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Wie die Platte zum Leuchtturm wird

"Unser Produkt macht Leute glücklich", sagt Jens Brand, in dessen Firma schon mehr als 100 Betonfelsen entstanden sind. Für ihn muss der Kletterfelsen an der BTU "ein Leuchtturm für die Region" werden.
"Unser Produkt macht Leute glücklich", sagt Jens Brand, in dessen Firma schon mehr als 100 Betonfelsen entstanden sind. Für ihn muss der Kletterfelsen an der BTU "ein Leuchtturm für die Region" werden. FOTO: Taubert
Cottbus. Felsenbauer Jens Brand sagt Unterstützung für Kletterfelsen an der BTU zu. Prof. Mettke ist von vielen Reaktionen auf das Projekt überrascht. Christian Taubert

Mit dieser Resonanz hat Angelika Mettke nicht gerechnet. Auf den RUNDSCHAU-Artikel "Kletterfelsen aus der Platte" habe es unentwegt Reaktionen in Form von E-Mails und Anrufen gegeben. Externe Fachleute, Landespolitiker und Unternehmer, die ihre Hilfe angeboten haben, schildert die Professorin der BTU Cottbus-Senftenberg.

Die Lehrstuhlinhaberin Bauliches Recycling sieht sich als Koordinatorin für den ersten Kletterfelsen auf einem Universitäts-Campus in Deutschland - natürlich aus recycelten Betonplatten errichtet. Denn die Wiederverwendung der Platte ist seit Jahrzehnten ihr Forschungsgebiet. Für den geplanten gut 20 Meter hohen Kletterfelsen neben dem BTU-Sportplatz müssten rund 700 Platten übereinandergeschichtet und verbaut werden.

Der Cottbuser Kletterfelsen-Hersteller Jens Brand war einer der Ersten, die bei der Recycling-Professorin im Büro standen und Unterstützung für "dieses fantastische Projekt" zugesagt haben. Beide kennen sich gut. Schon aus der Zeit, als die damalige Brand & Schluttig GmbH den 15 Meter hohen Braschelstein mit Boulderwand in Kolkwitz errichtet hat: aus Recyclingplatten, die mit Spritzbeton ummantelt wurden.

Doch deswegen hat Jens Brand nicht das Gespräch gesucht. Der heutige Chef der Felsenbaufirma "built a rock" im Cottbuser Osten ist Bergsteiger mit Leib und Seele. Für ihn eröffnet sich mit dem Uni-Vorhaben eine Chance für Cottbus und die Region, die nicht vertan werden dürfe. "Dieser Kletterfelsen braucht uns alle", fordert er dazu auf, in einer Art Pflichtenheft genau festzuschreiben, "was dieser Felsen alles können muss".

Für Jens Brand, von dessen Firmengelände bereits mehr als 100 Felsen in gut zehn Jahren in alle Himmelsrichtungen und nach Europa ausgeliefert wurden, heißt das unter anderem: Wenn dieser Felsen auch Bedeutung für den internationalen Wettkampfsport erlangen soll, "dann muss er den Erfordernissen des modernen Klettersports gerecht werden".

Dabei gehe es um Routen im Überhang oder im Dachbereich. Es sei an Kletterrouten zu denken, die auch bei Regen genutzt werden können. Für so einen "optischen Leuchtturm", sagt Brand, seien aber auch die Voraussetzungen zu schaffen, ihn wirtschaftlich betreiben zu können. So müsse an Zuschauer und das Drumherum eines Kletter-Events gedacht werden.

"Bergsteigen ist ein Trend, der nicht abreißt", erklärt Jens Brand. Das lasse sich nicht nur an der immer stärker nachgefragten Indoor-Kletterwand an der BTU und mehr als 1000 sportlichen Kletterern im bergfernen Cottbus belegen. Nicht umsonst haben die fünf Mitarbeiter des Felsenbau-Spezialisten im Gewerbegebiet Merzdorfer Weg vollauf zu tun. Hier werden die Kunstfelsen ganz nach Kundenwunsch modelliert, auf ein vorgeformtes Metallkorsett wird letztlich mehrfach Spritzbeton aufgetragen.

Angelika Mettke will die vielen Anregungen jetzt erst einmal bündeln und die Kosten ermitteln. "Es gibt noch einige unbekannte Größen", sagt sie und betont, dass nichts Hals über Kopf geschehen werde. Da stimmt sie mit Jens Brand überein, für den der "Kletterfelsen aus der Platte" das Potenzial für eine Landmarke, ein Zeichen für Cottbus und die Region hat.

Mehr zu dem BTU-Projekt:

lr-online.de/kletterfelsen

Zum Thema:
Als Felsenbauer und Kletterer ist Jens Brand auch daran interessiert, für seine Sportart zu begeistern. Auf seinem Firmengelände in Cottbus betreibt er dafür Erlebnispädagogik, "womit ich kein Geld verdiene", erklärt Brand. "Natur, Abenteuer und Gemeinschaft treffen sich beim Klettern in wundersamer Weise." Auf dem Parcours gehen Interessenten (meist Schülergruppen) über bewegliche Felsenplatten, klettern im Boulderbereich, hangeln die Strickleiter hinauf oder besteigen den Spinnestein. Dabei würden die Gruppen die Stationen durchleben, durchleiden und durchfühlen. Es werde auch Sozialverhalten trainiert. "Wir bauen Felsen, um mit unserem Produkt, Leute glücklich zu machen", sagt Brand.