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Wie ein kleines Porträt Geschichte erlebbar macht

Mehr als eine freundliche Geste: Dr. Dietrich Schwela überreicht Museumsmitarbeiterin Christina Kliem ein Porträt seines Vaters Gotthold Schwela, das Fritz Lattke geschaffen hat.
Mehr als eine freundliche Geste: Dr. Dietrich Schwela überreicht Museumsmitarbeiterin Christina Kliem ein Porträt seines Vaters Gotthold Schwela, das Fritz Lattke geschaffen hat. FOTO: Elsner
Cottbus. Es ist ein kleinformatiges Porträt, doch für Christina Kliem eine "herausragende Schenkung". Dieser Tage hat die Kuratorin des Wendischen Museums ein Porträt des Pfarrers und Sprachwissenschaftlers Gotthold Schwela aus den Händen seines Enkels Dr. Dietrich Schwela erhalten. Gemalt hat es kein Geringerer als Fritz Lattke. Ulrike Elsner

Mit Fritz Lattke und Gotthold Schwela erinnert das Bild gleich an zwei der wichtigsten wendischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. "Ein Lattke-Bild ist ein großer Schatz", stellt Christina Kliem im RUNDSCHAU-Gespräch fest. Dass es sich um ein Porträt von Gotthold Schwela handelt, mache es umso wertvoller. Das Bild soll Teil der neuen Dauerausstellung werden, an der das kleine Museumsteam derzeit arbeitet. "Unsere Aufgabe ist es, sorbische/wendische Wissenschaftler und Künstler zu würdigen. Das Bild ist besonders dazu geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen", stellt Christina Kliem fest. Das gelte für Lattke ebenso wie für Schwela.

Gotthold Schwela, 1873 in Schorbus geboren, 1948 bei Naumburg gestorben und auf dem Cottbuser Nordfriedhof beigesetzt, war Pfarrer, Sprachwissenschaftler und Mitbegründer der Domowina. "Er gehörte zu den bedeutendsten wendischen/niedersorbischen Intellektuellen und Kulturschaffenden, die sich für die Bildung des wendischen Volkes eingesetzt haben", sagt die Kuratorin. In Dissen, wo Schwela zwischen 1913 und 1942 als Pfarrer tätig war, habe er das Wendische so überzeugend vermittelt, dass es dort noch heute besonders wertgeschätzt wird.

Sein Enkel Dietrich Schwela ist 1941 geboren und hat seinen Großvater nur einmal erlebt, als der ein Jahr vor seinem Tod die Familie seines Sohnes in Wien besuchen durfte. Obwohl Dietrich Schwela erst sechs Jahre alt war, erinnert er sich noch gut an dieses Treffen. "Er war ein sehr gütiger Mensch", so der Nachfahre, der sich als Wissenschaftler weit über das Rentenalter hinaus für den weltweiten Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt hat und auch als 75-Jähriger noch an ausgewählten Projekten arbeitet.

"Er war ein sehr ausgeglichener Mensch und ruhender Pol", weiß Christina Kliem aus Zeitzeugenberichten, "und er kannte keinen Standesdünkel."

Für Dietrich Schwela ist das Porträt seines Großvaters, das zuvor im Besitz seines Vaters war, sehr wichtig. Dennoch oder gerade deshalb hat er jetzt entschieden, dass es in die Region zurückkehren soll, in der Gotthold Schwela einst gewirkt hat.

Der Pfarrer und Philologe hat sich nicht nur besonders für die Vermittlung der wendischen Sprache in Schule und Kirche eingesetzt. "Es ist ihm auch zuverdanken, dass 1908 in der städtischen musealen Ausstellung erstmalig ein wendisches Zimmer eingerichtet wurde."

Fritz Lattke war einer der bedeutendsten niedersorbischen Künstler des 20. Jahrhunderts. 2005, im Jahr seines 25. Todestages, gedachte das Wendische Museum des Malers mit einer ersten Personalausstellung in seiner Heimat. Der Maler und Illustrator, der 1895 in Neuendorf bei Peitz geboren wurde und 1980 in Weimar starb, war in seinem Schaffen stets seiner Niederlausitzer Heimat verbunden geblieben.

In der kürzlich eröffneten Sonderausstellung des Wendischen Museums im Stadtmuseum "Zachowane drogostki - Bewahrte Kostbarkeiten" hängt als besondere Kostbarkeit ein kleines Ölbild von Fritz Lattke. Es ist im Jahr 1952 entstanden und zeigt ein Wendisches Paar beim Kirchgang.