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| 02:33 Uhr

Wie aus Tradition Identität entsteht

Über die Geschichte der Sorben/Wenden zu informieren, ist eines der Anliegen der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur. Fotodokumente spielen dabei eine wichtige Rolle wie dieses von einer wendischen Hochzeit in Drachhausen am 20. Mai 1925. Die Braut Marie Schwietzer heiratet Otto Schulze.
Über die Geschichte der Sorben/Wenden zu informieren, ist eines der Anliegen der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur. Fotodokumente spielen dabei eine wichtige Rolle wie dieses von einer wendischen Hochzeit in Drachhausen am 20. Mai 1925. Die Braut Marie Schwietzer heiratet Otto Schulze. FOTO: Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur
Cottbus. Ein gemeinsames Europa ist undenkbar ohne die Vielfalt seiner Kulturen. Das macht das Wirken der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus wichtiger denn je. In diesen Tagen beginnt das neue Semester mit einem Veranstaltungsspektrum, das beim Sprachunterricht beginnt und mit Vorträgen über Traditionen und Bräuche nicht endet. Ulrike Elsner

"Wir sind die einzige Institution, die generationsübergreifend wirkt und damit lebenslanges Lernen fördert", sagt Schulleiterin Maria Elikowska-Winkler. So haben an der Sielower Grundschule, angeregt von der Niedersorbischen Sprachschule, Kinder ihre Großeltern befragt. Mit großem Gewinn für beide Seiten. So bleiben Sagen lebendig, und kulturelle Schätze überdauern die Zeit.

Zwischen 3000 und 3500 Teilnehmer zählen die Veranstaltungen der Sprachschule Jahr für Jahr. Eine beachtliche Zahl, denn unterrichtet wird in kleinen Gruppen, und ältere Muttersprachler verlieren nur in kleiner Runde ihre Scheu, Details des dörflichen Lebens bei den Namen zu nennen, die ihnen seit der Kindheit vertraut sind. Aber genau diese Gespräche sind für Dokumentation und Erhalt des Niedersorbischen so wichtig.

"Wir arbeiten vor Ort, dort wo die Sprache noch gesprochen wird", sagt Maria Elikowska-Winkler. Menschen der mittleren und älteren Generation würden dadurch ermutigt, ihre Muttersprache anzuwenden und aufzufrischen. In einigen Orten sind so regelmäßige Plattformen für den Austausch entstanden.

Chronisten als Zielgruppe

Eine weitere Zielgruppe sind all jene, die sich in ihrer Freizeit oder aus beruflichen Gründen mit der Sprache und Kultur des kleinen slawischen Volkes in der Lausitz befassen, darunter Lehrer, Erzieher, Stadtführer, Kahnfährleute, Traditionsvereine oder Ortschronisten. Maria Elikowska-Winkler ist sich sicher: "Aus dem Fachwissen über die Region und die hier lebenden Menschen, ihrer Geschichte und Tradition schöpfen die Menschen Kreativität und Identität."

Der Aktionsradius der Sprachschule reicht längst über Cottbus und den Spree-Neiße-Kreis hinaus. Kurse, Vorträge und Workshops finden ebenso in Senftenberg, Lübben, Calau, Neu Zauche, Straupitz, Vetschau und Lieberose statt.

Neben der Förderung von Sprache und Kultur des gesamten Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden sind dem Team um Maria Elikowska-Winkler die Verbindungen nach Polen besonders wichtig. Angeboten werden Polnischkurse und Kooperationsveranstaltungen zu Literatur, Politik und Brauchtum. "Vielfalt der Kulturen" lautet das Motto des neuen Semesters. Unter diesem Slogan präsentiert sich die Sprachschule auch auf der Impuls-Messe am 8. und 9. Januar.

Um die polnische Sprache erlebbar zu machen, bietet die Sprachschule vom 7. bis 11. März zwei parallele Wochenkurse an. In mehr als elf Semester-Kursen kann jeder, je nach Voraussetzungen und Wünschen, die passende Gruppe finden. Sie starten am 18. Januar. Für Neueinsteiger gibt es einen Kurs ab Donnerstag, 17. März, teilt die Schule mit.

Zusätzlich organisiert das Team Begegnungen mit polnischen Partnern, so einen Osternachmittag oder ein Handarbeit-Treffen. Im März geht es in einer Veranstaltung mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft um die Beziehungen der Nachbarländer.

Der Januar ist bereits mit zahlreichen Kursen belegt. Die wendische Tracht steht gerade jetzt in der Zapust-Zeit (wendische Fastnacht) im Mittelpunkt. Kurse für Anziehen und Pflege der Festtagstracht gibt es am 7. Januar in Ruben, am 13. Januar in Burg, am 20. Januar und am 17. Februar in Sielow. Dabei stehen die Trachtenschneidereien Heinze, Jacobick und Sapjatzer mit Rat und Tat zur Seite.

Sorbisch/Wendisch wird in differenzierten Kursen in Cottbus und Umgebung angeboten. In 30 Kursen können Kinder, Jugendliche, Erzieher, Kirchenmitarbeiter, Eltern der Sorbisch-Schüler und weitere Interessenten die Sprache kennenlernen oder ihre Kenntnisse aufpolieren. Ergänzend gibt es 17 Veranstaltungen für die Sprachanwendung in den Orten, darunter am 15. Januar in Gulben und am 21. Januar in Byhleguhre. Ein als Weiterbildungsmaßnahme anerkannter Wochenkurs, angereichert mit Vorträgen und Begegnungen, findet vom 23. bis zum 30. Juli statt.

Malkurse und Vorträge

Im März werden Ostereier mit der Wachsmaltechnik geschmückt, zudem gibt es einen Malkurs für Illustrationen.

Kinder und Jugendliche können sich in den Winterferien am 1. und 2. Februar ganz dem Comic widmen. An Erwachsene, die sich für Illustrationen zu Geschichten interessieren, richtet sich die Werkstatt mit Ingrid Groschke am 18. und 19. April.

Außerdem im Programm: 20 Vorträge zur wendischen Sprache, Geschichte oder Minderheitenpolitik. In Kackrow geht es am 21. Januar um wendische Familiennamen, am 17. Februar in Neu Zauche um den Straupitzer Pfarrer Albin Moller, am 26. Februar in Cottbus um die "Freiheit der wendischen Weiber" und am 7. April in Senftenberg um den Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe. Neue Erkenntnisse über den Altkreis Cottbus und seine wendischen Zeugnisse werden am 19. Mai in Werben vorgestellt. "Ein wichtiger Höhepunkt im ersten Halbjahr werden Präsentationen von Sprachdokumentationen sein", so Maria Elikowska-Winkler, "die für das Lernen der wendischen Sprache und ihre dialektale Vielfalt von großer Bedeutung sind." Es handle sich um neue sowie bis zu hundert Jahre alte Dokumentationen in Ton und Schrift.

Zum Thema:
Das Semesterprogramm wird in Cottbus in der Stadtverwaltung, der Kulturinformation Lodka, der Stadtbibliothek und im Wendischen Museum ausgelegt und kann auf Wunsch zugeschickt werden. Kontakt: E-Mail post@sorbische-wendische-sprachschule.de, Telefon: 0355 792829; www.sorbische-wendische-sprachschule.de