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| 18:17 Uhr

Internationale Physik-Olympiade
Physik-Bücher als Gute-Nacht-Lektüre

Tim Pokart ist nicht nur ein Physikgenie, sondern machte auch sein Abitur am Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus mit einem Schnitt von 1,0.
Tim Pokart ist nicht nur ein Physikgenie, sondern machte auch sein Abitur am Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus mit einem Schnitt von 1,0. FOTO: LR / Josephine Japke
Cottbus. An der Internationalen Physik-Olympiade in Lissabon nahm auch die deutsche Nationalmannschaft um Tim Pokart aus Forst teil. Von Josephine Japke

Eine Reihe von Buchstaben, Formelzeichen und wenigen Zahlen stehen auf dem weißen Smartboard im Max-Steenbeck-Gymnasium in Cottbus. Die beiden Physiklehrer Dr. Andreas Tosch und Dr. Torsten Skorbuski stehen davor und schauen sich fragend an. Worum geht es eigentlich? „Im Grunde geht es um Einsteins Relativitätstheorie, Gravitationswellen und Schwarze Löcher“, versucht ihnen ihr ehemaliger Schüler Tim Pokart den komplexen Rechenweg zu erklären.

Der 18-Jährige aus Forst ist ein Physikgenie und schaffte es in seinem Abschluss-Schuljahr in die deutsche Physik-Nationalmannschaft. Mit dieser nahm er vor Kurzem an der 49. Internationalen Physik-Olympiade in Lissabon teil. „Es war eine riesige Ehre dabei zu sein und ich bin schon stolz auf mich, dass ich das geschafft habe“, sagt Tim.

Der Weg nach Lissabon war allerdings kein leichter. Die 1000 besten Physik-Schüler der Bundesrepublik nahmen an der ersten Runde teil. Bis zur finalen vierten Runde dezimierten sie sich auf 15. In der Zwischenzeit mussten zwei 20-seitige Hausaufgaben und acht dreistündige Klausuren geschrieben werden, um die besten fünf ausfindig zu machen. Tim war einer von ihnen. „Meine Mitstreiter kamen aus Leipzig, Dresden und Ilmenau“, erklärt er und Torsten Skorbuski fügt hinzu: „Also alles Ostdeutsche.“

Keine Schule in Deutschland entsandte in den vergangenen 49 Jahren mehr Teilnehmer zur Olympiade, als das Max-Steenbeck-Gymnasium. Etwa vier Jahre Arbeit voll mit Klausuren, Experimenten und Theoriebüchern stecken hinter dem Start von Tim. „Klausuren zu schreiben, ist für jeden anstrengend und macht auch mir keinen Spaß. Aber ich mag es, mich mit Problemen zu beschäftigen und diese zu lösen“, sagt der Forster und gibt zu, dass ihn die Aufgaben in der Olympiade sehr gefordert haben – anders als das Physikabitur.

„Anstatt die geforderten zwei von drei Aufgaben innerhalb von 270 Minuten in der Abiturprüfung zu lösen, löste er einfach alle drei fehlerfrei“, erzählt Lehrer Andreas Tosch. „Naja, ich wollte meine Mitschüler nicht so unter Druck setzen, weil ich so viel früher abgebe, als sie“, gesteht der Schüler bescheiden. Im Physikunterricht konnte er schon lange nicht mehr gefördert werden. Das Tafelwerk brauchte er nicht mehr, „weil man irgendwann durchschaut, was hinter den Formeln steckt“, erklärt Tim. Auch in den anderen Fächern flogen ihm die guten Noten zu. „Ich gebe zu, dass ich mich für mein 1,0-Abi nicht sonderlich ins Zeug gelegt habe“, sagt Tim. Er habe zwar kein fotografisches Gedächtnis, aber hat er den Sachverhalt einmal verstanden, dann merkt er ihn sich eben.

94 Nationen von allen Kontinenten nahmen an der einwöchigen Finalrunde in Lissabon teil. Vor allem asiatische Länder schnitten in dem Wettbewerb sehr gut ab. Tim ist mit seinem vierten Platz durchaus zufrieden. „Aber dass ich mit nur einem Punkt an Bronze vorbei geschrammt bin, ist natürlich ärgerlich“, sagt er.

Lange Zeit darüber nachzudenken, hat er nicht mehr, denn im Oktober geht das Physik-Studium an der Universität Dresden los. Dann heißt es endlich wieder Themen entdecken, von denen er noch keine Ahnung hat. „Quantenphysik, zum Beispiel. Die Wissenslücke kann ich dann endlich schließen“, erklärt Tim.