahr so viele wie noch nie zu diesem Aktiv-Auftakt des Jahres. Marion Hirche / jul1

Eine gute Stunde geht es durch den Wald rings um das Kolkwitzer Forsthaus. Förster Achim Nugel sorgt für Informationen aus erster Hand, Karla Fröhlich vom Naturschutzverein macht auf interessante Natur am Wegesrand aufmerksam. Die Begrüßung übernimmt zunächst der Schwarzspecht mit seinem bestimmenden Klopfen und dann Karla Fröhlich mit einem Gedicht. In diesem Jahr bringt sie die Verse "Furchtlos" von Eva Strittmatter zu Gehör. Die Zeilen "Und doch sage ich: Das Leben ist gut" ließen sich nahtlos in den Tenor der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin einreihen.

Nele gehört zu den glücklich sten Teilnehmern der Neujahrstour. Die Schäferhündin ist mit sieben Jahren im besten Laufalter und hat ein tolles Frauchen: Carmen von der Burg. Die Cottbuserin hatte bis kurz nach drei in der Stadthalle ins neue Jahr hineingefeiert. Als ihr Wecker dann um 8 Uhr klingelte, war sie nicht so froh, dass es nun schon Aufstehen heißt. Der Gedanke, dass ihre vierbeinige Gefährtin aber im Tierheim in Groß Döbbern wartet, ließ sie aufspringen: "Ich gebe meine Hündin zu Silvester immer ins Tierheim, weil sie da sehr gut aufgehoben ist und nicht so erschreckt wird von der Knallerei." Für das Tierheimpersonal hatte die Cottbuserin eine Flasche "Perle" im Gepäck und für Nele ein Leckerli. Nach dem Abholen machte sie sich mit Nele auf den Weg nach Kolkwitz. Hier tobt die Vierbeinerin an der Leine von Carmen von der Burg durch den Wald und sorgt so für einen sportlichen und glücklichen Start ins neue Jahr. Von den Erläuterungen unterwegs bekommen sie allerdings nicht so viel mit.

Aber es geht wieder sehr interessant zu. Der Waldkenner macht aufmerksam auf Waldflächen, die in den vergangenen Jahren ziemlich zerstört waren, sich jetzt aber erholt haben. Einen Stopp gibt es an einem Fichtenstandort. "Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017 und kommt hier bei uns sehr selten vor." Achim Nugel erklärt, dass die Fichten öfter mit Tannen oder Douglasien verwechselt werden, und verrät, wie man den Unterschied erkennt: Beim Reiben der Nadeln liefern die Douglasien einen Orangengeruch, die Fichten dagegen den typischen Fichtengeruch. Die Fichtennadeln sind außerdem spitz, rundherum angeordnet, vierkantig. Fichten kommen aber in feuchteren Gegenden mehr vor. Auf Sandböden fühlen sie sich nicht so wohl. Sie seien gute Holzspender: "Eine hundertjährige Fichte bringt 750 Festmeter Holz. Deshalb kam sie Mitte des 19. Jahrhunderts auch aus Skandinavien zu uns."

Dann macht Karla Fröhlich auf einen Ameisenhaufen aufmerksam, der jetzt ein Futterspender für Spechte ist. Zu erfahren ist unterwegs, dass Deutschland 11,4 Millionen Hektar Wald hat und dass der Wald in den vergangenen zehn Jahren gewachsen ist. Es gibt rund 90 Millionen Bäume. Damit das so bleibt, erklärt der Förster, gebe es jetzt im Dezember und Januar sogenannte Winterbodensuchen. Auf einer fünf Quadratmeter großen Fläche werden die Nadeln abgetragen und die Nadelstreu nach Schädlingen durchsucht. Achim Nugel zeigt dabei seinen Fund vom Vortag: mehrer Kiefernschwärmer, Kiefernspanner und Kokons von Blattwespen. Gisela Mann-Merlitz aus Kolkwitz will wissen, wie viel solcher Suchflächen es gibt. Achim Nugel: "In Brandenburg gibt es 1800 Flächen. Die Ergebnisse werden nach Eberswalde zur Forstwirtschaftverwaltung gebracht. Ende Februar bekommen wir dann Informationen, ob mit einer Schädlingsplage zu rechnen ist, sodass wir mit Schutzmaßnahmen beginnen können." Ulrich Schubert aus Kolkwitz interessiert des Verhältnis von Laub- und Nadelbäumen. "Wir pflanzen hier bei uns im Nadelwald nur Laubbäume nach - wegen der besseren Humusbildung. In Deutschland gibt es 57 Prozent Nadelwald", erklärt der Waldexperte.

Am Ende der Wanderung kann jeder eine Wurst am Lagerfeuer grillen, Tee oder Glühwein trinken. Den Plan mit den Veranstaltungen des Naturschutzvereines gibt es mit Informationen zur "Stunde der Wintervögel" vom 6. bis 8. Januar ( www.stundederwintervoegel.de ). Bärbel Koinzer aus Kolkwitz freut sich, dass sie das Jahr so aktiv beginnen konnte. Für Waltraud Hirsch aus Hänchen steht fest: "Ich war heute das erste, aber nicht das letzte Mal dabei."