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Ostsee-Management stellt erste Ergebnisse vor
Wie die Stadt an den See kommt

Vom Merzdorfer Aussichtsturm sieht man, dass am Gebiet des künftigen „Cottbuser Stadthafens“ noch viel zu tun ist.
Vom Merzdorfer Aussichtsturm sieht man, dass am Gebiet des künftigen „Cottbuser Stadthafens“ noch viel zu tun ist. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. An der Seeachse hängt die Bedeutung des Cottbuser Ostsees für Naherholung und Tourismus.

Wie kann der Cottbuser Ostsee künftig auf die Region ausstrahlen und darüber hinaus Touristen  anlocken – das war eine heiß diskutierte Frage der gemeinsamen außerordentlichen Sitzung von Wirtschafts-  und Umweltausschuss am Donnerstagabend im Cottbuser Stadthaus. Bei isolierter Betrachtung des künftigen Sees stehe nach der im vergangenen Jahr erarbeiteten Potenzialanalyse das Thema ­Naherholung im Vordergrund, erläuterte Ostseemanager Stefan Korb. Damit dämpft das Manager-Duo Stefan Korb/Lars Scharnholz manchen hochfliegenden Traum der vergangenen Jahre und legt einen realistischen Maßstab an.

Dennoch gibt es jede Menge Potenzial. Anders als am Senftenberger See biete die Großstadt Cottbus  eine gute für Basis  für eine ganzjährig tragfähige Infrastruktur. Touristisch attraktiv werde der See jedoch nur in Verbindung mit einem attraktiven Kultur- und Freizeitangebot.

Als Credo des Ostseemanagements stellt Stefan Korb drei Fragen in den Raum. Erstens: Reichen die dargestellten Potenziale (vor allem der Naherholung), um den Cottbuser Ostsee als Baustein des Strukturwandels zu entwickeln? Zweitens: Wie können vorhandene Potenziale der Stadt/des Umlandes aufgegriffen und mitgenutzt werden? Und drittens: Wie kann der Ostsee vom nahen Spreewald profitieren? Ziel müsse ein „ganzheitlicher Entwicklungsleitfaden Stadt – See“ sein. Das setze jedoch eine genaue Zielgruppenanalyse sowie mutige Ideen bei der Herausarbeitung von Attraktivität und Alleinstellungsmerkmalen voraus.

Mit Plänen wie Leitbild, integriertem Stadtentwicklungskonzept oder Masterplan Ostsee sind wichtige Voraussetzungen für das weitere Vorgehen geschaffen. „Was aber fehlt“, so Stefan Korb, „ist die Verbindung Stadt – See“. Eine nachhaltige Stadt- entwicklung müsse die Stadt an den See bringen. An diesem Thema entfachte sich im vollbesetzten Stadtverordnetensaal eine rege Diskussion.

„Was mir gefällt, ist, dass Sie mehr Mut einfordern“, betonte Steffen Picl (Linke). Es müsse manches neu gedacht werden, darunter ein vom Bahnhof aus „durchgehender schienengebundener öffentlicher Personennahverkehr“. Für solch ein Projekt müsse ein Teil der in Aussicht gestellten Ausgleichszahlungen für den Kohleausstieg genutzt werde, weil davon eine Initialzündung für die städtische Entwicklung ausgehen könne.

Für diesen Vorschlag gab es viel Zustimmung vom Ostseemanagement. Stefan Korb ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er fragte: Wie kommen die Touristen von Ort zu Ort? Weil das eine der Hauptfragen ist, sei auch das Projekt Wiederbelebung der Spreewaldbahn „auf der Agenda ein Stück nach oben geklettert“.

„Die Menschen vom Altmarkt zum Ostsee zu bringen, das ist die größte Herausforderung“, betonte Denis Kettlitz, der Chef des Fördervereins der Cottbuser Parkeisenbahn. Cottbus müsse künftig zu einer Stadt am See entwickelt werden. Dafür sei Wohnen und Arbeiten am Hafen zu etablieren.

Die künftige Verbindungsachse zwischen Sandow und dem Hafenzentrum soll entlang der ehemaligen Bahntrasse führen. Die Trasse könne reaktiviert werden, so Stefan Korb. Allerdings sei die Frage, ob als Straßenbahn- oder als Parkbahn-Verbindung, heute noch nicht zu beantworten. Ein Vergleich beider Varianten dürfte sich als eine lohnenswerte Aufgabe für die Experten der Brandenburgischen Technischen Universität erweisen.

Stadtsportbund-Geschäftsführer Tobias Schick brach in der Diskussion eine Lanze für die Radfahrer. Die wollen sowohl mit dem Rad zum als auch auf einem Rundweg um den Ostsee herum fahren.  Doch dieser 23 Kilometer lange Rundweg  ist bisher noch nicht geschlossen. Im östlichen Teil fehlen etwa neun Kilometer.  

Für das Hafenzentrum, dem künftigen Endpunkt der entscheidenden Achse Stadtzentrum – Ostsee läuft derzeit ein städtebaulicher Wettbewerb. Elf von insgesamt 15 avisierten Beiträgen seien bereits abgegeben worden, informiert Stefan Korb. Mitte Januar 2018 soll das Preisgericht tagen.