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Wie Carl Blechen in der Heimat seinen Platz findet

Kuratorin Beate Schneider führt hier durch den 2016 eröffneten Teil 1 der neuen Dauerausstellung.
Kuratorin Beate Schneider führt hier durch den 2016 eröffneten Teil 1 der neuen Dauerausstellung. FOTO: Elsner
Cottbus. Cottbuser Senioren sind kulturinteressiert. "Wir verbinden unsere Mitgliederversammlungen immer mit einem Beitrag kultureller Art oder einem informativen Vortrag", schreibt Erika Jütersonke an die RUNDSCHAU. Kürzlich ging es dabei um den Maler Carl Blechen und die Frage: "Wo kann man die Bildoriginale besichtigen?" Ulrike Elsner

Die Senioren sind neugierig geworden, als sie kürzlich einen Vortrag über Carl Blechen gehört haben. Sie wollten sich Bilder des gebürtigen Cottbusers anschauen, der zu den wichtigsten deutschen Landschaftsmalern seiner Zeit gehört hat. Schließlich hatte schon vor mehr als hundert Jahren der damalige Cottbuser Oberbürgermeister Paul Werner mit dem Kauf einiger Werke des "Malers des Lichts" den Grundstock zu einer Cottbuser Blechen-Sammlung gelegt.

"Aber leider ist das in Cottbus nicht möglich", schreibt Erika Jütersonke im Auftrag des Cottbuser Seniorenverbandes. "Es wäre touristisch sehr bereichernd, wenn zum Beispiel das neue Stadtmuseum eine ständige Ausstellung über Carl Blechen vorweisen könnte. Man kann Carl Blechen zu Recht als einen Sohn der Stadt Cottbus bezeichnen und eine ständige entsprechende Würdigung erwarten."

Carl Blechen zu würdigen, ist auch Anliegen der Cottbuser Stadtverwaltung. Der Maler werde demnächst mit einer neuen repräsentativen Ausstellung, die höchsten musealen Standards entspricht, in der Gutsökonomie Branitz gezeigt, erklärt Kulturamtsleiter Bernd Warchold. "In der hochwertigen Schau drückt sich die Wertschätzung für den Maler aus." Die Vorbereitungen laufen, damit sie ab August in der Gutsökonomie präsentiert werden kann. Wie der Kulturamtschef betont, arbeiten Stadt und Stiftung Branitz dabei eng zusammen.

Ziel war es, die Sammlung in einen größeren Kontext zu stellen. Und genau das soll mit Pückler gelingen. Beide - der große Landschaftsgestalter und der Landschaftsmaler - waren Meister der Landschaft. Ein Zusammenhang zu anderen Malern der Romantik lasse sich nicht herstellen, weil Cottbus über keine Romantiksammlung verfügt. Denn Blechen ist in Cottbus laut Warchold "ein Solitär".

All diese Fragen sind nach den Worten des Kulturamtsleiters breit diskutiert worden. Mit dem Ergebnis, Blechen im Zusammenhang mit Pückler zu zeigen. Eine Insellösung wie ein Blechenraum im Stadtmuseum sei jedoch "museal nicht mehr zeitgemäß". Vielmehr geht es darum, die vorhandene Sammlung in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Im Branitzer Schloss konnten die Bilder des berühmten Malers aus konservatorischen Gründen nicht bleiben. Nach der für August geplanten Ausstellungseröffnung werden sie künftig von Ostern bis zum Herbst in der Gutsökonomie für jedermann zugänglich sein. "Ob die Ausstellung auch im Winter zu sehen ist, hängt vom Geld ab", räumt der Kulturamtschef ein. In der Vergangenheit sei die Zahl der Ausstellungsbesucher in dieser Zeit sehr überschaubar gewesen. "Wunsch ist es aber", so Warchold, "im Winter am Wochenende aufzumachen". Doch das hängt vom Besucherinteresse ab.

Auch die Idee, Carl Blechen im dkw. Kunstmuseum einen Platz zu geben, verwerfen die Fachleute. "Das dkw. ist ein Museum für moderne zeitgenössische Kunst. Es hat also ein gänzlich anderes Profil", betont der Kulturamtschef.

Die Dauerausstellung "Meister der Landschaft. Fürst Pückler und Carl Blechen" sei der richtige Weg, um den Maler vielen Menschen nahezubringen. Zwischen beiden zeigen sich jede Menge Gemeinsamkeiten. So hat Pückler Landschaft und Blechen Bildinhalte bewusst inszeniert. "Beide sind eben Kinder der gleichen Zeit", so Warcholds Fazit.

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