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| 13:05 Uhr

Drohnen-Forschung
Wie Drohnen Feuerwehren helfen können

Feuerwehrmann André Dreßler bringt die praktischen Erfahrungen in das deutsch-polnische Drohnen-Projekt zur Brandbekämpfung ein. Professor Uwe Meinberg und Dr. Christina Eisenberg (v.l.) von der BTU Cottbus-Senftenberg übernehmen die wissenschaftliche Begleitung.
Feuerwehrmann André Dreßler bringt die praktischen Erfahrungen in das deutsch-polnische Drohnen-Projekt zur Brandbekämpfung ein. Professor Uwe Meinberg und Dr. Christina Eisenberg (v.l.) von der BTU Cottbus-Senftenberg übernehmen die wissenschaftliche Begleitung. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Politprojekt in der Euroregion Spree-Neiße-Bober und das Dauerthema zwischen Vater und Sohn Dreßler in Calau. Von Christian Taubert

Es sind fast sechs Jahre vergangen, dass Christoph Dreßler an der Cottbuser BTU seinen Masterabschluss eBusiness gemacht hat. Das Thema seiner Arbeit lautete etwas sperrig: „Prototyp-Entwicklung einer Luft-basierten Informationsbeschaffung zur Steigerung einsatztaktischer Entscheidungen im Zuständigkeitsbereich der Regionalleitstelle Lausitz“. Sein Vater André hätte das wahrscheinlich etwas populärer formuliert. Schließlich geht es um den Einsatz von Drohnen bei der Brandbekämpfung durch die Feuerwehr.

Ein Familienthema bei Dreßlers in Calau. „Mein Sohn hat das Thema mit nach Hause gebracht“, schildert der stellvertretende Leiter der Regionalleitstelle Lausitz in Cottbus, dass über Drohnen und Feuerwehr hier seit Jahren diskutiert wird. Zumal Christoph Dreßler nach seinem Master an der BTU in die Forschung gegangen, akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl Industrielle Informationstechnik ist und zurzeit seine Doktorarbeit vorbereitet.

Die Begeisterung für unbemannte Flugsysteme – jene Drohnen – hat deshalb eher zu- als abgenommen. Bei Professor Uwe Meinberg war Christoph Dreßler da genau an der richtigen Stelle. Nicht nur für ihn hat diese Technologie das Potenzial, in vielen Bereichen das gesellschaftliche Leben zu revolutionieren.

Dafür sind für die Wissenschaftler aber noch eine Reihe von technologischen Durchbrüchen notwendig, um Drohnen zielsicher einsetzen zu können. Vor allem sollen potenzielle Anwender in der Praxis ihre Ideen und Anforderungen im Vorfeld selbst einbringen können. „Drohnen können ein Werkzeug für die Feuerwehr sein, um schnell Informationen zur Lage zu bekommen und somit die Einsatztaktik zu unterstützen“, sagt Professor Meinberg, um sogleich auf das EU-Interreg-Projekt „Grenzüberschreitender Einsatz von unbemannten Flugsystemen bei der Feuerwehr“ zu verweisen. Denn in der Euroregion Spree-Neiße-Bober soll der Einsatz von Drohnen im Bereich von Feuerwehreinsätzen entwickelt und getestet werden.

In vier Workshops haben Praktiker, Wissenschaftler und Politiker das Thema bereits beraten. Zuletzt in Zielona Gora, unter Federführung der dortigen Universität und der BTU Cottbus-Senftenberg. Der Praktiker André Dreßler war mit dabei. Für ihn ist klar, dass die Feuerwehren über diverse technische Möglichkeiten verfügen, die es erlauben, im Einsatzfall schnell und kompetent Hilfe zu leisten. Der Einsatz von Drohnen ist aber ein relativ neues Feld. Deshalb soll das EU-Projekt mit der Hilfe von internen und externen Partnern ermitteln, wo und in welchen Situationen bei einem Feuerwehreinsatz insbesondere im grenznahen Raum der Einsatz von Drohnen eine hilfreiche Ergänzung darstellen kann.

Für den erfahrenen Feuerwehrmann André Dreßler hat Zielona Gora viel Zuversicht vermittelt, aber auch aufgezeigt, was Feuerwehr-Drohnen noch lernen müssen. Zwar könnten sie beim Überfliegen eines Waldbrandes zur schnelleren Lageeinschätzung beitragen. Wenn bei einem Brand jedoch Giftstoffe freigesetzt werden, „ist es für die Löscharbeiten wichtig zu wissen, worum es sich genau handelt“, erklärt Dreßler Senior. „Doch fehlt den Drohen zurzeit noch die Sensorik dafür.“ Künftig müsste das Flugsystem den Brandherd lokalisieren, eine Luftmessung vornehmen, die Daten an ein Labor senden, damit die schnelle Analyse in die Taktik der Feuerwehr-Einsatzleitung einfließen kann.

Der Abschlussworkshop hat aber auch rechtliche Probleme angesprochen, die dem grenzüberschreitenden Einsatz von Drohnen noch im Wege stehen. Während in Polen handelsübliche Flugsysteme etwa bei der Höhenrettung eingesetzt werden, fehlt hierzulande der rechtliche Rahmen. André Dreßler erinnert an den Brand im Calauer Funkturm 2011. „Niemand wusste, was da oben genau los war. Eine Drohne hätte uns aufklären können“, sagt Dreßler. Damals hatte Vattenfall mit Industrie-Kletterern aus Polen geholfen.

BTU-Professur Uwe Meinberg, der seit gut einem Jahrzehnt an Drohnen forscht, geht vieles in diesem Bereich viel zu schleppend voran. Noch immer habe sich nichts bei der Registrierung von Drohnen – die elektronisch erfolgen sollte – bewegt. Für das Einsatzgebiet Feuerwehr sei dies aber unerlässlich. Und was die „Intelligenz“ von Drohen betrifft, ist für Meinberg klar, dass Feuerwehrmänner das Flugsystem auch ohne Führerschein einsetzen  können müssen. Eine Drohne müsse nach dem Start am Einsatzort selbst erkennen, was sie zu leisten hat.

Lösungen dafür erhofft sich Meinberg von einem Technik-Workshop in Cottbus, der Wissenschaftler und Praktiker am 20. Juni erneut zusammenführt. Dort soll das deutschlandweit einmalige Politprojekt vorzeigbar werden.

Unterdessen stellt Christina Eisenberg das deutsch-polnische Drohnen-Vorhaben auf der weltweit ersten Fachmesse zu diesem Thema in Nürnberg vor. Eisermann vertritt das Innovationsforum Curpas – Zivile Nutzung unbemannter Flugsysteme –, das die Wissenschaftler mit der Technischen Hochschule Wildau und rund 400 Unternehmen bundesweit über eine Datenbank verbindet. „Das hohe Engagement der Wirtschaft ist Ausdruck dafür, dass händeringend Lösungen erwartet werden“, betont die Curpas-Projektmanagerin.